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Standortneugestaltung Bayer Schering Pharma

Blick von Moabit

Die Bayer Schering Pharma AG plant, ihren Standort im Wedding in wesentlichen Teilen neu zu gestalten. Der im März 2010 be­schlossene Site Master Plan sieht die Entwicklung des Berliner Standortes in einen „PharmaCampus“vor, der auf neue Weise die Funktionen Forschung, Ent­wicklung, Produktion und Verwaltung vereinen soll. Dabei sollen die städtebaulichen Entwicklungen im unmittelbaren Umfeld aufgenommen werden.

Der Plan ist die Planungsgrundlage für alle künftigen baulichen Aktivitäten auf dem rund 18 Hektar großen Areal des Berliner Werkgeländes. Die Entwicklung zum „PharmaCampus“ erfolgt langfristig in mehreren aufeinanderfolgenden Planungsphasen.

Vision 2040: Das Modell des Architekturbüros Barkow Leibinger zeigt, wie das Areal von Bayer Schering Pharma - zwischen Bahntrasse (in blau) und Sellerstraße - langfristig aussehen könnte. Coyright: Bayer Schering Pharma, Fotograf: Werner Huthmacher

Start der ersten Phase ist die jetzt getroffene Entscheidung für ein neues Hauptgebäude und die Öffnung des Standortes hin zum Nordhafen, also in Richtung Moabit. Der künftige Sitz der Verwaltung soll dort zusammen mit einem Mitarbeiter-Restaurant und einem Konferenzzentrum ein Gebäudeensemble bilden. Die Erschließung des Baufelds am Nordhafen und weitere vorbereitende Baumaßnahmen sind für 2011 geplant.

Neu ist auch das Konzept der Öffnung des Standortes zu zwei Seiten – sowohl zum Nordhafen als auch zum Wedding mit einer langfristigen Neugestaltung des bisherigen Schwerpunkts in der Müllerstraße. Der geplante PharmaCampus soll – so die Pressemitteilung – eine ausgewogene Balance von Bau- und Landschaftsfeldern ausweisen und dank zahlreicher Grünflächen für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen.  Teile des Areals sollen zukünftig auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. die Idee ist tatsächlich, das Werksgelände in einen Campus zu verwandeln und in Teilen zu öffnen.

aktueller Blick von der Sellerbrücke

Zum Nordhafen hin soll eine offene Parklandschaft entstehen, neue Gebäude und erweiterter Park sollen ineinander übergehen. „Zwei Gebäude sollen ins heutige Straßenland leicht hineinragen, die Straße und Teile des Werksgeländes sollen öffentlicher Park werden. Wir haben mit Bayer Schering verabredet, dass wir den landschaftlichen Wettbewerb für die westliche Seite Spandauer Schiffahrtskanal und Nordhafen auf die östliche Seite des Nordhafens als Ideenteil ausdehnen, um dann gleich den ganzen Nordhafen zu erfassen“, teilt Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Ephraim Gothe auf Nachfrage mit. Gothe  sieht in der Neugestaltung des Unternehmenssitzes von Bayer Schering Pharma einen wichtigen Impuls, einen „Ort mit Strahlkraft für den Bezirk“. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erhofft sich von dem Vorhaben von Bayer Schering Impulse auf die Entwicklung des beabsichtigten Heidestraßenquartiers in Moabit.

Im März 2009 erhielt das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger (das gleiche Büro hat auch den Total-Tower geplant) den Auftrag, bis Anfang 2010 ein umfassendes und langfristiges Konzept für die attraktive Neugestaltung des Standorts zu entwerfen. Dieses wurde im März 2010 genehmigt. Die Umsetzung beginnt mit dem Auswahlverfahren eines Architekturbüros für die Planung des neuen Hauptgebäudes.

