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Beusselstraße 43: Wassereinbruch in allen Zimmern

letztes-zimmer-250Am letzten Juli-Wochenende ist die Wohngemeinschaft aus dem vierten Stock aus ihrer Wohnung geflohen. Bereits seit Mai gab es immer wieder Wassereinbrüche durch die Zimmerdecken. Die Fotos (unten) zeigen Wasserflecken, herabfallende Tapeten, sogar Löcher. Zuletzt wohnten die vier jungen Studentinnen – die fünfte hatte bereits vorher aufgegeben – alle zusammen im kleinsten Zimmer (s. Bild rechts), dem einzigen, das noch trocken war. Alle Möbel hatten sie im Flur aufgestapelt und mit Planen bedeckt.

„Es ist unglaublich, wie die von Garrel Hausverwaltung  mit uns umgegangen ist. Wir können Ihnen nur raten, ziehen Sie aus, hieß es. Keine Rede davon, dass die Ursache für die Wasserschäden behoben werden soll. Zuletzt haben wir nur noch nach Planen und Eimern gefragt, um unsere Sachen zu retten,“ erzählt Simone* zwei Tage nach dem Umzug in den Wedding. Aber selbst solche Hilfe haben sie nicht bekommen. Jetzt wird es um Schadensersatz gehen.

o-Dach-hinten-250Wer das Haus von der gegenüberliegenden Straßenseite genau anschaut, erkennt sofort, was die Ursache dieser Wassereinbrüche sein könnte. Das Dach ist zur Hälfte abgebaut. Plastikplanen flattern lose im Wind. Hier werden Dachgeschosswohnungen ausgebaut. Wer dann auch noch die fünf Treppen nach oben steigt, kann sehen, dass drei Dachterrassen ohne jegliche Abflussmöglichkeit für Regenwasser gebaut wurden, in denen das Wasser steht. Wer macht denn so was? Ein Bauschild ist nicht zu entdecken. Aber es ist der gleiche Besitzer und die gleiche Hausverwaltung, wie in der Beusselstraße 52. MoabitOnline berichtete vor kurzem über das Bauchaos dort und den Baustopp durch die bezirkliche Bauaufsicht.

Seit Mai 2014 war ein Außendienstmitarbeiter der Bauaufsicht auch regelmäßig im vierten Stock der Beusselstraße 43 um sich die Schäden anzuschauen. „Wir können auch nicht viel mehr machen, als Fristen setzen,“ war seine wenig ermutigende Auskunft.

muell-hof1-250Im Mai 2012 war die Wohngemeinschaft in die Beusselstraße 43 eingezogen. Schöne helle Zimmer, einfache Ausstattung. Nach etwa einem halben Jahr wechselten Eigentümer und Hausverwaltung. Bereits vorher hatten Bauarbeiten begonnen, die aber immer wieder unterbrochen wurden. Das Haus wurde eingerüstet, das Gerüst auch wieder für kurze Zeit entfernt und dann neu aufgebaut. Die Fassade wurde wärmegedämmt. Nie wurden die Bauarbeiten vorher angekündigt. In der Wohnung selbst waren schon seit Herbst 2012 Mängel aufgetreten, immer wieder neue Mängel, kaputte Klospülung, Schimmel, Mäuse zsw. Seit November 2012 haben die Mieterinnen die Miete gemindert. Als der Herd kaputt ging, wurde kein neuer gestellt. Zu den Mängeln in der Wohnung kamen die Belästigungen durch die Bauarbeiten: Lärm, Schmutz, den man vom Treppenhaus in die Wohnung trägt, Müll. Bauarbeiter haben den Bauschutt und andere Sachen einfach aus den Fenstern geworfen. Der Müll stapelte sich an der Hauswand im Hof zeitweise doppelt so hoch, wie auf diesem aktuellen Bild (oben). Ein paar Mal war auch die Feuerwehr da. Bei einem Sturm im letzten Winter sind zwei neu eingebaute Fensterbänke heruntergefallen. Braucht es noch mehr Zeichen, dass die Bauarbeiten nicht fachgerecht ausgeführt werden?

decke-loch-250Im Januar 2014 begannen wieder neue Bauarbeiten im Dach und in leerstehenden Wohnungen im zweiten und dritten Stock. Seit Mai eskalierten dann die Wassereinbrüche in der Wohnung der Wohngemeinschaft im 4. Stock. Es fing damit an, dass es am Sonntag, 13. Mai, plötzlich morgens früh von der Decke in Simones Bett tropfte. Zuerst waren nur zwei Zimmer betroffen. Jedesmal bei Regen musste jemand nach Hause um die Eimer an die richtigen Stellen zu rücken. Die Studentinnen kamen kaum noch zum Studieren. Schließlich fielen die Tapeten von den Wänden, Steine bröselten aus den Decken, in denen kleine Löcher entstanden und Schimmel breitete sich aus. Weder Hausverwaltung noch Eigentümer reagierten. Das heißt, einmal standen ohne jegliche Ankündigung Bauarbeiter vor der Tür und wollten die Decke in einem Zimmer abtragen und wieder neu verputzen. Das haben die Mieterinnen dann nicht zugelassen und um die vorherige Ankündigung der Bauarbeiten gebeten. Danach haben sie nie wieder etwas über geplante Reparaturen gehört. Mit Mietern so umzugehen, kann doch nur einen Zweck haben, nämlich den, sie aus ihrer Wohnung zu vertreiben.

