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Kindheitserinnerungen wurden wach …

gruppe-250… sowohl bei mir als auch bei anderen Besuchern der Einweihung des zuletzt fertiggestellten Bauabschnittes des Kleinen Tiergartens am 9. Mai 2015. Dieser ist sozusagen das Kernstück der Ideen von Willy Alverdes: Der Senkgarten. So luftig, wie er sich jetzt präsentiert, war er damals auch, das Wasser sprudelte damals allerdings aus allen Brunnen und es machte einfach Spaß, dort entlang zu gehen. Lang, lang ist es her, man ließ den Park verlottern und schnitt einfach nichts mehr zurück, ließ Wildtrieb wuchern, verfüllte Wasserbecken und pflanzte Eiben und anderes hinein. Auf einigen Bänken saß man wie auf dem Außenklo, es wurde dunkler und dunkler, urwaldähnlicher. Wer ging da noch gerne hin, außer denen, die nicht gesehen werden wollten?

aussenklo-250Die Unterdenkmalschutzstellung war deshalb der eine wichtige Schritt, die Prämierung des mit dem Park sehr viel behutsamer als die Wettbewerber umgehenden Entwurfes von Latz & Partner der andere, um wieder einen schönen Park zu erhalten, durch den man gerne geht. Allerdings hat der Denkmalschutz natürlich seine Ecken und Kanten, nicht alles, was damals gebaut worden ist, entspricht heutigen Vorschriften, Vorstellungen oder Pflegemöglichkeiten. Um die deshalb notwendigen Kompromisse musste gerungen werden, was sowohl Herr Stegmeier vom Büro Latz & Partner als auch Herr Krüger, Kenner der Planungen von Willy Alverdes und mit der denkmalpflegerischen Baubegleitung beauftragt, und nicht zuletzt Herr Lingenauber vom Landesdenkmalamt bei der gestrigen Eröffnung betonten. So ist es z. B. nicht möglich, alle Wasserspiele wieder in Betrieb zu nehmen, da sie im Unterhalt viel zu teuer kämen. Dennoch: Nichts ist abgerissen oder verbaut, alles könnte wieder angeschlossen werden, wenn Geld genug da wäre.

wasser-ohne-250Nur der Betrieb des zentralen Wasserbeckens, das die robusteste Bauform besitzt (das Problem Vandalismus stellte sich damals ja überhaupt nicht in diesem Maße, wie wir es heute kennen), ist auf zehn Jahre durch eine Übernahme der Betriebskosten durch die Firma Ströer gesichert. Ebenso ist es mit der Pflanzenauswahl. Pflegeintensive Rosenbeete wie damals wären heute nicht mehr finanzierbar, aber sie könnten jederzeit wieder hergestellt werden. Fontanesien, die für die Entwürfe von Alverdes so kennzeichnenden Pflanzen, die früher den Senkgarten völlig einrahmten, sind derzeit nicht am Markt zu bekommen. Der Schattendruck der wild aufgewachsenen Bäume und Sträucher hatte sie eingehen lassen. Schade, denn ihr leichter, luftiger Rahmen fehlt im Senkgarten.

wasser-kinder-250Eingeleitet wurde die Eröffnung durch eine Rede von Baustadtrat Spallek, der dann auch den großen roten Knopf zur Inbetriebnahme der Wasserspiele drücken durfte. Es schloss sich ein Rundgang durch die fertiggestellte Anlage an, bei dem auch die Leistungen der Potsdamer Gartenbaufirma TEGLa hervorgehoben worden sind, die zum Teil in äußerst mühseliger Kleinarbeit die historischen Plattenbeläge wieder genauso wie es in den alten Plänen stand, verlegt hatte. Beschlossen wurden Eröffnung und Rundgang durch ein sehr leckeres Büffet, das Herr Dogan vom Café am Park spendiert hatte. Aber schon während der Eröffnung hatten die Kinder das aus Sicherheitsgründen flacher als früher gestaltete Wasserbecken für sich entdeckt, Wasser macht halt Spaß. Es wäre so schön, wenn der jetzt gerade begonnene Abschnitt mit der Rollerbahn so einfach „simsalabim“ auch schon fertig wäre, und man nicht erst noch ein weiteres Jahr warten müsste …