Wichtige Impulse für die Entwicklung zum Site Master Plan hatte der Pharmakonzern über einen studentischen Wettbewerb gewonnen, den der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft in Kooperation mit Bayer Schering und dem Land Berlin ausgerichtet hat. Im Herbst 2009  waren zwei Studenten der Architekturfakultät der TU Dresden als Gewinner des 1ten Preises ausgezeichnet worden. Auch in 2010 wird sich der Architekturwettbewerb des Kulturkreises an das Thema anschließen. Aufgabe des Wettbewerbs 2010 wird sein, das Quartier am Nordhafen mit der Umgebung zu verbinden, eine Beziehung zum Bayer Schering-Areal auf der anderen Seite des Nordhafens herzustellen und eine Anbindung an die geplante Bebauung des Gesamtareals Heidestraße zu entwickeln. Für den nördlichen Eingang der Bahnstation in das Gebiet Quartier am Nordhafen, ist in einer hochbaulichen Vertiefung ein Gebäude zu entwerfen, das die anspruchsvolle städtebauliche Situation und die unterschiedlichen Höhenverhältnisse von Bahnsteig, Perleberger Brücke und Wettbewerbsgelände miteinander verbindet und das für das Gebiet interessante weitere Nutzungen aufnehmen kann. Für den südlichen Eingang der Bahnstation in das Areal ist eine Überbrückung von zwei Gleisen mit Freiraum- und Platzgestaltung zu entwickeln. Für die Identität des Quartiers am Nordhafen können künstlerische Zeichen eine wichtige Funktion übernehmen. Themen wie Sichtbarkeit, Orientierung und Wiedererkennung können mit künstlerischen Methoden bearbeitet werden. Kooperationspartner des Kulturkreises hierfür sind Deutsche Bahn AG und Vivico Real Estate. Auch die Berliner Senatsverwaltung unterstützt wiederum den Wettbewerb.


Nachtrag vom 15.02.2010

Gebiet Bebauungsplanentwurf wird ausgeweitet

Viele hatten es am Modell des “Site Masterplans” schon erkannt, der von Bayer gewünschten neuen etwa 91 Meter hohen Firmenzentrale soll nicht nur das Wohnhaus Fennstraße/Am Nordhafen zum Opfer fallen, sondern auch die Straße “Am Nordhafen” würde danach von dem Neubau der Firmenzentrale teilweise überbaut.

Mittlerweile ist im Bezirksamt am Bebauungsplanentwurf 1-47 für den Bayer Campus, der im Juni 2009 öffentlich ausgelegt worden war, weiter gearbeitet worden, um die Wünsche von Bayer in Planungsrecht umzusetzen. Auch ein neues Laborgebäude (ca. 42 Meter Höhe) im Bereich Sellerstraße/Am Nordhafen soll ein Teilstück von Am Nordhafen in Anspruch nehmen. Als Konsequenz soll die Straße am Nordhafen an Bayer verkauft und die für von Bayer für die Neubauten benötigten Flächen bebaut werden. Die übrigen Flächen der ehemaligen Straße und Teile des Grundstückes von Bayer sollen als Grünfläche umgestaltet werden und öffentlich zugänglich sein. Die öffentliche Grünfläche zwischen Nordhafen und der Straße Am Nordhafen (Flurstück 370) wird in den Geltungsbereich des Bebauungsplanes einbezogen. Sie soll unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Wettbewerbes für die Freiräume der Europacity / Heidestraße und des Nordhafens neu gestaltet werden.

