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Willy Alverdes

Willy Alverdes (1896 – 1980) war Gartenbaudirektor des Bezirks Tiergarten bis 1961 (Foto rechts, 1961, im Familienbesitz). Er war derjenige, der den Großen Tiergarten nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs wieder aufforstete und mit den weiten Wiesenflächen als Landschaftspark neu gestaltete. Auf ihn gehen die Anlage der Rhododendronhaine, des Englischen Gartens und auch der zahlreichen Spielplätze im Großen Tiergarten zurück. Auch die meisten anderen Grünanlagen im Bezirk, u.a. Fritz-Schloß-Park, Kleiner Tiergarten, Carl-von-Ossietzky-Park, die Außenanlagen der jetzigen Stadtmissionsgeländes (früher Senioreneinrichtungen), wurden nach seinen Entwürfen gebaut oder neu gestaltet.

Die Geschichte der Familie Alverdes lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, es gibt lückelose Aufzeichnungen bis 1525, wie die Landschaftsarchitektin Katrin Lesser schreibt. Der Vater von Willy Alverdes war Gärtnereibesitzer in Bad Frankenhausen (Thüringen), seine Mutter Blumenbinderin. Willy Alverdes verlebte mit seinen 3 Geschwistern eine ungezwungene Kindheit, besuchte das Realgymnasium, war bei den Wandervögeln aktiv und begann mit 16 eine Lehre im väterlichen Betrieb. 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, den er unverletzt überstand. Zwei Brüder waren ebenfalls Gärtner geworden und hatten die Gärtnerei der Eltern übernommen. Willy Alverdes heiratete 1925 die Gärtnerin Christa Oelfken (1900 – 1988) und bekam drei Kinder (1928 Günter, 1930 Loni, 1943 Renate). Die Liebe zu Pflanzen ließ die Familie nicht los: der Sohn studierte später Landwirtschaft, die Töchter machten eine gärtnerische Ausbildung.

Von 1919 – 1921 arbeitete Willy Alverdes in verschiedenen Gärtnereien, Baumschulen und Obstbaubetrieben. Von 1921 – 1923 studierte er an der höheren Gartenlehranstalt in Dahlem das Fach Gartenkunst. 1926 bestand er die Prüfung zum Diplom-Gartenbauinspektor mit der bestmöglichen Note. Danach war er in der Gartenbaufirma Richard W. Köhler tätig und gemeinsam mit Walter Encke, dem Sohn des bekannten Gartengestalters Fritz Encke, für die Beratung, Planung und Ausführung von Privatgärten in und um Berlin zuständig. Leider sind nur wenige seiner Entwürfe sicher als von ihm stammend bekannt, weil es keine erhaltenen Aufzeichnungen darüber gibt. Da Willy Alverdes viel in Fachzeitschiften veröffentlichte, können ihm einige zugeordnet werden.

Er war ein begeisterter Pflanzenliebhaber, fotografierte gerne und besuchte 1926 bis 1937 auf verschiedenen Reisen historische Gärten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Als Reserveoffizier eingezogen kämpfte er ab 1939 in Polen, Frankreich und auf dem Balkan, kam erst in britische und dann vier Jahre in russische Gefangenschaft. Seit 1949 lebte er mit seiner Familie wieder in Berlin.

1950 wurde Willy Alverdes vom Magistrat von Groß-Berlin zum Direktor der Tiergartenverwaltung berufen. Diese wurde vier Jahre später dem Bezirksamt Tiergarten unterstellt und er wurde Gartenamtsleiter und damit zuständig für alle öffentichen Grünanlagen des Bezirks. Seine Parkgestaltung folgte in der Nachkriegszeit praktischen Erwägungen, der alte Streit zwischen landschaftlicher oder formaler Gestaltung hatte ausgedient. Öffentliche Grünanlagen sollten allen Bevökerungsgruppen Betätigung und Ruhe bieten, abgeschirmt von Hektik und Lärm der Straßen durch Pflanzung dichter Hecken oder Gehölzstreifen. Ganz besonders wichtig waren ihm die Bedürfnisse von Kindern und alten Menschen, für die er soziale Treffpunkte im Freien gestaltete. Es entstanden vielseitige, abwechslungsreiche Räume, der Blick in die Weite war ihm ebenso wichtig wie abgeschiedene Sitzplätze. Ruhebänke stellte er an Stellen auf, die interessante Durchblicke boten. Der Blick sollte auf besondere  Pflanzen, Brunnenanlagen oder Blumenbeete fallen. Er verwendete gerne immergrüne Gehölze und Naturstein. Spielplätzen ordnete er weite Wiesenflächen zum Toben zu. Wenn auch im Laufe der Zeit viele seiner Gestaltungsideen bei der Parkpflege nicht mehr im Vordergrund standen, lässt sich auch heute noch bei geruhsamen Spaziergängen einiges erahnen.