Obwohl Moabit mit dieser Teileröffnung wieder ein Stück lebenswerter geworden ist, waren natürlich auch wieder einige wenige Miesmacher der „Zeugen Baumes“ vor Ort und verteilten ihre demagogischen Zettel. Dazu hatten sie ihr Gebilde, das am treffendsten als „Doppelkeule mit Elefantenohren“ zu bezeichnen ist, und einen kleinen Sarg mitgebracht (Ob in ihm wohl all ihre von den „bösen Ämtern“ nicht umgesetzten Beschlüsse gesammelt sind?). Wer nimmt sie noch ernst, was haben sie erreicht? Nichts, denn auch in diesem Teil des Parkes zeigt sich dasselbe Bild wie in den anderen Teilen: Die Moabiter stimmen mit den Füßen gegen ihre selbsternannten Bevormunder ab, denn der Kleine Tiergarten soll für die Menschen, ob jung, ob alt, da sein und nicht der politischen Selbstbefriedigung biologistischer Sektierer dienen!

Text und Fotos: Andreas Szagun

76 Kommentare auf "Kindheitserinnerungen wurden wach …"

  1. 51
    Mobiterin says:

    Ich will hier nicht ausführlich in die Diskussion über Kriminalität im Kleinen Tiergarten einsteigen – nur so viel, Drogen werden dort, wie überhaupt auf der U9 schon seit vielen Jahren verkauft. Es gibt anscheinend gerade neue Dealer und Konflikte unter verschiedenen Gruppen.
    Wenn aber Kai von den 7,8 Millionen spricht, die investiert wurden, dann bezieht sich das auf den ganzen Park und nicht nur auf das Zwischenstück rund um den U-Bahnhof. Deshalb finde ich es falsch zu behaupten, dass die Grünanlage „primär von Alkis, Drogenabhängigen, Dealern und Kriminellen“ genutzt wird. Die neuen Spielplätze, die Wiesen und andere Teilbereiche werden von sehr vielen unterschiedlichen Menschen und von vielen Familien genutzt. Insgesamt sind viele Moabiterinnen und Moabiter im Park präsent, wenn auch manche zur Zeit den Bereich um den U-Bahnhof meiden.

  2. 52
  3. 53
    H. E. says:

    Der Sitz- und Schlafkiesel-Park gehört laut Liste der Berliner Polizei nun wegen hoher Kriminalität zu den „gefährlichen Orten“ Berlins.
    Mein Vorschlag: Auf die Kiesel Dauerposten stellen, denn von dort hat man einen guten Überblick und die Dinger bekommen doch noch einen Sinn – auch wenn leider die waagerechte Fläche für das Abstellen des Kaffeebechers fehlt.
    https://www.rbb-online.de/abendschau/index.htm/doc=%2521content%2521rbb%2521rbb%2521politik%2521beitrag%25212017%252106%2521polizei-berlin-liste-orte-besonders-hohe-kriminalitaet.html

  4. 54
    Kai says:

    @53
    >Der Sitz- und Schlafkiesel-Park gehört laut Liste der Berliner Polizei nun wegen hoher Kriminalität zu den „gefährlichen Orten“ Berlins.

    Erstaunlich, erstaunlich! Mehr Sicherheit war doch ein Eckpfeiler des Konzepts bei der Umgestaltung. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie in der Diskussion Mahner, die ziemlich genau diese Entwicklung vorhersagten, belehrt wurden, man solle doch einfach mal den Experten vertrauen…

  5. 55
    vilmoskörte says:

    Leider ist es so, dass neben den Gruppen herumlungernder Jugendlicher, die alles vermüllen, nun auch die Drogenabhängigen den Senkgarten im östlichen Teil des kleinen Tiergartens vermehrt bevölkern und auch tagsüber und in aller Öffentlichkeit ihre Drogencocktails zubereiten und sich die Spritzen setzen. Diese wenig erfreulichen Gruppen haben es geschafft, dass sich „normale“ Menschen in diesem Teil des Parks inzwischen kaum noch aufhalten.

  6. 56
    Kai says:

    @55
    Tja, schon irre, wenn man sich mit dem Wissen von heute den oben stehenden Artikel von 2015 noch mal durchliest. Dort wird davon geschrieben, dass „Kindheitserinnerungen wach wurden“ (ich hoffe nicht, dass der Autor diese Zustände als Kindheitserinnerungen mit sich herumschleppt) und davon, dass Moabit mit diesem Park „wieder ein Stück lebenswerter geworden ist“. Kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ausserdem steht da: „Die Moabiter stimmen mit den Füßen gegen ihre selbsternannten Bevormunder ab, denn der Kleine Tiergarten soll für die Menschen, ob jung, ob alt, da sein“. Das klingt zumindest mal wie eine wirklich gute Absicht! Leider muss das Projekt dann offenbar an der Umsetzung gescheitert sein. Denn derzeit ist er für die „Normalos“ ganz sicher nicht mehr da. Oder würde tatsächlich irgendjemand hier ruhigen Gewissens seine Kinder allein zum Spielen in den besagten östlichen Teil des Parks schicken?

