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Mittelstreifen der Waldstraße wird neu gestaltet

Ende September hat der Umbau des Mittelstreifens auf der Waldstraße begonnen. Dafür stehen 309.000 Euro Fördermittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ zur Verfügung. Doch diese Summe reicht nicht aus, um den von der Landschaftsarchitektin Birgit Teichmann mit ansässigen Einrichtungen sowie Bewohnerinnen und Bewohnern abgestimmten Entwurf umzusetzen. Deshalb werden zunächst nur das nördliche Teilstück von der Siemensstraße bis zum SOS-Kinderdorf und das südliche Teilstück bis zur Wiclefstraße umgestaltet.

Bau-waldstrasse_CE-250Im März und April 2015 wurden die Entwürfe des Architekten-Wettbewerbs drei Wochen lang im Vor-Ort-Büro des Quartiersmanagements Moabit West ausgestellt und bei einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert. Das war der Auftakt zu einer umfangreichen Bürgerbeteiligung. Kurz danach wählte eine Jury den Entwurf von Teichmann aus. Bei Befragungen auf der Straße konnten Nutzerinnen und Nutzer des Mittelstreifens ihre Vorstellungen vor Ort einbringen. Ebenso wurden ansässige Institutionen, wie Kinderläden, die Psychosoziale Initiative, das SOS-Kinderdorf und Gewerbebetriebe einbezogen. Als neues Beteiligungsmodul testete das Quartiersmanagement Moabit West hier erstmals „FlashPoll“, eine App, mit der lokale Kurzumfragen durchgeführt werden können. Und die Koordinierungsstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung Mitte im Moabiter Ratschlag e.V. organisierte die Kinderbeteiligung, wobei der Kinderladen Ali Baba und das SOS-Kinderdorf gern kooperierten.

Von vorneherein wurde deutlich kommuniziert, was nicht umsetzbar sein wird. So waren Gestaltungsideen für die Straße und die Gehwege ausgeschlossen. Auch der kleine Brunnen kann nicht innerhalb dieser Baumaßnahme reaktiviert werden – so wünschenswert das auch wäre. Doch es sollten keine vollkommen unrealistischen Vorstellungen geweckt werden, die zu späterer Enttäuschung führen. Natürlich kamen solche Wünsche und besonders der Brunnen trotzdem zur Sprache. Teichmann zeigte sich in diesem Beteiligungsprozess sehr offen für Vorschläge und Wünsche: „Die Landschaftsarchitektin hat bei der Überarbeitung ihres Entwurfs alle Seiten ernst genommen. Wenn sie auch nicht alle Wünsche und Vorstellungen eins zu eins übernehmen konnte, so hat sie sich doch eng an die von jungen und älteren Nutzerinnen und Nutzern formulierten Bedarfe gehalten,“ sagt Tita Kaisari vom Moabiter Ratschlag.

Ein breiter durchgängiger Weg, der auch von Radfahrern benutzt werden kann, läuft hinter der Baumreihe entlang der Straße – meist heller Asphalt, in Teilstücken wird das Mosaikpflaster erhalten. Östlich davon reihen sich mehrere Bewegungsangebote und Sitzgelegenheiten aneinander. Neue Pflanzbeete werden etwas erhöht angelegt. Bewährtes bleibt erhalten, wie Schachbrett, Pergolen, Bänke und Rasen. Statt der kleinen Sandfläche mit einem einsamen Wipptier, die kaum von Kindern genutzt wird, entsteht eine Aufenthaltsfläche mit Tischtennisplatte und Geräten für „Street-Workout“ (also öffentlichen Fitness-Geräten) in der Nähe der Psychosozialen Initiative. Beim Kinderladen Ali Baba werden Hängenetze und Spielgeräte für Kleinkinder eingebaut. Einige Flächen bekommen einen Kunststoffboden. Vorläufig nicht umgesetzt wird die geplante Hügellandschaft vor dem SOS-Kinderdorf bis zur Wiclefstraße. „An dieser Stelle wurde weniger Bedarf für eine Umgestaltung angemeldet, die Straßenspiele funktionieren gut auf der vorhandenen Fläche. Aber wir versuchen auch dafür Fördermittel zu finden,“ so Beatrice Pfitzner vom Quartiersmanagement.

Weil der Unterbau der Flächen auch erneuert werden muss, fehlen etwa 120.000 Euro. Dabei kommt jetzt das Förderprogramm für das „Aktive Zentrum Turmstraße“ ins Spiel. Aber einfach wird das nicht. Eine Verlegung des Radwegs vor den Geschäften am südlichen Ende der Waldstraße vom Gehweg auf die Straße wäre wünschenswert und grundsätzlich auch finanzierbar. Doch müssen diese Mittel aus dem Förderprogramm „Aktive Zentren“ langfristiger angemeldet werden. Es dauert also. Fraglich ist, ob eine prozentuale Beteiligung an der bereits beauftragten Baumaßnahme möglich wäre, denn das „Aktiven Zentrum“ reicht nur bis zur Waldenser Straße und nicht bis zum SOS-Kinderdorf. Wünschenswert wäre es gewesen, hätte sich das QM von Anfang an auch mit dem Koordinationsbüro KoSP, das für die Betreuung des AZ­Gebiets Turmstraße zuständig ist, frühzeitig über den Anschluss des Radweges auf der Waldstraße an die Umgestaltung des Mittelstreifens verständigt.

