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Christian Klünder – Buchbinder

fadenbindung-250Altes Buchbinder Handwerk, darauf versteht sich Christian Klünder. Zu seinen Kunden zählen Künstler, Architekten, Privatleute, Studenten, Steuerberater, aber auch – jedoch immer weniger – öffentliche Einrichtungen wie Universitäten. Seit 1923 existiert der Buchbindereibetrieb in der Rathenower Straße 60. Ursprünglich war sie in einer Remise des Hauses untergebracht, in den jetzigen Räumen ein Kneipe mit Vorgartenlokal. Später zog die Buchbinderei in die jetzigen Räume im Hochparterre des Vorderhauses, da der Platz in der Remise nicht mehr reichte.

Christian Klünder ist der dritte Inhaber der Buchbinderei. 1969 fing er als Lehrling bei seinem Vorgänger an. Als dieser 1980 in den Ruhestand ging, übernahm Klünder den Betrieb. Christian KlünderZwei Personen arbeiten dort fest, zusätzlich wird ein Lehrling ausgebildet und lernt auch die traditionellen handwerklichen Arbeitsweisen des Buchbindens. Bezogen auf den „Altbezirk Tiergarten“ ist Christian Klünders Buchbinderei die einzige handwerklich orientierte, die noch übrig geblieben ist. Überhaupt sind solche Betriebe nicht mehr zahlreich, gerade 19 Betriebe führt die Berliner Handwerkerinnung auf, einschließlich zweier Betriebe im Land Brandburg. Vielleicht 5-6 weitere, nicht in der Innung organisierte Betriebe gibt es außerdem, schätzt Klünder. Und wie es um die Zukunft des Berufes bestellt ist, ist schwer einzuschätzen. Denn die Digitalisierung von Daten und die Umstellung auf rein digitale Archive könnte so machen Auftrag wegfallen lassen. So sollen in zwei Jahren die Unterlagen der Standesämter nur noch digital archiviert werden.

Goldenes Buch der Stadt SpandauDer gegenwärtig prominenteste Gegenstand, den Klünder instand setzt, ist das Gästebuch der Stadt Spandau. Aus dem Jahr 1913 stammt es, als Spandau noch eine eigenständige Stadt war – 1920 wurde mit einer Gebietsreform aus den vielen einzelnen Städten die Gesamtstadt Berlin gebildet. Nach nur wenigen Eintragungen bis 1921 im „Goldenen Buch“ war dieses dann bis zum Ende des zweiten Weltkrieges verschollen, warum ist bis heute ungeklärt. Auch heute ist noch viel Platz für Eintragungen enthalten, bei guter Pflege kann das Gästebuch noch lange genutzt werden. Aber ab und an gibt es doch was auszubessern, und dann kümmert sich Christian Klünder in feiner handwerklicher Arbeit um die Instandsetzung. Auch mit Ausbesserungen im „goldenen Buch“ des Landes Berlin hat er ab und an zu tun.

noch zu bearbeitenDas Spektrum der Aufträge ist sehr unterschiedlich. Ein Fotograf hat gerade sein neuestes Fotobuch bei ihm einbinden lassen, der Einband ist aus Kuhleder, wie schon die vorherigen Bände, die er seit acht Jahren bei Klünder binden lässt. Ein Steuerberatungsbüro lässt den letzten Jahrgang seiner wichtigen Fachzeitschriften binden. Aber auch ein altes Kochbuch liegt oben auf einem Stapel wiederherzustellender Bücher. Die Wiederbindung von Märchenbüchern gehört zu den Dingen, die bei Privatleuten beliebt ist. Auch eine sehr angegriffene Bibel aus dem 18. Jahrhundert zeigt Klünder, vom ehemaligen Einband ist kaum noch etwas erhalten, und durch schon mal erfolgte Arbeiten sind auch die Seiten in Mitleidenschaft geraten – die Entscheidung, ob sich der hohe Aufwand einer Neubindung lohnt, muss der Kunde treffen. Neben der Bindung von Büchern und Zeitschriften gehört auch die Herstellung von Kartonagen und gestalteten Aufbewahrungsbehältnissen in Kleinserien zu den Aufträgen. Sorgsam gestaltete und gearbeitete Aufbewahrungen für DVD sind dafür ein Beispiel, denn gerade wenn DVD künstlerische Inhalte haben, soll auch die Verpackung künstlerisch repräsentativ sein. Eine vielfältige und interessante Arbeit fällt in der Buchbinderei im Moabiter Kiez an, und so mancher Nachbar schaut auch mal auf einen Plausch rein. Es lohnt sich, dort mal vorbeizuschauen!

Nachtrag:
Lesen Sie auch den Artikel aus der Reihe „Berliner Perlen“ aus der Morgenpost vom 7.8.2012

Klünder bindet auch das goldene Buch der Stadt Berlin (B.Z.)

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