Willy Alverdes selbst schrieb, er wolle „durch Pflanzungen Lebensgefühl und Daseinsfreude steigern, … die tägliche Umwelt entwickeln und [die Menschen]… in fremde Länder entführen.“

Quelle: Katrin Lesser, Willy Alverdes – sein Werk als Gartenarchitekt und seine Verdienste für den Großen Tiergarten in Berlin. In: Der Berliner Tiergarten, Vergangenheit und Zukunft. Herausgeber: Landesdenkmalamt Berlin, Beiträge zur Denkmalpflege, Heft 9, Berlin 1996

Unser Dank für die Genehmigung das Foto verwenden zu dürfen, geht an Sebastian Mähler von der traditionsreichen Samenhandlung Treppens.

8 Kommentare auf "Willy Alverdes"

  1. 1
    vilmoskörte says:

    Danke für diesen schönen Artikel.

  2. 2
    R@lf says:

    Alverdes hört sich nach spanischem Familienhintergrund an? Den Namen gibts da jedenfalls, auch Valverde (übersetzt: grünes Tal, zu gut Deutsch „Grünt(h)al“).
    Habe gefunden, daß der Name „bereits 1372 in Stettin urkundlich erwähnt“ wurde. Interessant.
    Vielen Dank für die Infos zum Gartenmeister, dem wir offenbar auch den schönen Fritz-Schloß-Park zu verdanken haben!
    Hellhörig macht mich auch der Hinweis, daß „Pflanzung dichter Hecken oder Gehölzstreifen“ sein Konzept für Ruhesuchende waren. Gerade diese Pflanzungen möchten einige Leute ja heute gerne weg haben…

  3. 3
    vilmoskörte says:

    Falls du meinst, dass Hecken und Bäume eine merkbare schalldämmende Wirkung haben, die den Ruhesuchenden im kleinen Tiergarten Ruhe vor den Straßengeräuschen böten, hast du dich leider getäuscht.

  4. 4
    Susanne Torka says:

    Der Link gibt eine gute Zusammenfassung und benennt auch die psychologische Wirkung von grünen Barrieren. Gerade bei Lärm ist das subjektive Empfinden ja sehr wichtig. Jeder Mensch empfindet andere Sorten von Lärm als störend. Da hilft kein stures Pegelmessen.

  5. 5
    A. H. says:

    Um den Verkehrslärm zu dämpfen, ist es am besten, Alt Moabit, Turm- und Stromstraße mit Flüsterasphalt zu belegen. Dieser entläßt den Autolärm zum großen Teil gar nicht erst in die Umgebung, da die Oberfläche schallschluckend wirkt. Ist Schall jedoch erst mal unterwegs, ist er schwer zu bremsen.
    Der einzige Nachteil von Flüsterasphalt: teuer!

  6. 6
    R@lf says:

    @ vilmoskörte

    Ich darf mal Deinen link zitieren:

    „…sind auch Hecken im Einsatz gegen Lärmbelästigung wirksam. Durch ihre dichte Strukturierung haben sie eine besonders gute Dämmwirkung.“

    Um das zu wissen brauche ich kein Pegelmessgerät.
    Aber vielleicht wäre es ja besser eine zwei Meter Hohe Lärmschutzmauer um den gesamten kleinen Tiergarten zu ziehen. Würde sicher gut mit dem in der Nachbarschaft liegenden Etablissement korrespondieren. 😉

  7. 7
    vilmoskörte says:

    Na klar, bei Pflanzbreiten von 25-30 Metern, dann bleib aber vom kleinen Tiergarten nix übrig.

  8. 8
    R@lf says:

    Es geht im übrigen nicht nur um eine -vielleicht wirklich geringe- Lärmdämmung sondern noch mehr um eine Sichtbarriere gegenüber dem Stein-Asphaltlabyrinth und der Blechlawine, denen mensch ja gerade entkommen möchte. Unter „Park“ verstehe ich mehr als eine Wiese mit Bäumen oder ein paar Blumenrabatten. Auch das Auge sucht seinen Frieden und Erlösung von der heimischen Tapete.

    Büsche sind darüber hinaus wichtig als Windschutz – Baumstämme sind hierzulande selten so dick, daß mensch sich dahinter ducken könnte. 😉 Weiter sind Büsche die Orte der größten Biodiversität, sprich der Aufenthaltsort der meisten Kleintierarten und Insekten, insbesondere wichtige Niststellen für Singvögel. Das ist kein Geheimnis für naturschutzbewußte Menschen.

    Wenn ich in den Park gehe, will ich NATUR sehen, möglichst unverfälscht oder doch wenigstens irgendwie gartenkünstlerisch aus Natur komponiert. Dieses Bedürfnis scheint meist im diametralen Gegensatz zu „Parkanlagen“ moderner Prägung zu stehen. Manche „Garten“-ArchitektInnen scheinen das tatsächlich mit „Parkplätzen“ zu verwechseln. Warum dann nicht gleich pflegearmer Kunstrasen.

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