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15 Jahre Arbeiten in Moabit – 15 Jahre Quartiersmanagement

Beatrice Pfitzner war von Anfang an dabei

In diesem Jahr feiern wir, das Quartiersmanagement Moabit West, unser 15-jähriges Bestehen. Nachdem im Herbst 1999 das Vor-Ort-Büro in der Rostocker Straße 3 eröffnete, sind von dieser Adresse zahlreiche Aktionen und Initiativen ausgegangen. Vieles wurde erreicht, Baumaßnahmen umgesetzt, Netzwerke organisiert, Kontakte geknüpft und zahlreiche Projekte initiiert, die die Verbesserung des nachbarschaftlichen Miteinanders und des Wohnumfeldes sowie der Bildungssituation der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zum Ziel hatten. Bea-Pfitzner_D-Engelhardt_18-250

Ich habe vor 15 Jahren an der Humboldt-Universität Geographie mit dem Schwerpunkt Stadt- und Siedlungsgeographie sowie Stadtsoziologie studiert. An der Uni war gerade ein neues Verfahren in der Entwicklung von benachteiligten Stadtquartieren in aller Munde. In Nordrhein-Westfalen gab es bereits spannende Berichte und auch in europäischen Nachbarländern nutzte man integrierte Ansätze zur Stadtteilentwicklung. Und nun gab es auch in 12 Quartieren in Berlin ein Quartiersmanagement!

An einem Abend auf dem Weg nach Hause in die Rostocker Straße 9 kam ich am neu eingerichteten Vor-Ort-Büro des Quartiersmanagements Moabit West vorbei und staunte nicht schlecht – QM jetzt auch bei mir in der Straße! Einige Tage später stellte ich mich vor und fragte nach der Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren. Kurzfristig und unbürokratisch konnte ich am 6. März 2000 zunächst für sechs Wochen beginnen. Wie konnte ich ahnen, dass es mich mindestens die nächsten anderthalb Jahrzehnte begleiten wird?

Viele Einblicke habe ich in die Arbeit des Quartiersmanagements erhalten. Ich habe Kontakte zu Bewohnern geknüpft und erste kleinere Aktionen im öffentlichen Raum und Rundgänge organisiert. Nach dem Praktikum konnte ich meinen Kellnerjob an den Nagel hängen und für ca. 15 Stunden in der Woche im Vor-Ort-Büro arbeiten. Verantwortlich war ich insbesondere für die Kontakte zu den Bewohnern und die Begleitung diverser Arbeitsgruppen (z.B. „Hunde in der Großstadt“). Ein besonderer Höhepunkt war die Ideenwerkstadt im Jahr 2001 in der ehemaligen Richard-Schröter-Grundschule. Schon damals waren Menschen aktiv, die sich beruflich und ehrenamtlich noch heute mit Moabit beschäftigen.

Diese Kontinuität ermöglicht vertrauensvolles und kooperatives Arbeiten. Mit dem ersten Kind im Jahr 2003 gab es dann eine Zwangspause. Ich beendete mein Studium und war dann ziemlich ratlos, wie man als junge Mutter einen Einstieg in das Berufsleben finden sollte. Nach mehreren bezahlten und unbezahlten Praktika und einer latenten Zukunftsangst kam im August 2005 der rettende Anruf der S.T.E.R.N. GmbH. Die damalige Leiterin des Vor-Ort-Büros – Susanne Sander – verließ Moabit, um sich neuen Aufgaben in einem neuen Quartiersmanagementgebiet im Wedding zu widmen.

Ziemlich am Anfang meiner Arbeit stand die Entwicklung der „Goldenen Straßenregeln für Moabit“. Können Sie sich noch erinnern? „In Moabit da gilt die Pflicht…“ Wochenlang hatten wir dank der eingängigen Melodie von Thorsten Gardei einen Ohrwurm. Die Zeit ging schnell vorbei, viele Kollegen und Kolleginnen kamen und gingen. Ich blieb und habe die Vermutung, dass sich Moabit von mir trennen muss. Auch wenn sich mein Lebensmittelpunkt zwischenzeitlich in den Südosten Berlins verlagert hat, bin ich eng mit dem Stadtteil verbunden und mag seine zumeist herrlich unaufgeregte Art.

Viele tolle, engagierte Menschen habe ich in der Zeit kennengelernt. Gemeinsam haben wir viel erreicht, z.B. die Realisierung der Moabiter Bewegungslandschaft, den Neubau des Spielhauses im Ottopark, die Etablierung von Netzwerken, der Organisation von Veranstaltungen, wie der „Langen Nacht des Buches“ und den „Moabiter Musiktagen“ oder die Gestaltung einer friedlichen Nachbarschaft, nicht zuletzt durch die Moabiter Erklärung, die 2005 von zahlreichen Religionsgemeinden unterzeichnet wurde. Doch auch in den nächsten Jahren gilt es, weiter an der Entwicklung des Quartiers zu arbeiten und die gute und vertrauensvolle Arbeit fortzusetzen. Darauf freue ich mich!

Ihre Beatrice Pfitzner

Foto: Daniele Engelhardt

Zuerst erschienen in der moabiter INSELPOST, Ausgabe 19, Mai 2014.

Hinweis: Am Freitag, den 4. Juli um 15 Uhr lädt das Quartiersmanagement Moabit West zu einem Rundgang. Treffpunkt das Vor-Ort-Büro Rostocker Straße 3

2 Kommentare auf "15 Jahre Arbeiten in Moabit – 15 Jahre Quartiersmanagement"

  1. 1
    Matthias says:

    Quartiere, die tatsächlich eine einseitige soziale Mischung überwunden haben, taten dies, indem ein Gentrifizierungszyklus in Gang kam. Es zogen Künstler und Stundenden hin, es zog Kneipenkultur, Galerien und Dienstleister wie Designer etc nach. Irgendwann kamen Wohlhabende hinterher. Es gibt bundesweit kein einziges erfolgreiches Beispiel eines dauerhaften Wandels in Defizitquartieren als Folge von Quartiersmanagement. Mehr als Placebo für die Unterprivilegierten und Beschäftigung für den Sozial-Industirellen Komplex ist das nicht. Am Ende haben Menschen in Quartieren eine Chance, weil sie Arbeitsplätze haben, von denen sie leben können. Arbeitsplätze schaffen aber nur Unternehmer – und niemals Quartiersmanager (ausser für Ihresgleichen).

  2. 2
    Bärbel says:

    Also Matthias, ich bin entsetzt über diese negative Aussage.
    Das QM-Moabit-West hat eine Menge angeregt. Bücherbänke, Musiktage, Umgestaltung von Pausenhöfen einzelner Schulen, Umgestaltung einzelner Straßen, Theatertage, Lesungen und, und, und,
    Auf die Schnelle fällt mir nicht alles ein. Vielleicht kann mir jemand helfen.
    Es stimmt allerdings, dass ein besserer Kietz auch „bessere“ Leute anlockt, will sagen, Leute die auch eine höhere Miete bezahlen können und die den Kietz darum für Investoren interessant machen.
    Für junge Leute mögen renovierungsbedürftige Häuser/Wohnungen interessant sein, auch wegen der geringen Mieten. Ältere können aber nicht die Kohlen zum Heizen aus dem Keller nach oben schleppen und sind über Zentralheizungen oä sehr dankbar.
    Ich wünsche sehr, dass das richtige Maß irgendwie erhalten wird.
    Ich lebe seit fast 7 Jahren hier und fühle mich dem Kiez von der Siemensstraße bis zur Spree und wieder zurück sehr verbunden.
    Bärbel

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