  7. 57
    Andreas Szagun says:

    zu 56:
    Meine Kindheitserinnerungen reichen in eine Zeit zurück, als das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Christiane F. noch nicht geschrieben (und Kai eventuell noch nicht geboren) war. Und kurz nach der Eröffnung konnte man ja auch durch den Park wie früher laufen. Wenn aber stadtweite Probleme unserer heutigen Zeit, einschließlich der sich damals entwickelnden Lageso-Problematik eines hoffnungslos überforderten Sozialsenators und des Null-Toleranz-Vorgehens eines ansonsten erfolglosen Innensenators vom Görli nach Moabit verschieben, dann kann man das ja wohl nicht einer gelungen Parkumgestaltung unterschieben. Man muß doch eher fragen: Wie sähe es dort jetzt aus, wenn es immer noch das dunkle und zugewucherte Loch wäre? Wahrscheinlich noch viel, viel schlimmer! Und das heute keine „Normalos“ durch den Park gehen, stimmt keineswegs, auch der Spielplatz an der St.-Johannis-Kirche ist nach wie vor gut besucht. Nur den Mittelbereich am U-Bahn-Eingang meide auch ich nach schlechten Erfahrungen, denn während ich vor zwanzig oder mehr Jahren am U-Bf Birkenstraße noch kumpelhaft-freundlich angesprochen worden bin, ob ich „was zu rauchen“ wolle (und die Typen sich sofort verzogen hatten, wenn ich ihnen auch nur durch einen Blick klargemacht hatte, daß ich ihren Mist nicht haben will), bin ich durch veränderte Dealergenerationen selbst schon Gefahr gelaufen, in eine Attacke dieser äußerst aggressiven Typen verwickelt zu werden. Auch das kann man ja wohl kaum dem Landschaftsplaner anlasten. Das wäre ungefähr so, als wenn man sich über neue, verbrauchsarme Autos aufregte, nur weil mal Leute unter Kokain am Steuer erwischt worden sind – als ob das eine mit dem anderen etwas zu tun hätte.

  8. 58
    Kai says:

    Anzahl der Drogendelikte im Kleinen Tiergarten

    2011 118
    2012 183
    2013 177
    2014 179
    2015 189
    2016 689
    2017* 392

    läuft…

    * 1. Halbjahr
    Quelle: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2017/09/Datenauswertung-Kriminalitaetsbelastete-Orte-Berlin-Statistik.html

  9. 59
    vilmoskörte says:

    In Kommentar 57 sagt Andreas: „Und das heute keine „Normalos“ durch den Park gehen, stimmt keineswegs, auch der Spielplatz an der St.-Johannis-Kirche ist nach wie vor gut besucht.“

    Das habe ich in Kommentar 55 auch gar nicht behauptet, ich sprach ausschließlich vom Senkgarten, in dem sich kaum noch „Normalos“ aufhalten.

  10. 60
    Jürgen says:

    @vilmoskoerte
    Der Kommentar von Andreas bezieht sich offenkundig nicht auf deinen Kommentar 55, sondern den darauf folgenden #56 von Kai, der benauptet „Denn derzeit ist er (Anm. gemeint ist der Park) für die „Normalos“ ganz sicher nicht mehr da.“

  11. 61
    Kai says:

    @57
    Keine Sorge! Meine Erinnerungen reichen sicherlich mindestens genauso weit zurück wie ihre. Ich denke, ich bin daher auch in der Lage die durchaus negative Entwicklung über all die Jahre zu beurteilen. Ich finde es daher auch sehr typisch, dass reflexartig, die Schuld immer bei den anderen politischen Parteien gesucht wird, so wie sie das ja selbst machen: „Wenn aber stadtweite Probleme unserer heutigen Zeit, einschließlich der sich damals entwickelnden Lageso-Problematik eines hoffnungslos überforderten Sozialsenators und des Null-Toleranz-Vorgehens eines ansonsten erfolglosen Innensenators vom Görli nach Moabit verschieben“. Eines der Kernprobleme war die Umgestaltung des Parksegments, dass Sie „Mittelbereich am U-Bahn-Eingang“ benennen. Und man sollte nun auch nicht so tun, als ob nicht schon bei der Bekanntmachung der Pläne zur Umgestaltung dieses Areals vor exakt den Problemen gewarnt worden wäre, die sie selbst heute von einer Durchquerung dieses Parkbereichs abhalten. Und wer seinerzeit davon ausgegangen ist, dass sich solche Probleme damit auch in den gesamten Parkbereich ausdehnen würden, der war einfach nur naiv.
    Letztendlich ist Ihre Aussagen „den Mittelbereich am U-Bahn-Eingang meide auch ich nach schlechten Erfahrungen“ und „selbst schon Gefahr gelaufen, in eine Attacke dieser äußerst aggressiven Typen verwickelt zu werden“ eine absolute Bankrotterklärung. Worüber reden wir hier eigentlich? Das sind die Aussagen eines erwachsenen Mannes, der sich sicher auch zur Wehr setzen kann über Bereiche, die ganz zentral, mitten in Moabit liegen! Kinder queren diesen Bereich auf dem Weg von und zur Schule bzw. steigen an exakt diesen U-Bahnhof tagtäglich aus. Und exakt da haben wir, auch gefördert durch die schlichtweg total falsche Planung der Parkanlagen eine No-Go-Zone etabliert! Wer die Nachfrage nach Drogen an einem bestimmten Ort fördert, der muss sich nicht wundern, wenn das Angebot an exakt dieser Stelle sprunghaft ansteigt und in der Folge alle Arten von Kriminalität, die damit im Zusammenhang stehen ebenso ansteigen.

    Aber OK, es ist vermutlich wenig zielführend, die Schuldfrage zu diskutieren. Diese absolute Katastrophe ist ja nun mal inzwischen ein Fakt mit dem wir tagtäglich konfrontiert werden. Wirklich interessant wären nun doch eigentlich die Lösungsansätze, wie man wieder zurück zu dem Zustand kommt, den wir vor nicht allzu langer Zeit einmal hatten. Was sind die Pläne hierzu? ich habe in den letzten Tagen Vertreter so ziemlich aller Parteien, die aktuell im Vorfeld der Wahl so auf den Straßen präsent sind, danach gefragt. Erschütternderweise kam dabei heraus, dass es eigentlich keinen echten Plan gibt. Es gab viele leere Worthülsen die üblichen Vorwürfe an die anderen und sonst nichts. Das war zum Teil wirklich zum Fremdschämen! Ich will wirklich nicht hoffen, das das die Wähler letztendlich in die Fänge der Parteien treibt, die man jenseits des äussersten rechten Randes des erträglichen Spektrums ansiedeln kann.

  12. 62
    Kai says:

    @60
    Ich will hier nicht eine Detaildiskussion darüber vom Zaun brechen, wer sich wann wo aufhält. Mag sein, dass auch Normalbürger den am Rande des Parks angesiedelten Spielplatz besuchen. Aber selbst da sind mir Fälle bekannt, die diesen Spielplatz nur besuchen, wenn eine männliche Begleitperson dabei ist. Und ich kenne wirklich niemanden, der seine Kinder alleine zum Spielen in den Park schickt. Was ja eigentlich ein absoluter Witz ist, denn auch dafür wurde er ja umgestaltet. Im Dunkeln wagt sich vermutlich niemand mehr dort hin. Ein Polizist, den ich darauf einmal angesprochen habe, hat mich jedenfalls ganz ausdrücklich davor gewarnt. Und gestandene Männer, wie Andreas Szagun das selbst, geben zu, dass sie bestimmte Bereiche des Parks ganz prinzipiell meiden, und zwar nicht aufgrund von Vorurteilen, sondern aufgrund schlechter Erfahrungen, wie er schrieb.

    Wir haben viel Geld in die Hand genommen, um diesen zentralen Teil von Moabit schon zu machen, so dass alle mehr Lebensqualität haben. Das ist ein tolles Ziel und ich bin auch sehr dafür, dass man Geld dafür ausgibt. Aber dann einfach schulterzuckend zu sagen so sind halt die Umstände, wenn das Ziel dann nicht erreicht wird, das ist mir einfach zu wenig. Die getroffenen Maßnahmen am Parkbereich um den U-Bahnhof haben exakt das Gegenteil von dem bewirkt, was sie sollten. Die Drogenszene hat sich offensichtlich ganz massiv ausgeweitet. Man sollte so ehrlich sein, sich das auch einzugestehen und dann auch die Konsequenzen ergreifen.