Zusätzlich zu dem Bebauungsplan, zu dem die Behördenbeteiligung und Öffentlichkeitsbeteiligung nach Baugesetzbuch wiederholt werden, soll auch ein städtebaulicher Vertrag mit Bayer Schering abgeschlossen werden, in dem u. a. die öffentliche Zugänglichkeit der ehemaligen Straßenlandfläche und von weiteren Teilen des Firmengeländes, die Kostenübernahme für die Gestaltung der öffentlichen Grünfläche und die Kostenübernahme für das Sozialplanverfahren für die Mieter des Wohnhauses geregelt werden.

weitere Nachträge:
Die 20 Mietparteien im Altbau Fennstraße 35-37/Am Nordhafen 1 hatten Ende September von Bayer eine Kündigung erhalten. Die Mieter wehren sich und werden dabei vom Berliner Mieterverein unterstützt. Zum 31. Dezember 2010 sollten die ersten Mieter ihre Wohnung räumen. Den Mietern, die lange im Haus wohnen, wird eine Frist bis zum 30. September 2011 eingeräumt, berichtete der Mieterverein in der Ausgabe Dezember 2010 des “MieterMagazin“. Und hier auch ein Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des Stadtentwicklungsausschuss der BVV vom 27.10.10 zum Sozialplanverfahren, sowie der Auszug aus dem Protokoll der Sitzung vom 22.9.10.

Nun ist der ganze Standortausbau wieder auf Eis gelegt worden (worüber im Juli die Berliner Woche berichtete), dennoch berichtet das MieterMagazin im Oktober 2011, dass die Kündigungen bestehen bleiben. Im MieterMagazin von März 2012 heißt es: “Bayer wird ruppig“.

Aktualisierte Vision von Bayer für das Jahr 2040

19 Kommentare auf "Standortneugestaltung Bayer Schering Pharma"

  1. 1
    R@lf sagt:

    Damit nicht nur die Firmenwebsite anklickbar ist, sondern auch die KritikerInnen:

    http://www.cbgnetwork.org/1.html

  2. 2
    Lars sagt:

    Hier muss auch immer einer einen Gegenkommentar loswerden, auch wenn dieser mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun hat oder?

  3. 3
    Redaktion sagt:

    Auch die Redaktion bittet eindringlich alle Kommentatoren, in ihren Kommentaren zu den verschiedenen Artikeln beim jeweiligen Thema zu bleiben und nicht auf Nebengleise abzugleiten, da dies die Qualtität der Diskussion erheblich beeinträchtigt, wie wir auch immer wieder von LeserInnen hören.

  4. 4
    R@lf sagt:

    Leider ist von meinem Kommentar zur Sache um halb sechs Uhr morgens nur die letzte Zeile übriggeblieben: der fertige längere Kommentar, der sich ansosnten ausschließlich mit den Baumaßnahmen und ihrem Umfeld beschäftigte, ist durch einen falschen Klick in den Datenorkus gewandert. Wird nachgeholt.

    Dennoch habe ich den link zu den BAYER-KritikerInnen reingesetzt, weil ich den vorliegenden Artikel für ein schier unerträgliches Beispiel von Verlautbarungsjournalismus halte. An dessen Stelle hätte sozusagen die Presseerklärung des Bauherrn selbst abgebildet werden können und es wäre kaum ein Unterschied festzustellen gewesen.
    Es kann ein Unternehmen nicht abgekoppelt von seinen wirtschaftlichen Aktivitäten betrachtet werden. Hier werden nicht nur ein paar Bauklötzchen in die Landschaft gestellt, sondern es wird eine Firmenzentrale mit weltweiten Wirkungsfeldern gebaut!

    Im Vorausgriff auf einen neu zu erstellenden Kommentar weise ich nur schon einmal darauf hin, daß nach der vorliegenden Planung (siehe Abbildung) offenbar die Wohnhäuser Ecke Fennstraße / Am Nordhafen zu Gunsten eines Hochhauses abgerissen werden sollen. Ob die gravierende aktuelle Parkschädigung am Nordhafen (Fällung von mindestens 25, teils alten, gesunden Bäumen um den Hafen) eine bauvorbereitende Maßnahme ist, ist eine der offenen Fragen.

