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Kindheitserinnerungen wurden wach …

gruppe-250… sowohl bei mir als auch bei anderen Besuchern der Einweihung des zuletzt fertiggestellten Bauabschnittes des Kleinen Tiergartens am 9. Mai 2015. Dieser ist sozusagen das Kernstück der Ideen von Willy Alverdes: Der Senkgarten. So luftig, wie er sich jetzt präsentiert, war er damals auch, das Wasser sprudelte damals allerdings aus allen Brunnen und es machte einfach Spaß, dort entlang zu gehen. Lang, lang ist es her, man ließ den Park verlottern und schnitt einfach nichts mehr zurück, ließ Wildtrieb wuchern, verfüllte Wasserbecken und pflanzte Eiben und anderes hinein. Auf einigen Bänken saß man wie auf dem Außenklo, es wurde dunkler und dunkler, urwaldähnlicher. Wer ging da noch gerne hin, außer denen, die nicht gesehen werden wollten?

aussenklo-250Die Unterdenkmalschutzstellung war deshalb der eine wichtige Schritt, die Prämierung des mit dem Park sehr viel behutsamer als die Wettbewerber umgehenden Entwurfes von Latz & Partner der andere, um wieder einen schönen Park zu erhalten, durch den man gerne geht. Allerdings hat der Denkmalschutz natürlich seine Ecken und Kanten, nicht alles, was damals gebaut worden ist, entspricht heutigen Vorschriften, Vorstellungen oder Pflegemöglichkeiten. Um die deshalb notwendigen Kompromisse musste gerungen werden, was sowohl Herr Stegmeier vom Büro Latz & Partner als auch Herr Krüger, Kenner der Planungen von Willy Alverdes und mit der denkmalpflegerischen Baubegleitung beauftragt, und nicht zuletzt Herr Lingenauber vom Landesdenkmalamt bei der gestrigen Eröffnung betonten. So ist es z. B. nicht möglich, alle Wasserspiele wieder in Betrieb zu nehmen, da sie im Unterhalt viel zu teuer kämen. Dennoch: Nichts ist abgerissen oder verbaut, alles könnte wieder angeschlossen werden, wenn Geld genug da wäre.

wasser-ohne-250Nur der Betrieb des zentralen Wasserbeckens, das die robusteste Bauform besitzt (das Problem Vandalismus stellte sich damals ja überhaupt nicht in diesem Maße, wie wir es heute kennen), ist auf zehn Jahre durch eine Übernahme der Betriebskosten durch die Firma Ströer gesichert. Ebenso ist es mit der Pflanzenauswahl. Pflegeintensive Rosenbeete wie damals wären heute nicht mehr finanzierbar, aber sie könnten jederzeit wieder hergestellt werden. Fontanesien, die für die Entwürfe von Alverdes so kennzeichnenden Pflanzen, die früher den Senkgarten völlig einrahmten, sind derzeit nicht am Markt zu bekommen. Der Schattendruck der wild aufgewachsenen Bäume und Sträucher hatte sie eingehen lassen. Schade, denn ihr leichter, luftiger Rahmen fehlt im Senkgarten.

wasser-kinder-250Eingeleitet wurde die Eröffnung durch eine Rede von Baustadtrat Spallek, der dann auch den großen roten Knopf zur Inbetriebnahme der Wasserspiele drücken durfte. Es schloss sich ein Rundgang durch die fertiggestellte Anlage an, bei dem auch die Leistungen der Potsdamer Gartenbaufirma TEGLa hervorgehoben worden sind, die zum Teil in äußerst mühseliger Kleinarbeit die historischen Plattenbeläge wieder genauso wie es in den alten Plänen stand, verlegt hatte. Beschlossen wurden Eröffnung und Rundgang durch ein sehr leckeres Büffet, das Herr Dogan vom Café am Park spendiert hatte. Aber schon während der Eröffnung hatten die Kinder das aus Sicherheitsgründen flacher als früher gestaltete Wasserbecken für sich entdeckt, Wasser macht halt Spaß. Es wäre so schön, wenn der jetzt gerade begonnene Abschnitt mit der Rollerbahn so einfach „simsalabim“ auch schon fertig wäre, und man nicht erst noch ein weiteres Jahr warten müsste …

Obwohl Moabit mit dieser Teileröffnung wieder ein Stück lebenswerter geworden ist, waren natürlich auch wieder einige wenige Miesmacher der „Zeugen Baumes“ vor Ort und verteilten ihre demagogischen Zettel. Dazu hatten sie ihr Gebilde, das am treffendsten als „Doppelkeule mit Elefantenohren“ zu bezeichnen ist, und einen kleinen Sarg mitgebracht (Ob in ihm wohl all ihre von den „bösen Ämtern“ nicht umgesetzten Beschlüsse gesammelt sind?). Wer nimmt sie noch ernst, was haben sie erreicht? Nichts, denn auch in diesem Teil des Parkes zeigt sich dasselbe Bild wie in den anderen Teilen: Die Moabiter stimmen mit den Füßen gegen ihre selbsternannten Bevormunder ab, denn der Kleine Tiergarten soll für die Menschen, ob jung, ob alt, da sein und nicht der politischen Selbstbefriedigung biologistischer Sektierer dienen!

Text und Fotos: Andreas Szagun

54 Kommentare auf "Kindheitserinnerungen wurden wach …"

  1. 51
    Mobiterin says:

    Ich will hier nicht ausführlich in die Diskussion über Kriminalität im Kleinen Tiergarten einsteigen – nur so viel, Drogen werden dort, wie überhaupt auf der U9 schon seit vielen Jahren verkauft. Es gibt anscheinend gerade neue Dealer und Konflikte unter verschiedenen Gruppen.
    Wenn aber Kai von den 7,8 Millionen spricht, die investiert wurden, dann bezieht sich das auf den ganzen Park und nicht nur auf das Zwischenstück rund um den U-Bahnhof. Deshalb finde ich es falsch zu behaupten, dass die Grünanlage „primär von Alkis, Drogenabhängigen, Dealern und Kriminellen“ genutzt wird. Die neuen Spielplätze, die Wiesen und andere Teilbereiche werden von sehr vielen unterschiedlichen Menschen und von vielen Familien genutzt. Insgesamt sind viele Moabiterinnen und Moabiter im Park präsent, wenn auch manche zur Zeit den Bereich um den U-Bahnhof meiden.

  2. 52
  3. 53
    H. E. says:

    Der Sitz- und Schlafkiesel-Park gehört laut Liste der Berliner Polizei nun wegen hoher Kriminalität zu den „gefährlichen Orten“ Berlins.
    Mein Vorschlag: Auf die Kiesel Dauerposten stellen, denn von dort hat man einen guten Überblick und die Dinger bekommen doch noch einen Sinn – auch wenn leider die waagerechte Fläche für das Abstellen des Kaffeebechers fehlt.
    https://www.rbb-online.de/abendschau/index.htm/doc=%2521content%2521rbb%2521rbb%2521politik%2521beitrag%25212017%252106%2521polizei-berlin-liste-orte-besonders-hohe-kriminalitaet.html

  4. 54
    Kai says:

    @53
    >Der Sitz- und Schlafkiesel-Park gehört laut Liste der Berliner Polizei nun wegen hoher Kriminalität zu den „gefährlichen Orten“ Berlins.

    Erstaunlich, erstaunlich! Mehr Sicherheit war doch ein Eckpfeiler des Konzepts bei der Umgestaltung. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie in der Diskussion Mahner, die ziemlich genau diese Entwicklung vorhersagten, belehrt wurden, man solle doch einfach mal den Experten vertrauen…

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