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Kulturfabrik unterzeichnet Selbstverwaltungsvertrag

Viele haben mittlerweile nicht mehr daran geglaubt, dass es mit der Sanierung des Hauses der Kulturfabrik Moabit in der Lehrter Straße 35 doch noch etwas wird, schließlich hat das „Projekt Kulturfabrik“ in dem als  Fabrik und Lagerhaus für Wertheim von  Ernst Scharnke 1911/12  errichtetem Gebäude mittlerweile schon 20 Jahre „auf dem Buckel“ und seit Projektbeginn war klar, dass das Gebäude dringend saniert werden muss. Am 21. Februar 2012 erfolgte  ein wichtiger Zwischenschritt als Voraussetzung für die Beauftragung der Sanierungsarbeiten: Die Kulturfabrik Moabit und der vom Land Berlin für das Haus eingesetzte Treuhänder, die GSE gGmbH, unterzeichneten in einer kleinen öffentlichen Feier den Selbstverwaltungsvertrag zwischen den beiden Beteiligten.

Glückliche Gesichter nach der Vertragsunterzeichnung bei Stefan Fürstenau und Dieter Ruhnke

Stefan Fürstenau, Mitglied des Kulturfabrik Vorstands gab einen Rückblick: Die Kulturfabrik besteht seit mittlerweile über 20 Jahren, in dieser Zeit haben mehrere Hundert Ehrenamtliche sich hier aktiv eingebracht und den Betrieb ermöglicht. Viele Krisen waren in der Vergangenheit zu überwinden, so als 1996 die vorgesehenen Sanierungsmittel des Senats für das Haus von Bausenator Nagel gestrichen wurden. Damals auch wurden zudem die oberen Etagen des Hauses von der Bauaufsicht aufgrund des schlechten Zustands geschlossen. Seitdem gab es immer wieder Versuche aus verschiedenen Fördertöpfen, z.B. über Lottomittel, und dem Umweltentlastungsprogramm, Geld für die Sanierung zu erhalten.

Die bisherigen 20 Jahre Kulturfabrik bedeuteten auch, nur einen eingeschränkten Betrieb ermöglichen zu können. Im Winter waren die Räume nur teilweise zu bespielen, der Filmrauschpalast gab für die Besucher Decken aus, das Theater war teilweise gar nicht bespielbar, auch gab es Probleme mit einfrierenden Wasserleitungen. Über all die Jahre war es deshalb die Regel, dass die Mitstreiter der Kulturfabrik einen hohen Anteil ihre Zeit nicht in die kulturellen Angebote sondern über „erweiterte Hausmeistertätigkeiten“ in die Sicherung der Substanz des Gebäudes hineinsteckten. Die anstehende Sanierung bedeutet für die Macher der Kulturfabrik eine Chance, sich neu zu erfinden und ihre kulturellen Inhalte neu zu denken und auszurichten. Es war eine schwieriger Weg mit Höhen und Tiefen. Seit acht Jahren hat nunmehr die Kulturfabrik zusammen mit der GSE als treuhänderischem Verwalter des Hauses versucht, die Dinge zu „wuppen“.

Dieter Ruhnke, Geschäftsführer des treuhänderischen Sanierungsträgers GSE gGmbH: „Mit dem heutigen Tag sind es 7148 Tage, die die GSE das Kulturfabrik-Haus bewirtschaftet, seit 816 Tagen wurde der Vertrag, der siebzehnmal geändert wurde, verhandelt. Die 18te Fassung liegt jetzt vor zur Unterzeichnung.“ Die Mittel für die anstehende Sanierung des Hauses kommen einerseits von der Stiftung Klassenlotterie, hinzu kommen Mittel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus ehemaligen Treuhandgeldern des früheren Sanierungstreuhänders Ausnahme und Regel. Auch die GSE wird Geld aus ihrem Treuhandvermögen für die Maßnahmen einsetzen. Wie Stefan Fürstenau bedankte sich auch Dieter Ruhnke bei den vielen Beteiligten und Unterstützern.

