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Zeitzeugengespräche und Demonstration in Moabit

Am 25. Oktober fand im Filmrauschpalast der Kulturfabrik Moabit das erste Zeitzeugengespräch im Rahmen der Aktivitäten  zum diesjährigen Gedenken an den 9. November 1938 statt. Unter dem Titel „Damit die deutschen Soldaten aufhören, Nazis zu sein.“ berichtete der 88jährige Hans Herzberg, DRAFD, aus seinem Leben. Er hatte als jüdischer Flüchtling für die Britische Armee Befragungen von deutschen Wehrmachtssoldaten durchgeführt. Sein Humor angesichts des ernsten Themas war erstaunlich und sehr erfrischend.

AIM-Hans-Herzberg-250Hans Herzberg wurde 1921 in Hannover als Sohn einer liberalen jüdischen Familie geboren. 1939 floh er unter dem Eindruck der Novemberpogrome mit einem Kindertransport nach England. Im Internierungslager sowohl in Großbritannien, als auch in Kanada politisierte er sich durch den Kontakt mit deutschen Antifaschisten und Emigranten. Nach Kriegsbeginn begann er für die britische Armee als Dolmetscher zu arbeiten, und führte Befragungen von deutschen Kriegsgefangenen durch. Mit dem Wunsch, an dem Aufbau einer antifaschistischen Gesellschaft mitzuwirken und so ein neues 1933 zu verhindern, kehrte er als einziger aus seiner Familie nach Deutschland zurück. Das diesjährige Gedenken zum 9. November nahm die A.I.M. zum Anlass, um mit Herzberg ein Gespräch über sein Leben und seine Erfahrungen zu führen, in denen sich die nationalsozialistische Verfolgungs- und Vernichtungspolitik widerspiegelt.

Ein weiteres Zeitzeugengespräch unter dem Titel „Bleib aufrecht, mein Sohn“ mit Hermann-Ernst Schauer und Ursula Schauer folgt am nächsten Sonntag, den 1. November um 16 Uhr am gleichen Ort.

Hermann-Ernst Schauer wurde 1923 in Rostock geboren, nahm als junger Wehrmachtssoldat 1941 am Überfall auf die Sowjetunion teil und geriet in Kriegsgefangenenschaft. Er änderte seine politische Einstellung und beteiligte sich 1943 an der Gründung des „Nationalkomitees Freies Deutschland“. Ab 1944 kämpfte er in Weißrussland an der Seite von Partisanen gegen den Nationalsozialismus. Hermann Schauer wird uns aus seinem bewegten Leben erzählen und seine Frau Ursula Schauer wird Passagen aus seinem Buch „Bleib aufrecht, mein Sohn“ vorlesen. Im Anschluss wird der recht neue Film „Unbeugsam – Defiance“ mit Daniel Craig in der Hauptrolle gezeigt, der die Geschichte einer Gruppe jüdischer Partisanen in den Wäldern bei Bielstock (Ost-Polen) im heutigen Weißrussland erzählt.

AIM-250Am 9. November um 17 Uhr, dem 71. Jahrestag der Reichspogromnacht findet unter dem Motto „Kein Vergessen – Kein Vergeben!“ eine Gedenkkundgebung mit dem Zeitzeugen Peter Neuhof (*1925) und Musik am Mahnmal an der ehemaligen Synagoge in der Levetzowstraße in Moabit statt.

Im Anschluss wird mit einer antifaschistischen Demonstration durch Moabit zum Deportationsmahnmal auf der Putlitzbrücke den deportierten und ermordeten Jüdinnen und Judengedacht, die diesen Weg am hellichten Tage unter aller Augen gehen mussten.

Veranstalter sind die Antifaschistische Initiative Moabit (AIM), die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der DRAFD, Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und in der Bewegung „Freies Deutschland“ e.V.

Ein Kommentar auf "Zeitzeugengespräche und Demonstration in Moabit"

  1. 1
    Rané says:

    Bravo, wir sollten die Erinnerung der Vergangenheit wachhalten, aber die Gegenwart fordert uns.
    Schaffen wir es, den geldgeilen Mächten eine menschliche Solidarität entgegenzusetzen ?

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