  5. 5
    Susanne Torka sagt:

    Also ehrlich gesagt, wenn man über Bayeer Schering Pharma schreibt, dann finde ich einen Hinweis auf die “Coordination gegen Bayer Gefahren” als Kommentar nicht vollkommen deplaziert, auch wenn es in dem Ursprungsartikel nicht ausdrücklich um die Chemieproduktion sondern um die Baumaßnahmen des Konzerns geht. Ich finde deren weltweite Aufklärungsarbeit so gut, dass ich der CBG gerne einen jährlichen Mitgliedsbeitrag beisteuere.
    @ Ralf
    Die grundsätzliche Kritik an Jürgens Artikel teile ich nicht. Um sich mit den Planungen auseinanderzusetzen, muss man sie erst mal kennen und dann darüber nachdenken, was sie für die Umgebung bedeuten. Mehr als die Pressemitteilung ist ja noch nicht bekannt. Im Stadtentwicklungsausschuss am Mittwoch wurde die Vorstellung der Pläne spontan während der Sitzung auf Wunsch von Bayer Schering Pharma in den nichtöffentlichen Teil verlegt.
    Ein aufmerksamer Blick auf die Grünfläche am Nordhafen, Wohnhäuser, die abgerissen werden und was sonst noch alles, was wir vielleicht noch nicht überblicken, ist angesagt. Anfang Mai werden die Ergebnisse des im Text erwähnten Studentenwettbewerbs präsentiert werden. Planungen kritisch zu betrachten und darauf zu achten, dass öffentliche Flächen nicht privatisiert werden, ist die eine Seite. Aber auch hier geht es um Arbeitsplätze, Forschung und darum, was die Stadt oder der Bezirk, gerade die Menschen, davon profitieren.

  6. 6
    Guido sagt:

    Auch wenn der Artikel eher wie ein Bauherren-Statement klingt, sollte man doch nicht gleich hinter jeder Ecke etwas Böses wittern. Wenn sich der Campus wirklich der Öffentlichkeit öffnet und somit qualitativ hochwertige Freiräume am Nordhafen entwickelt werden können (die auch dauerhaft gepflegt werden..), dann ist dies ein Gewinn auch für Moabit. Gleiches gilt für das deutliche Zeichen von Bayer Schering, den Standort in Berlin zu erhalten und fortzuentwickeln. Lieber R@lf, wäre es Dir hier lieber gewesen, wenn Bayer Schering an diesem Standort dicht gemacht worden wäre und nach Leverkusen übergesiedelt hätte? Auch das wäre ein denkbarer Weg gewesen, nachdem Schering geschluckt wurde. Und das die Ecke zwischen Nordhafen und Müllerstraße ein wenig Entwicklung vertragen könnte, dürfte wohl unstrittig sein. Wenn ich an dei Seller- oder Fennstraße bei Regen denke, sträuben sich mir die Nackenhaare.

  7. 7
    R@lf sagt:

    Daß im Stadtentwicklungsausschuss “die Vorstellung der Pläne spontan während der Sitzung auf Wunsch von Bayer Schering Pharma in den nichtöffentlichen Teil verlegt” wurde, spricht ja wieder mal Bände.

    Nein, Guido, die Ecke da, wie überhaupt das von Schering produzierte Straßenambiente ist wirklich nicht gerade schön – im Gegensatz zum Nordhafen-Park, den ich über zwei Jahrzehnte oft und gerne besucht habe und dessen Verwüstung mir jetzt wie ein Stein im Magen liegt, ebenso wie die frischen Abholzungen am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Die vollmundigen Ankündigungen jedoch, den “BAYER-Campus” zu öffnen und in ihn eine Parkverlängerung zu implantieren sehe ich aus Erfahrung erstmal in umgekehrter Richtung: Okkupierung des Nordhafen-Ufers als Vorplatz der BAYER-Bebauung, so jedenfalls meine Assoziation bei dem Plan-Bild. Das wird für den bisherigen ruhigen Park nicht gut sein und mir kräuseln sich die Nackenhaare, wenn ich daran denke, daß es so aussehen könnte wie gegenüber an der Panke-Einmündung mit ihrer neuen Reißbrettästehtik, wo vorher ein schön bewaldetes Ufer war. Den “BAYER-Park” kann mensch sich vermutlich so vorstellen wie den danebenliegenden kleinen Park an der Sellerstraße, der nach erfolgter Umgestaltung jetzt nur noch eine Wiese mit Bäumen ist. Nur daß bei BAYER dann erst mal ein paar “Setzspargel” stehen werden. Mal sehen wie die mit den noch vorhandenen Bäumen auf ihrem Baugrundstück umgehen. BAYER ist ja, wenn mensch nach den Werbefilmchen des Konzerns geht, der Naturschutz selbst. Hier könnte BAYER ja mal beweisen, wie sozial-ökologisch und architektonisch bestechend mensch bauen kann!

