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Sprache, Forschertum, Bewegung

Die Carl-Bolle-Grundschule bleibt dem Moabiter Kiez erhalten

Drei Mädchen stehen im Flur Carl-Bolle-Grundschule, sie warten vorm Sekretariat auf die Schulleiterin und eine Lehrerin – aber nicht, weil sie herbeizitiert worden wären. Sie sind inzwischen in der 7. Klasse und also keine Grundschülerinnen mehr. Dennoch wollen sie nachmittags ihre alte Grundschule besuchen.

Wer Kinder hat, weiß, dass dies das Beste ist, was man über eine Grundschule berichten kann. In der Tat werden inzwischen Kinder in die Moabiter Carl-Bolle-Schule eingeschult, weil deren Eltern das ausdrücklich wünschten – denn auch sie fühlten sich schon als Schulkinder hier gut aufgehoben.

Dabei mussten noch bis kurz vor den Sommerferien Kinder, Eltern und das Lehrerkollegium der Carl-Bolle-Schule bangen, ob und wie lange es überhaupt weitergeht. Anfang des Jahres wurde im Bezirk noch über eine mögliches Auslaufenlassen der Schule zugunsten einer weiteren Gemeinschaftsschule debattiert. Erst Ende Juni erhielt die Schulleitung die befreiende Mitteilung von der Bezirksschulstadträtin Sabine Smentek, dass die Schule bestehen bleibt. Ein Grund dafür sind u.a. die steigenden Kinderzahlen – dazu gehören auch Flüchtlingskinder in Moabit.

Carl-bolle-s_CE-250Die Carl-Bolle-Schule ist, was Integrationsarbeit mit Migrantenkindern betrifft, besonders erfahren und kompetent. Viele der 370 Schüler sind nichtdeutscher Herkunft, sie kommen aus 24 Nationen, erzählt die Lehrerin Silvia Jahn, und es klingt Stolz in ihrer Stimme mit. Sie ist auch Sprachbildungskoordinatorin – Spracherziehung spielt an dieser Schule eine wesentliche Rolle, ebenso wie das »Forschende Lernen«.

Die Schulleiterin Ingrid Schmidt erzählt vom Schulkonzept. Sie ist stolz auf das Lehrer- und Erzieherkollegium, das nicht nur freundschaftlich miteinander arbeitet, sondern auch sehr vielsprachig ist: deutsch und englisch sprechen alle selbstverständlich, manche auch französisch, türkisch, arabisch, russisch, kroatisch, persisch, romanes … Das, so sagt Silvia Jahn, erleichtert nicht nur die vertrauensvolle Kommunikation mit den Kindern, sondern auch mit den Eltern – besser, als das mit Dolmetschern möglich wäre. Die Schule ist eine von nur vier Berliner Grundschulen, die sogar ein sprachliches Wahlpflichtfach haben – hier ist es Arabisch. Und es gibt das Pflichtfach »Interkulturelle Erziehung«. Neben den Lehrern und Erziehern kümmern sich Sozialarbeiter um die Kinder.

Die Carl-Bolle-Schule ist eine gebundene Ganztagsgrundschule, in der die Kinder bis zu acht Stunden betreut werden können. Sie hat eine Willkommensklasse, in denen vor allem Kinder aufgenommen werden, die noch wenig Deutsch können.

Die Kinder und das Kollegium träumen von einer umfassenden Renovierung. Im Moment behilft sich die Schule selbst, wenn es darum geht, die Räumlichkeiten zu Wohlfühlorten zu machen: künstlerische Arbeiten der Kinder – oft in Projektwochen entstanden – schmücken die Flure und Eingänge, für Klassenzimmer werden Gardinen und Pflanzen gespendet.

Spaziert man mit den beiden Frauen durch das Schulgebäude, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es gibt drei große, liebevoll gestaltete Schulhöfe, die nach den Vorschlägen von Kindern gestaltet wurden, mit Fußballplatz, Schulgarten-Ecken, einer Kinderbaustelle, mit Wasserrutsche, Schaukeln, Klettergerüsten. Es gibt eine große Mensa, aber auch die sehr beliebte »Hexenküche«, deren moderne Ausstattung von einer Firma gesponsort wurde. Hier können Kinder selbst experimentieren und kochen, treffen sich aber auch Eltern mittwochs zum Gespräch. Gegenüber befindet sich ein ebenfalls erstklassig ausgestatteter Raum für Naturwissenschaft. Denn Forschen ist – neben Sprache, künstlerischen und sozialen Projekten – ein ganz wesentlicher Schwerpunkt der Schule. Es gibt Forscher- und Werkstatt-Tage, bei denen die Kinder in altersübergreifenden Teams recherchieren und experimentieren können.

Und Bewegung ist wichtig, denn der Wechsel von Lernen und Freizeit ist entscheidend in einer Ganztagsschule, Körper und Geist gehören zusammen. Das Konzept heißt »Bewegtes Lernen« – sehr beliebt bei den Kindern sind beispielsweise der phantasievoll gestaltete »Bewegungsflur« und der »Tastflur«.

Stolz sind Ingrid Schmidt und Silvia Jahn auch auf die altersübergreifenden Projektwochen, in den Kinder aller Klassen miteinander arbeiten; auf die jährliche Lesewoche, die nun schon zum 10. Mal stattfindet; auf Schriftsteller, die zur Lesewoche die Schule besuchen, die Lesepaten, auf die Schulbücherei, die Kooperation mit Kitas und noch so vieles mehr. Vor allem aber auf die Zusammenarbeit des Kollegiums, mit den Eltern, auch mit Sponsoren, die gewonnen wurden, um die Schule zu fördern.

Text: Ulrike Steglich, Fotos: Christoph Eckelt, bildmitte

Carl-Bolle-Grundschule, Waldenser Straße 22–25, 10551 Berlin, Tel. 39 74 578 10

Zuerst erschienen in der „ecke turmstraße„, Nr. 6 – sept/okt 2015

Zwei aktuelle Hinweise:
Am 16. Oktober 2015 veranstaltet die Schule einen Sponsorenlauf auf dem Spielplatz in der Emdener Straße. Er findet von 9 bis 12 Uhr statt, die Spenden sollen an Flüchtlinge gehen.
In der Woche vom 16. bis 20. November gibt es in der Schule eine Lesewoche.

Ein Kommentar auf "Sprache, Forschertum, Bewegung"

  1. 1
    Susanne Torka says:

    Hier der Bericht über das Stadtteilplenum am 13. Oktober, bei dem sich 4 Moabiter Schulen vorgestellt haben, die Carl-Bolle-Grundschule, die Hedwig-Dohm-Oberschule, die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule (persönlich) und die neue Grundstufe der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule (mit einer Präsentation).
    Ganz anders, als viele dachten, war die Diskussion über Willkommensklassen. Die Lehrer_innen und Schulleiter_innen berichteten über hoch motivierte neue Schüler aus den Krisenregionen dieser Welt.
    http://www.moabitwest.de/Die-Moabiter-Schulen-Hauptthema-beim-Stadtteilplenums-Moabit-West-am-13-Oktober-2015.5679.0.html

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