Hier kann der Entwurf für den umgestalteten Mittelstreifen heruntergeladen werden.

Foto: Christoph Eckelt, bildmitte

Zuerst erschienen in der „ecke turmstraße„, nr. 7, november 2015

Nachtrag:
Fotos von der Umgestaltung im Deutschen Architekturforum: Oktober 2015 , Juni 2016.

Die Umgestaltung geht im nördlichen Bereich weiter, während sich einige ältere Anwohner über Lärm beschweren (Berliner Woche).

Bilder aus dem Deutschen Architekturforum von der Umgestaltung des nördlichen Abschnitts: Juni 2017

Zu den Beschwerden gab es Anfang Juli 2017 einen Runden Tisch (Berliner Woche, QM Moabit West).

6 Kommentare auf "Mittelstreifen der Waldstraße wird neu gestaltet"

  1. 1

    Die SeniorInnenvertretung (SV) Mitte wurde nicht beteiligt, wohl aber beteiligte sich ein Anwohner der Waldstraße, der Mitglied in der SV ist. Er organisierte ein Gespräch der SV mit der Architektin. Danach hatten wir Bedenken, dass bei der Neugestaltung des Mittelstreifens der Waldstraße in Moabit im Begegnungsbereich in der Mitte eine drei Meter breite Schnellstraße für Radfahrer entstehen könnte zum Nachteil der Fußgänger, Kinder, Behinderte, Ältere..
    Und wandten uns deshalb mit einem Vorschlag an den zuständigen Stadtrat, Herrn Spallek. Brief und Antwort sind hier zu finden: http://www.seniorinnenvertretung-mitte.de/index.php?ka=17&ska=106&idn=25

  2. 2
    Christine says:

    Das Antwortschreiben geht davon aus, dass alle in diesen Bereichen Schritttempo fahren. Leider gilt das weder für Radfahrer noch für Autofahrer. Beide wissen häufig nicht mal, dass sie in einem Bereich unterwegs sind, in dem Schritttempo gefahren werden muss. Solange die Stadtverwaltung nicht genug Personal hat, in diesen Bereichen die Einhaltung der Gesetze sicherzustellen, wird es die Konflikte weitergeben.

  3. 3
    Arigoe says:

    Ich teile die Sicht von Frau Schilling – es wird ein Fahrradhighway- Denn bereits zuvor bestand das Problem, dass Fahrradfahrer rücksichtslos auf dem Apshaltstück (oberhalb Waldenserstrasse) gefahren sind, und damit das Spiel der Kinder gestört, eingeschränkt, sogar verhindert haben. Denn wie soll man Federball spielen, wenn man ständig aufpassen muss, dass niemand kommt?

    Zudem finde ich es zutiefst bedauerlich, dass, ähnlich dem kleinen Tiergarten, die Bodenversiegelung in Moabit weitergeht. Das hat für mich nichts mit Landschaftsarchitektur zu tun – Betonarchitektur träfe es besser. Versiegelte Böden verschlechtern die Luftqualität, sind schlecht für das Grundwasser, etc etc. Diese Mode, dass alles versiegelt werden muss, dass alles grün als störend gesehen wird, ist wirklich verstörend.

    Da von „grüner“ Waldstrasse noch zu sprechen, ist nicht mehr angebracht. Schade.

  4. 4

    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der Brunnen aus den anlaufenden Arbeiten aus finanziellen Gründen „herausdefiniert“ worden. Zeitgleich liest mensch, dass für den Umzug des Neptunbrunnens (ebenfalls in Berlin-Mitte liegend) – plopp – plötzlich irgendwo 10 Millionen Euro auftauchen. Trotz ungleicher Bedeutung der beiden Brunnen staune ich ein wenig.

  5. 5
    H. E. says:

    Hier ist der Artikel der Berliner Zeitung zu 4:
    http://www.berliner-zeitung.de/kultur/kommentar-zu-investitionen-in-berlin-zehn-millionen-euro-fuer-den-falschen-zweck,10809150,32422122.html

    Die Politik scheint neue Worte zu erfinden, um Mißgriffe zu rechtfertigen: „herausdefinieren“ wie oben in 4 und „wegwiegen“ wie das BA Mitte beim Denkmalschutz des Magnus-Hauses.

  6. 6
    Susanne Torka says:

    Die Links zu zwei Berichten des Runden Tischs Waldstraße wurden oben im Nachtrag angefügt.

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