    Wenn Herr Gothe “dann gleich den ganzen Nordhafen zu erfassen” sucht, schwant mir nichts Gutes. Überall wo der Mann bisher etwas erfaßt und angefaßt hat war mensch hinterher fassungslos. Und ein Ephraim-Palais ergab und ergibt das nirgendwo. Auf diese Weise könnte der Nordhafen leicht zum Zierteich des BAYER-Imperiums verkommen. BürgerInnen dürfen dann später ähnlich darum herum “lustwandeln” wie in den Ziersteppen am Bundeskanzleramt und anderswo im Landschaftsbau-Planeinerlei Berlins. Himmel sende uns einen Lenné!
    Oder besser noch: laßt einfach die Finger von unseren Grünflächen!

    Wenn ich das richtig sehe, steht nach der aktuellen Planung der Hochhausklotz mitten im Park (also auf noch in öffentlichem Besitz befindlichen Parkland – was den Verdacht bekräftigt, daß die bisherigen Fällungen schon bauvorbereitende Maßnahme sind: wahrscheinlich daher die Heimlichtuerei!), und zwar in dem bisher noch verschonten Teil – das heißt weitere Fällungen!!! Ein Überschreiten und Einbeziehen der Straße in den ins BAYER-Gelände “erweiterten” Park ist ja projektiert.

    “…eine Anbindung an die geplante Bebauung des Gesamtareals Heidestraße zu entwickeln” kann nur heißen, daß am gegenüberliegenden Ufer korrespondierend ein weiteres Hochhaus gewünscht und in Planung ist. Alles schöne “Wassergrundstücke” nach denen sich Investoren die Finger lecken (und die wahrscheinlich vom Senat wieder einmal liebedienerisch verschleudert werden, soweit sie ihm noch gehören). Überhaupt erbost mich das Planerchinesisch des Artikels, das für eine/n Normalleser/in so undeutbar ist, wie das Orakel von Delphi. Schönes Beispiel: “in einer hochbaulichen Vertiefung”. Echt geil!
    Und von woher ist eigentlich die “Bahnstation” vom Himmel gefallen, von der vorher noch nicht die Rede gewesen ist? Gibts da schon Pläne?? Es kann sich ja eigentlich nur um die irgendwann kommen sollende S-Bahn-Station handeln, oder?

    Schön auch, daß sich BAYER öffnen will – gegen Öffnung ist nie was zu sagen (z.B. auch gewisser Akten) und es wäre sicher angenehmer durch einen “Campus” (was immer die damit auch meinen, hört sich jedenfalls prima an: BAYER wird Uni … oder wird nun die Uni BAYER ?) abgeschirmt und im Grünen vielleicht bis zur Müllerstraße zu laufen oder zu radeln, als an der immer mehr zur Stadt-Autobahn werdenden Sellerstraße als Fortsetzung der Heidestraße mit ihren Teergartentunneln.