  13. 63
    Andreas Szagun says:

    zu 61 und 62:
    Viel geredet, nichts gesagt! Wenn Kai den Park noch aus den ganz alten Zeiten kennt, sollte er verstehen, wie mein Artikel gemeint war. Und mir gleich „Parteienbashing“, wie sich das auf Neusprech nennt, zu unterstellen, ist auch falsch, denn meine Einschätzung zweier Politiker teile ich mit vielen. Und für ihren Posten ungeeignete Politiker gibt es quer durch alle Parteien.

    Die Antwort auf die Frage, wie eine offene und ansonsten am Denkmalschutz orienterte Parkplanung schuld sein soll an einer stadtweit ageierenden Drogenkriminaltät, die nach ganz anderen Kriterien handelt als nach „schönen Parkanlagen“, bleibt Kai schuldig. Ich habe eher den Eindruck, daß da wer generell etwas gegen die hier umgesetzte Form der Umgestaltung des Parks an sich hat und deshalb die aus ganz anderen Gründen gestiegene Drogenkriminalität wie gerufen kommt.

    Ich laufe übrigens auf meinem täglichen Arbeitsweg durch den Ottopark und sehe Normalos über Normalos (und keine offensichtlichen Dealer), und ich laufe oft durch den östlichen Teil des Kleinen Tiergartens mit dem selben Ergebnis, nur daß mir dort – so wie von Vilmos beobachtet – bestimmte Leute im Senkgarten auffallen. Im Übrigen kann ich mir sinnvolleres vorstellen als mich mit Dealern zu prügeln, also suche ich die Auseinandersetzung auch nicht.

    Drogenproblematik bzw. -kriminalität muß sowohl von der „Angebotsseite“ als auch von der „Nachfrageseite“ bekämpft werden, und dazu ist beileibe nicht nur die Polizei zuständig, da die Ursachen viel zu vielschichtig sind. Und es ist ja bekannt, daß gerne zwischen gesellschaftlich tolerierten Drogen (Alkohol, Nikotin) und den nicht tolerierten (was so alles unters BTMG fällt) unterschieden wird. Da gibt es noch eine ganze Reihe, meist ideologisch (von beiden Seiten!), verminter Baustellen.

  14. 64
    Kai says:

    @Andreas Szagun
    Die Drogenkriminalität mag Stadtweit agieren. Sie steigt jedoch in aussergewöhnlichem Maße an dieser Stelle an. Exakt das wird in dem Bericht des RBB ja auch herausgestellt. Der Park wurde umgestaltet. Das ist ein Fakt. Im Zuge der Umgestaltung des Parks wurden insb. im Bereich der U-Bahnhofaufgänge Infrastrukturen geschaffen, die Drogenkonsumenten zugutekommen sollten. Das ist ebenfalls ein Fakt. Nach der Umgestaltung des Parks stieg im Park (auch im Vergleich zu den anderen evaluierten Hotspots in Berlin) die Anzahl der Drogendelikte in besonderem Maße stark an. Das ist ein weiterer Fakt. Die Situation im zentralen Bereich des Parks ist inzwischen so, dass selbst sie zugeben, dass sie den Bereich nicht mehr queren wollen, er hat sich also in besonderer Weise verschlimmert. Ein weiterer Fakt.

    In der Tat sehe ich daher Zusammenhänge zwischen der Umgestaltung des Parks und der überproportional angestiegenen Zahl der Drogendelikte in ihm. Gründe habe ich ihnen oben geliefert. Wenn es aus Ihrer Sicht andere Gründe gibt, die ausgerechnet im Kleinen Tiergarten (und nicht an all den anderen Hotspots) zu einer annähernden Vervierfachung der Delikte seit 2015 geführt haben, dann würden die mich durchaus interessieren.

  15. 65
    Banikowski says:

    zu 64: mich würde ja mal interessieren, was denn nach Ansicht von Kai an den Infrastrukturen im Berech der U-Bahnaufgänge geändert werden müsste, damit die Drogenkriminalität wieder sinkt. Ich bin gespannt.

