So können Sie mitmachen!

MÜHSAM! literarisch-musikalische Mahnwache

em75plakatErich Mühsam zum 75. Todestag
Zwölfstündige literarisch-musikalische Nachtwache im Gedächtnispark Lehrter Zellengefängnis (Eingang von der Minna-Cauer-Straße aus) vom 9. bis 10. Juli 2009 ab 19 bis 7 Uhr morgens [17. (Tamus) – 18. Tammus 5769, hebr. Kalender]

Im Gedenken an Erich Mühsam und andere Opfer des Naziterrors findet im Gedächtnispark Lehrter Zellengefängnis, gegenüber dem Berliner Hauptbahnhof, von 19 Uhr am 9.7. bis 7 Uhr am 10.7. eine 12stündige literarisch-musikalische NACHTWACHE statt. Der in der Mitte des Parks stehende offene Betonwürfel dient als Vortragsplattform.

Wichtige organisatorische Hinweise für die Besucher der Veranstaltung!
Sitzgelegenheiten oder Sitzdecken o.Ä. werden von den Gästen entweder selbst mitgebracht oder die Gäste setzen sich auf den umliegenden Rasen, Bänke oder Mauern. Zudem werden die Gäste aufgefordert für die späteren Abendstunden oder ggf. Nachtstunden möglichst viele Windlichter (Grablichter) mitzubringen um den Park zu illuminieren (keine losen Kerzen, keine Teelichter ohne Windschutz, keine Fackeln!). Auf Vermeidung von Müll wird von Anfang an größter Wert gelegt, schon um der Würde des Ortes und der Veranstaltung willen. Falls Gäste ein menschliches Bedürfnis verspüren, können sie den gegenüberliegenden Bahnhof aufsuchen.

Die Vorträge erfolgen „unplugged“, also ohne Verstärkeranlage, da auch nicht mit einem in die Hunderte gehenden Publikum gerechnet wird. Sollten wider Erwarten mehr Gäste kommen, werden die anwesenden KünstlerInnen sich aufteilen und an verschiedenen Stellen des Parks (Hofgangstele, Zellenstele, Stein-Ensemble, Baumrotunde etc.) lesen/vortragen. Auch Gäste können sich nach Absprache beteiligen.

Bei schlechtem Wetter steht der Mitveranstalter Kulturfabrik Lehrter Straße 35 – Theaterdock, zur Verfügung. Der Beginn würde sich dann um eine halbe Stunde auf 19:30 Uhr verschieben. Nachkommende Gäste werden dann per wetterfestem Aushang auf den geänderten Veranstaltungsort aufmerksam gemacht, so daß sie zur KuFa weitergehen können (10 Min. zu Fuß oder drei Busstationen Haltestelle Kruppstr.).

DER EINTRITT IST FREI.
Spenden sind willkommen.

Über  Erich Mühsam
Der Dichter, Kabarettist der ersten Stunde, politische Publizist und Journalist Erich Mühsam wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von SS-Schergen der „Leibstandarte Adolf Hitler“ umgebracht.
Josef Goebbels: „Dieses rote Judenaas muß verrecken!“

Mühsam wurde am Abend des 9.7.1934 mit einem Strick zum SS-Kommandanten zitiert, der ihm zwei Tage vorher befohlen hatte, sich aufzuhängen (Mühsam zu seinen Leidensgenossen: „Den Gefallen werde ich denen nicht tun, meinen eigenen Henker zu spielen.“). Der Gepeinigte, dem klar war was kam, hatte seine wenigen Habseligkeiten schon vorher an die anderen verteilt. Erregt legten sich einige Gefangene auf die Lauer. Erich kam nicht in die Unterkunft zurück. Beim Morgenappell am 10.7. fehlte Mühsam. Höhnisch forderten die SS-Wachen die Gefangenen auf, den Verschwundenen zu suchen: sie fanden ihn aufgeknüft auf dem Abort. Schon der komplizierte Knoten im Seil verriet, daß der bekannt handwerklich ungeschickte Mühsam ermordet worden war. Zuvor war der herzkranke und halbtaube 55jährige über weite Strecken seiner 14monatigen Gefangenschaft an verschiedenen Haftorten bestialischen und erniedrigendsten Foltern ausgesetzt.

Erich Mühsam, jüdischer Abkunft, Bohèmien und Anarchist, Teilnehmer der Münchener Räterepublik von 1918-19, war nach der NS-Machtübernahme der erste prominente Literat der Weimarer Republik, der als Opfer der Nazigewaltherrschaft sterben mußte. Er steht dadurch auch stellvertretend für die vielen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizisten und politischen Journalistinnen und Journalisten, die von den Nazis verfolgt, ins Exil getrieben und ermordet wurden. Dies zeichnete sich allerdings bereits 1919 bei der SPD-veranlassten militärischen Niederschlagung der Münchener Räterepublik durch Soldaten ab, die teils schon das Hakenkreuz am Stahlhelm trugen. (Lied: „Hakenkreuz am Stahlhelm, schwarzweißrot das Band – die Brigade Erhardt werden wir genannt.“) Diese nationalistisch-antisemitischen Marodeure ermordeten dort auch Mühsams Freund und Lehrer, den jüdischen Intellektuellen Gustav Landauer.

Der Veranstaltungsort ist authentisch, da Erich Mühsam 1933 nach seiner Verhaftung im Zuge des Reichstagsbrandes in dieses Gefängnis eingeliefert wurde. Die Gäste betreten den Park durch das Tor an der Minna-Cauer-Straße, wo sich von 1943 bis 1945 die GeStaPo-Abteilung befand. Seit Eröffnung des Gefängnisses Mitte des 19. Jahrhunderts saßen in ihm politische Gefangene ein – viele von ihnen wurden ermordet.

Veranstalter:
Freie Kultur Aktion e.V., Dorotheenstädtische Buchhandlung, Kulturfabrik Lehrter Straße, Theaterdock, Bürgerinitiative Lehrter Straße – Für eine billige Prachtstraße e.V., Kunstverein Tiergarten, El Patio e.V., Verband Deutscher Schriftsteller – Berlin, Internationale B.Traven Gesellschaft (IBTG), Internationale Tucholsky Gesellschaft, Erich-Mühsam-Assoziation (EMA) / Mühsam Association International (MAI)
weiter angefragt: Akademie der Künste, P.E.N. Deutschland, Reporter ohne Grenzen u.a.m.

Organisator der Veranstaltung,  ist der Autor und Publizist R@lf G. Landmesser

Das (vorläufige) Programm finden Sie in unserem Veranstaltungskalender!

3 Kommentare auf "MÜHSAM! literarisch-musikalische Mahnwache"

  1. 1

    Wunderbar, es zeigt sich, wie hoch der Stellenwert der Kultur bei Moabit-Ost zu bewerten ist.

  2. 2

    Und ich habe mich gefreut, Isabell Neuenfeldt nach vielen Jahren wiederzutreffen. Damals hatte sie sich gewagt Tom Waits mit Eigeninterpretationen zu präsentieren und dies ist ihr auch gelungen. Bravo !!!
    Ansonsten haben Lesungen mit Taschenlampen und Grablichtern zwar ihren besonderen Reiz, aber es wurde mir dann doch zu kalt.

  3. 3
    suse sagt:

    Es war ein wunderbares Programm, sehr dichte Athmosphäre, nur ein wenig laue Sommernachtluft fehlte.

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