schaufenster-250Vor den Bauarbeiten wurden im Haus auch Ferienwohnungen angeboten, doch zur Zeit gibt es nnur noch eine andere vermietete Wohnung im ersten Stock und den kleinen Laden im Erdgeschoss. Selbst hier unten ist ein Teil des Ladens mit Planen verhängt und im Schaufenster steht eine Plastikschüssel um das Wasser aufzufangen, das aus den Schaufensterlampen tropft. „Ist das nicht gefährlich?“, frage ich die Ladenbetreiberin. „Klar, Wasser und Strom, das ist nicht gut!“, bestätigt sie, scheint aber wenig Hoffnung zu haben, dass der Zustand sich bald ändert.

dachterrasse2-250Das Dachgeschoss ist zugänglich und hier finden wir den Grund für die Wassereinbrüche im Haus. Drei kleine Dachterrassen wurden ausgebaut. Der Boden ist zwar versiegelt, jedoch sind keinerlei Abflüsse eingebaut. Das Wasser steht auf den Terrassen, denn eine vielleicht mal vorhandene Planenabdeckung hat längst der Wind verweht. Wo soll das Wasser also hin, wenn es regnet? Es zieht in die Wände und sucht sich durch die Decken den Weg nach unten. Es sieht auch nicht so aus, als ob die Bauarbeiten zur Zeit weitergingen. Wie gesagt, ein Bauschild ist nicht zu finden, aber Mieter haben einen Dachgeschossplan der Architektin Klaudia Keilholz gesehen und die Firma Möbus war als einzige Fachfirma im Haus. Alle anderen Arbeiten werden von Bauarbeitern vorgenommen, die keiner Firma zuzuordnen sind, alles genau so, wie in der Beusselstraße 52. Es ist zu hoffen, dass die Bauaufsicht jetzt endlich durchgreift.

garten-250Die Wohngemeinschaft ist geflüchtet, hat ihre Möbel in Sicherheit gebracht und muss versuchen wenigstens Schadensersatz zu erhalten. Zum Schluss möchte ich noch die Bitte der Studentinnen verbreiten:

Wer hätte Platz für ihren obdachlosen Hochbeetgarten? Den hatten sie mit viel Liebe im Hinterhof angelegt und im letzten Jahr auch jede Menge Gurken, Tomaten und Zucchini ernten können.

*Name von der Redaktion geändert

Nachtrag:
Noch ein Haus in der Beusselstraße, in dem die Bauaufsicht tätig werden sollte (B.Z.).

4 Kommentare auf "Beusselstraße 43: Wassereinbruch in allen Zimmern"

  1. 1
    Tobias Horrer says:

    Wir hätten gerne das Hochbeet für die Reformationskirche!
    Für den September gestalten wir unseren Hof in der Wiclefstraße als Nachbarschafts-Café. Bis dahin soll der Hof aufgehübscht werden, damit wir an den September-Wochenenden den Kiez zu uns aufs Gelände einladen können. Der Garten wird Teil unseres Kunstprojektes „Fragment“ http://www.facebook.com/fragment2014

  2. 2
    Zeitungsleser says:

    In der Beusselstraße 52 gibt es nach dem Baustopp jetzt die Zwangsverwaltung, wie ist das denn jetzt mit der Beusselstraße 43?
    Und heute berichtete die B.Z. über ein weiteres Haus in der Beusselstraße, das schimmelt und vergammelt. Hier sollte die Bauaufsicht dringend tätig werden!
    http://www.bz-berlin.de/berlin/messi-haus-moabit

  3. 3

    Sorry, aber dann müssen die Betroffenen die Bauaufsicht auch entsprechend ausdauernd nerven. Dann funktioniert das auch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß

  4. 4
    Zeitungsleser says:

    Die Problematik ist zwar etwas anders gelagert, als bei den überbelegten „Schrottimmobilien“ Beispiel Grunewaldstraße, das Haus ist immer noch eine Baustelle, fast fertig sagen Bewohner oder jedenfalls Leute, die im Hinterhof grillen, an den Briefkästen stehen jetzt einige neue Namen, aber nach regulärer Vermietung sieht das genze nicht wirklich aus:

    In Neukölln will die Stadträtin jetzt härter gegen Problemvermieter vorgehen:
    http://www.taz.de/Ausbeutung-von-Zuwanderern/!5228111/

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