  16. 66
    Kai says:

    Zu 65:
    Das kann ich Ihnen gerne mitteilen. Angesichts der Tatsache, das Berlin kein Geld hat und locker machen wird, um genug Ordnungspersonal abzustellen, um in diesem Bereich dauerhaft für Ordnung zu sorgen, würde ich alles im Park deinstallieren, das die Dauerpräsenz der Alkoholiker- und Drogenszene in diesem zentralen Bereich irgendwie fördert. Mir ist klar, dass man das Problem dadurch stadtweit nicht löst, aber es sollte zumindest an diesem zentralen Ort in diesem dicht besiedelten Bezirk zu einer Entlastung führen. Und ja, ich empfinde den aktuellen Zustand mit einer No-Go Area mitten in Moabit als Belastung.
    Wir wollen unsere Kinder vor Zigaretten-Werbung schützen indem wir sie verbieten, wir verbannen Spielhallen von Ihren Schulwegen, aber akzeptieren, dass sich mitten in Moabit auf dem Heimweg eben vieler dieser Schulkinder eine veritable Drogenszene breit macht? Wir akzeptieren, dass es Bereiche im Stadtteil gibt, in die sich auch am Tag erwachsene Männer wie Herr Szagun nicht mehr trauen. Ernsthaft?
    Verlagert sich das Problem dadurch in andere Stadtbereiche? Vielleicht! Vermutlich! Aber dann sollen die sich ruhig auch ein paar Jahre damit herumschlagen. Das mussten wir in Moabit schließlich auch.

    Im Vorgriff auf Ihre vermutlich total ablehnende Haltung zu meinem Vorschlag sende ich schon mal eine Gegenfrage an Sie: Sie würden alles so lassen wie es ist und sind mit dem IST-Zustand zufrieden?

  17. 67
    H. E. says:

    Eine Moeglichkeit waere, die Passage durch den Park vom U-Bahn-Ausgang Turmstrasse nach Alt Moabit sehr viel breiter zu pflastern und nachts besser zu beleuchten.

  18. 68
    Susanne says:

    @ Kai,
    Ihre Argumente kommen hier so scheinbar sachlich rüber. Aber da ist mindestens ein dicker Denkfehler dabei. Außer der Umgestaltung des Parks gab es 2015/6 noch ganz andere Ereignisse, von denen Sie bestimmt wissen und die im übrigen auch in der in meinen Augen äußerst platten rbb-Statistik aufgeführt sind. Verschiedene Delikte haben in 2015 zugenommen, 2016 dann die Drogendelikte. Sie sollten allerdings bedenken, dass das Feststellen von Delikten ebenso viel mit der Anzahl der Kontrollen zu tun hat. Wenn mehr kontrolliert wird an einem Ort, werden auch mehr Delikte festgestellt!
    Angebote auch für Randgruppen zu schaffen, wie es mit dem Container an der ungemütlichen Straßeecke geschehen ist, halte ich für sehr sinnvoll und wünsche nicht, dass diese Infrastruktur wieder abgebaut wird. Auch der Beratungsbus von Fixpunkt macht gute und wichtige Arbeit! Meinten Sie das mit „…würde ich alles im Park deinstallieren, das die Dauerpräsenz der Alkoholiker- und Drogenszene in diesem zentralen Bereich irgendwie fördert“? Dann kommt hier ganz starker Widerspruch.

  19. 69
    Banikowski says:

    zu 66:

    „würde ich alles im Park deinstallieren, das die Dauerpräsenz der Alkoholiker- und Drogenszene in diesem zentralen Bereich irgendwie fördert“

    Und das wäre?

  20. 70
    Kai says:

    @68
    Den Einwand bzgl. der Anzahl der Kontrollen kann ich verstehen. Einen dicken Denkfehler erkenne ich jedoch nicht. Oder begeht den auch Andreas Szagun, der eine Passage durch Teile des Parks inzwischen meidet – so wie viele andere Moabiter auch? Ich glaube nicht, dass wir einen Denkfehler begehen, wenn wir fetstellen, dass sich die Probleme im Kleinen Tiergarten in den letzten Jahren deutlich verschärft haben. Und ja, wenn man zu dem Schluss kommt, dass man deswegen vielleicht etwas anders machen sollte (und davon bin ich überzeugt), dann wären die von Ihnen aufgelisteten Maßnahmen aus meiner Sicht durchaus erwägenswert.