Wann jedoch der erste Stein wirklich bewegt werden wird, vermag auch Ruhnke nicht einzuschätzen. Noch immer gibt es unvorhergesehene Hindernisse. So mussten bei einer Sitzung vor 14 Tagen mit dem Bezirksamt die Vertreter von Kulturfabrik und GSE erfahren, dass die lange abgesprochene Besitzeinweisung für einen zur Kufa hinzukommenden etwa 15 Meter breiten Streifen südlich des Hauses (derzeit Teil des Klara-Franke-Spielplatzes) gar nicht ginge. „Mittlerweile wissen wir aber, wie es doch geht“ fügt Ruhnke dann aber hinzu. Nach der erfolgten Vertragsunterzeichnung zwischen Kulturfabrik und GSE können die Architekten mit der Ausführungsplanung beauftragt werden, etwa nach Ostern soll der Bauantrag gestellt werden. „Wie lange die Genehmigung dann dauert, das liegt am Architekten, wie freundlich der dann beim Bauamt nachfragt.“ Nach Vorliegen der Baugenehmigung könne dann die Ausschreibung der Bauaufträge erfolgen. Wenn das Gebäude schließlich fertig ist, wird dort neben den bisherigen Angeboten von Fimrauschpalast, Fabriktheater, Slaughterhouse und 35services auch vom Bund Deutscher PfadfinderInnen betriebene Gästeetagen untergebracht sein.

Nachtrag:
Artikel in der Berliner Woche vom 7.3.12 und vom 21.12.

Zeitung.de über die Stimmung vor dem kommenden Umbau.

Berliner Morgenpost über den Filmrauschpalast, in dem immer auch 2015 noch der Heizer kommt, um Holz nachzulegen. Neuer Artikel zum Filmrauschpalast.

Eröffnung der Nachbarschaftswerkstatt am 21. Mai 2016 (Berliner Woche und QM Moabit-Ost).

8 Kommentare auf "Kulturfabrik unterzeichnet Selbstverwaltungsvertrag"

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    Zeitungsleser says:

    Im Zusammenhang mit der Kulturfabrik ist das last minute Engagement von Bezirksbürgermeister Hanke für den Schokoladen schon bemerkenswert. In der TAZ spricht er sich für „gentrifizierungsfreie Inseln“ aus:
    http://www.taz.de/!87796/

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    Rané says:

    Tja, der Unterschied liegt zwischen Worten und Taten. Labern können sie alle, unsere Politiker.
    Aber inhaltlich (die Worte) hat er ja völlig Recht. Fragt sich nur wie viel Zeit uns bleibt, ähnliche Entwicklungen wie in Paris oder London zu verhindern.

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    Jürgen says:

    In der Onlineausgabe der Berliner Woche ist im Artikel vom 21.12.12 zu lesen, dass der Kulturfabrik Vorstand nunmehr für Januar 2013 mit der Unterzeichnung des Vertrages gerechnet wird, der die im obigen Artikel angesprochene Übergabe des an der südlich der Kufa gelegenen Streifens u.a. für Fahrstuhl und Außengastronomie regelt (Der Spielplatzbereich wird im Rahmen der Umgestaltung zusammen mit dem ehemaligen Schleicherareal in der Lage und Orientierung verändert und gleichzeitig vergrößert). Ebenfalls für Januar 2013 erhofft die Kulturfabrik als Nutzer des der GSE gGmbH gehörenden Gebäudes auch die Baugenehmigung für die Sanierungsarbeiten der Kufa. GSE und Kulturfabrik sind dabei gemeinsame Bauherren:die GSE verantwortet die Rohbauarbeiten, die Kulturfabrik den Innenausbau. Baubeginn könne nunmehr Frühjahr oder Sommer 2013 sein, wird Stefan Fürstenau vom Vorstand der Kulturfabrik Moabit zitiert.

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    Arbeiter der Faust says:

    ABsolut korrekt, der Zeitungsartikel im Tagesspiegel.
    Niemand braucht hornbebrillte Hipster in Moabit.

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