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Andreas Klahn – Busfahrer, Hausmeister und Gärtner

Wer an der Pritzwalker Straße 16 den Weg über den Innenhof zwischen den Häusern  bis zur Wilsnacker Straße benutzt, freut sich. Hier ist es immer sauber, der Wasserfall plätschert und auf den Gartenterrassen blühen das ganze Jahr über die Blumen. All das hat Andreas Klahn, 51 Jahre, geschaffen. Er ist Hausmeister für das im Inneren des Blocks gelegene Wohnhaus, Pritzwalker Straße 14-15, Hausmeister im Nebenjob. Eigentlich fährt Klahn BVG-Busse, Vollzeit im Schichtdienst. Geboren und aufgewachsen ist er in Kreuzberg, lebte ab 1979 für acht Jahre in Westend. „Ich war froh, als ich wieder in die Innenstadt ziehen konnte. Im Westend hab‘ ich in einem Haus mit nur acht Mietparteien gewohnt und kannte nach acht Jahren noch nicht einmal alle Nachbarn.“

Seit 1987 – das Haus  war gerade fertiggestellt –  wohnt Klahn mit seiner Frau in einer der Hochparterre-Wohnungen hinter dem Terrassengarten. Nein, damals gab es dort noch gar keinen Garten, sondern nur eine Böschung, bepflanzt mit einigen Bodendeckern. Rund um das Haus lagen ein paar Rasenflächen und Bauschutt. Nach und nach, in vielen Jahren und Jahrzehnten hat Klahn den Garten angelegt. „Zuerst hab‘ ich nur ein paar Studentenblumen zwischen die Bodendecker gesetzt. Ich merkte, wie die Leute sich darüber freuen, so wurde der Garten zu meinem Hobby.“ Klahn hat Steine gesammelt, den Zaun gebaut, Pflanzen angeschafft und sogar in den Wintermonaten in seiner Kellerwerkstatt Pflanztröge und Einfassungselemente für Beete und Wege aus Zement gegossen. Alles aus eigener Initiative und in Absprache mit der Hausverwaltung, die manchmal auch Material, wie zum Beispiel einige Säcke Erde, zur Verfügung stellt.

Es ist für uns heutige Besucher kaum vorstellbar, dass die Eiche hinterm Haus aus einer Eichel selbst gezogen wurde. Jetzt ist sie 20 Jahre alt und ein richtiger Baum. Auch die großen Lebensbäume wurden als kleine Topfpflanzen gesetzt. Die Gestaltung der Anlage wirkt professionell, dabei sagt Klahn: „Ich bin kein Gärtner, ich habe nur einen grünen Daumen und probiere alles aus, Was nicht wachsen will, fliegt eben wieder raus.“

Mit unachtsamen Kindern und energiegeladenen Jugendlichen hat er manchmal seine „liebe Not“ – wie man früher so schön sagte. Doch die direkte Ansprache funktioniert. Nur noch wenige lassen ihre Eispapiere oder Coladosen einfach fallen. Traurig, aber eine notwendige Maßnahme, ist die Absperrung der Treppe zu den über der Tiefgarage gelegenen Tischtennisplatten. Eigentlich als Spielplatz gedacht wurde hier schon vor vielen Jahren alles zerstört – nicht von Jugendlichen aus den umliegenden Häusern, alle trafen sich hier, sogar aus der Kruppstraße.

„Ich mag das Kiezgefühl in Moabit, auch wenn nicht alles schön hier ist.“ Man kennt sich und hilft sich gegenseitig. Klahn hilft gerne, wenn zum Beispiel mal ein Wasserhahn tropft. Oder er sammelt Altpapier für einen Nachbarn, der das zum Kinderhospiz bringt. „Am besten Zeitungen und Kataloge, die sind schön schwer, denn pro Kilo gibt es 15 Cent. So kommt das Geld für Auflüge zusammen.“ Klahn ist Vorbild, beharrlich und unauffällig. Es gibt schon einige Jungens, die er in der Pritzwalker oder Wilsnacker Straße hat aufwachsen sehen, die Busfahrer geworden sind.

Nun muss aber noch erzählt werden, wie der Wasserfall entstanden ist. „Mir fehlte hier schon lange das Wasser und ich stellte zuerst eine Vogeltränke auf. Dann erkundigte ich mich, wie man einen Wasserfall baut und hab‘ es schließlich auch geschafft und die Schläuche unterirdisch verlegt.“ Die Pumpe hat Klahn selbst gekauft. Wasser und Strom gibt es vom Haus. Einmal fragte ein neuer Mieter: „Wer zahlt det denn!“ Klahn: „Na Sie, über die Betriebskosten!“ Doch der Aufwand fällt nicht groß ins Gewicht, schließlich wird immer dasselbe Wasser umgewälzt. Aber es macht Arbeit, jeden Winter muss Klahn alles abschalten, teilweise abbauen, säubern und wenn notwendig reparieren.

Am 16. Juni hat Andreas Klahn – gemeinsam mit der Langen Nacht der Chöre, der Mietergenossenschaft am Unionplatz und dem Café Martha & Maria, den Moabiter Wecker 2011 des Kreisverbandes Moabit der CDU erhalten. Vorgeschlagen für den Sonderpreis hat ihn Ingrid Thorius, mit der er hier (Bild oben) vor dem Wasserfall steht. Die frühere Oberschwester im Krankenhaus Moabit ist die Tochter Klara Frankes und wohnt in der Pritzwalker Straße. Für Klahn war es eine große Überraschung. Sie tat sehr geheimnisvoll und scheppte ihn mit in die Arminiusmarkthalle zur Preisverleihung. Als dann in der Suri-News (früher: Mobi-News) berichtet wurde und der Preisträger des Sonderpreises nicht mit Namen genannt wurde, sondern statt dessen die Leser aufgefordert wurden im CDU-Büro anzurufen, um herauszufinden, wer den Preis bekommen hat, ärgerte sich Ingrid maßlos. „Da habe ich mich an meine Mutter erinnert. Die sollte auch einmal den Moabiter Wecker bekommen und sagte damals ‚Nein, in einem Wahljahr nehme ich keinen Preis an‘. Da hätte ich mal vorher dran denken sollen.“ Nun wird auch die Suri-News in ihrer neuen Ausgabe berichten. (Nachtrag: im September 2011 auf Seite 11 steht, dass „Andreas Klahn angeboten hat, weitere Bürger mit Rat und Tat zu unterstützen, die seine 25jährige Erfahrung bei ihrer Begrünung brauchen könnten. Tel.: 3944978„.)

Hier noch einige Bilder aus dem Garten:

Nachtrag vom 17.2.2012:
Interview mit Andreas Klahn zum BVG-Streik in der Berliner Zeitung und ein Foto vom Wasserfall bei moabit.net.

Garmisch in Moabit“ heißt der Wasserfall bei moabit.net

 

Ein Kommentar auf "Andreas Klahn – Busfahrer, Hausmeister und Gärtner"

  1. 1

    Hallo,

    wie wunderbar, dass über diesen garten, über den ich mich schon seit 11 jahren freue, mal berichtet wird. wenn ich von meiner wohnung in der pritzwalkerstrasse an dem garten vorbei zum bioladen in die wilsnackerstrasse gehe, bleibe ich oft stehen und erfreue mich an dem garten und habe ich mich immer wieder gefragt, wer das wohl eingerichtet hat und sich so liebevoll darum kümmert. nun weiss ich’s!
    vielen dank für die info und besonders an herrn klahn für seine initiative, die unseren kiez bereichert.

    viele grüsse aus der pritzwalkerstrasse
    helen schmidt

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