    @70
    Darüber kann ich gerne auch etwas schreiben. Ich würde sie allerdings bitten, mir vorab die Frage zu beantworten, die ich an Sie gestellt hatte: „Sie würden alles so lassen wie es ist und sind mit dem IST-Zustand zufrieden?“

  21. 71
    Banikowski says:

    zu 68: Ich sehe da keinen konkreten Vorschlag. „alles im Park deinstallieren, das die Dauerpräsenz der Alkoholiker- und Drogenszene in diesem zentralen Bereich irgendwie fördert“, da stellt sich wahrscheinlich jeder etwas anderes vor. Deswegen die Nachfrage.

    Zu Ihrer Frage: Ich bin mit dem Zustand nicht zufrieden. Mir fallen aber keine praktikablen Massnahmen ein, die dauerhaft dazu führen könnten, den Drogenhandel dort oder irgendwo anders zu verhindern.

  22. 72
    vilmoskörte says:

    Zu 67: Da die Drogen tagsüber öffentlich verkauft und konsumiert werden, dürfte eine bessere Beleuchtung das Problem nicht wesentlich ändern. Vielleicht ist es eher ratsam, auch in Deutschland den Drogenkonsum zu entkriminalisieren, wie es Portugal vor mehr als 15 Jahren getan hat und damit recht erfolgreich ist (siehe z.B. https://www.heise.de/tp/features/15-Jahre-entkriminalisierte-Drogenpolitik-in-Portugal-3224495.html).

  23. 73
    vilmoskörte says:

    Zum Park an sich: Aus vielerlei Gründen ist die Pflege des Parks nicht sonderlich erfolgreich. Ein paar wenige Anmerkungen:
    – Die Anzahl der Tage, zu denen die Brunnenanlage sprudelt, scheint mir geringer als die Anzahl der Tage, zu denen die Anlage – aus welchen Gründen auch immer – ausgefallen ist. Ich verstehe nicht, dass man in diesem Land der Ingenieure keine robustere Brunnenanlage bauen kann (andererseits wundert das in einem Land, in dem Tunnelbohrmaschinen einbetoniert werden, auch wieder nicht).
    – In den Grünfeldern am Brunnen sollten ursprünglich hohe Gräser wachsen, stattdessen finden sich hier heute öde Rasenflächen.
    – Im mittleren Teil (um den U-Bhf) war die den Rasen umrundende Fläche ursprünglich eine Wildwiese mit Gräsern, Blumen und Kräutern. Die mit der Pflege beauftragte Firma hat diese Wiesen durch häufiges Mähen ebenfalls in eine öde Rasenfläche verwandelt.
    – Die (vermutlich nicht gerade billigen) Papierkörbe sind der Vernichtung preisgegeben, sie werden aus der Verankerung herausgerissen, die Deckel werden abgerissen usw. Eine Instandsetzung beschädigter Körbe findet nicht statt. Außerdem stehen dank der Flaschensammler zumeist die Deckel offen, so dass die Krähen den Inhalt der Papierkörbe herauszerren können. Durch im Anschluss daran umherfliegende Verpackungen mit Essenresten werden die Ratten angelockt.

  24. 74
    H. E. says:

    Die Hauptsache ist doch, dass es ums Kanzleramt, die Ministerien und Rathaeuser immer piekfein sauber ist, damit unsere Volksvertreter ja nicht mit dem Muell der Strasse konfrontiert werden. Und da die „Chefs“ ja meistens mit der vom Steuerzahler finanzierten Limousine unterwegs sind, kann ihnen auch der Dreck auf den Gleisanlagen an den S-Bahnhoefen egal sein.
    Aber der Wahltermin rueckt naeher, mal sehen, was manche der Damen und Herren dann fuer ein Gesicht machen, wenn die Buerger nicht nur vom Berliner Muell sondern auch von der ganzen bisherigen Politik die Nase voll haben.
    Und was den Kleinen Tiergarten betrifft: Vielleicht haette man das viele Geld statt fuer diese daemlichen Sitz-Beton-Haufen lieber fuer die Pflege der Anlagen ausgeben sollen. Das Geld haette fuer einige Jahre gereicht.

  25. 75
    Kai says:

    @71
    Danke für die Antwort! Zur Erläuterung meines Vorschlag würde ich gerne etwas weiter ausholen. Die aktuelle Gesetzeslage erlaubt meines Wissens keinen freien Verkauf von Drogen, so wie vilmoskörte es angeregt hat. Ob das das Problem lösen würde kann ich auch nicht beurteilen. Unsere Gesetze erlauben jedoch das Verbannen von Rauchern aus öffentlichen Bereichen, das Verbot jeglicher Werbung für Zigaretten in gewissen Bereichen des Lebens und sogar das Verbot von Geschäften, die sich aufs Glücksspiel beziehen in einem Radius um Schulen und KITAs bzw. auf dem Weg der Kinder dorthin. All das ist mehrheitlich von der Gesellschaft akzeptiert. Aber in dieser Situation akzeptieren wir dann auf der anderen Seite, dass mitten in Moabit Drogen offen verkauft und konsumiert werden? Ja, wir schaffen Drogenkonsumenten sogar ganz gezielt Schutz- und Aufenthaltszonen in dieser Grünanlage? Kinder dürfen also nicht mit Zigarettenwerbung konfrontiert werden oder auf ihrem Schulhof an Spielhöllen vorbeilaufen, aber dass wir sie auf ihrem Schulweg vom U-Bahnhof durch den Kleinen Tiergarten mit den aktuellen Umständen dort direkt konfrontieren, ist durch die planerische Gestaltung des Kleinen Tiergartens offenbar sogar erwünscht!? Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen! Insbesondere auch deswegen, weil genau dadurch an exakt dieser Stelle de Nachfrage nach Drogen gefördert wird. Logisch, denn wo sich die Konsumenten aufhalten, da besteht auch die Nachfrage. Und wo die Nachfrage besteht und sogar ansteigt, dort steigt auch das Angebot und damit die aggressive Dealerszene, die vermutlich das Hauptproblem darstellt.

    Daher rege ich eine gewisse Umgestaltung des Parks in diesem Bereich ab: Deinstallation von Container und vorübergehend sogar eine Deinstallation aller Bänke im zentralen Parkbereich. Dazu deutlich mehr Präsenz von Ordnungskräften im Park und auch im U-Bahnbereich. Der Container steht meines Wissens seit 2014 dort und seitdem hat sich die Drogenproblematik mitten in Moabit auch deutlich verschärft. Für mich besteht da ein direkter Zusammenhang und ich habe den Eindruck, dass die Zustände im Park so langsam unkontrolliert „aus dem Ruder laufen“.

    Ich verstehe, dass im Mittelbereich des Parks insbesondere für die Trinkerszene ein wichtiger sozialer Anlaufpunkt geschaffen werden sollte. Und niemand, der schon lange in Moabit wohnt hätte sicher auch ein Problem damit, wenn sich das alles in dem Rahmen hielte, den wir vor 5, 10 oder 20 Jahren hatten. Da wurde man bestenfalls angeschnorrt, aber wirklich selten war mal jemand aggressiv. Im Gegenteil, Ich habe mich häufiger mal mit dem ein oder anderen auf einer Bank unterhalten. Aber die Leute, die noch vor 3 oder 4 Jahren da waren, wurden nach meinem Eindruck inzwischen verdrängt. Ich sehe sie zumindest nicht mehr. Denen geht es dort inzwischen wohl zu wild zu. Und das kann ich sehr gut verstehen!

  26. 76
    Banikowski says:

    zu 75:
    Zur jetzigen Situation: Ich denke, dass die die neuen Dealer da hingegangen sind, wo sich ein Marktplatz bereits etabliert hat. Das ist meiner Meinung nach unabhängig vom Parkumbau geschehen.

    Es kann gut sein, dass die Drogenszene aus diesem Bereich verschwindet, wenn das alles so umgesetzt wird, wie Du vorgeschlagen hast. Aber die Dealer und Konsumenten gibt es dann immer noch und sie werden in den nächsten Teil des Parks ziehen. Das wäre dann ein Hase und Igel Spiel.

    Ich denke, dass die Situation bei Drogen eine andere ist als bei Zigaretten (oder auch Alkohol). Würde man gleiche Bedingungen schaffen, könnten Drogen legal produziert und verkauft werden. Dealer wären dann aus dem Spiel raus. Drogen könnten zu Hause oder in Läden (Treffpunkten) mit eingeschränktem Zutritt (wie bei Raucherkneipen) konsumiert werden. Ist jetzt nur so dahingedacht, aber das Dealen, an welchem Platz auch immer, wäre dann zumindest nicht mehr nötig. Ich glaube aber nicht, dass so etwas durchsetzbar wäre.

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