    Ob ich wirklich so glücklich darüber bin, daß BAYER genau hier ist und bleibt, nun ja. Muß mensch ja wohl, wegen der Arbeitsplätze des Konzerns in Berlin und hoffentlich auch der zu zahlenden Steuern; aber wie gesagt “muß”. In alten Scheringzeiten habe ich mich jedenfalls häufig gefragt, ob das Ding da in Sichtweite zu meiner Wohnung wirklich sicher ist, oder ob da nicht auch mal ne fette Giftgaswolke aufsteigen könnte -mitten im Wohngebiet rundum- wie in BAYER-Anlagen schon mehrfach geschehen. Dies ging mir besonders damals durch den Kopf, als der Güterbahnhof in der Heidestraße noch da war und ich darüber spekulierte, wieviel Chemikalien dort wohl für Schering umgeschlagen würden. Ich möchte, glaube ich, auch gar nicht so genau wissen mit welchen Mikroben und wofür bei BAYER-Schering experimentiert wird. Prinzipiell wäre mir solch eine Laborlandschaft, abgeschirmt von menschlichen Behausungen angelegt, deutlich lieber… also außerhalb der Stadt.

  8. 8

    […] Moabit Online dokumentiert Planungen, Wettbewerbe und Ausschreibungen rund um das Gelände. Derzeit gibt es einen weiteren Architektur-Wettbewerb. […]

  9. 9
    R@lf sagt:

    Danke auch für den link in 8. – den habe ich gleich mal weiterverfolgt:

    http://www.berlin-townhaus.de/2010/03/berliner-townhouses-hafenquartier-berlin-mitte-im-bau/#more-467

    In diesem ersten link sieht mensch sehr schön die Fläche im Bau. Den sogenannten “Sellerpark”, nun mehr oder weniger ein Wiesengrundstück, hat man bis auf ein paar der Zickzackstufen, die nun anstelle des bewaldeten Ufers implantiert wurden, wohlweislich aus dem Bild gelassen. Auch der Nordhafen hat ein paar grüne Verkaufsargumente weniger.

    Auf diesem Spekulationsgrundstück für “Luxusimmobilien”, das als “Brachland” bezeichnet wird, hatte sich eine jahrzehnte alte Spontanbegrünung hoher ökologischer Qualität entwickelt, die zu einem Wäldchen mit nebenliegender Wildkräuterwiese gediehen war. Diese schloß sich sozusagen auf der anderen Seite des Wassers nahtlos an den alten Sellerpark an und war in der ganzen warmen Jahreszeit ein beliebter und durchwegter Lager- und Picknickplatz der umliegenden Bevölkerung (ein Fleckchen davon steht noch Richtung Bundeswehrkrankenhaus). Mit ungeahnter Verve und Brutalität wurde plötzlich dieser schöne, ökologisch wertvolle Ort, der sich in das neue Erholungsufer eingliederte und es wunderbar ergänzte, zum privatem Profit niedergemacht, ja man möchte sagen “niedergemetzelt”, und zwar auch in völlig unnötigen Bereichen. Dort wurden pflegeintensive und stumpfsinnige Blumenrabatten angelegt, letztere vermutlich auch noch von SteuerzahlerInnengeld.
    (Wer die Gegend nicht kennt: das Wäldchen setzte sich fort in den straßenbegleitenden Grünzug der Boyenstraße am Erika-Heß-Stadion bis zur Chausseestraße um dort nach der Straßenüberquerung in den Pankepark links der Liesenstraße überzugehen – am besten mal Satellitenfoto googeln)

    Die alten Bäume, die einen Sicht- und Lärmschutz zum danebenliegenden Tennisplatz [sic!] bildeten, wurden in unglaublicher Dummheit auch niedergesägt. Na denn, LuxusbewohnerInnen in spe: viel Vergnügen beim Sportlärm! Wimbledon forever sozusagen. Dazu kann man Euch noch zu vielen landenden Hubschraubern vom BW-Krankenhaus gratulieren – wer hat schon einen so herrlich vaterländischen Blick auf einen Lazarettlandeplatz für Afghanistan-Helden?! Wie zu Königs&Kaisers Zeiten im benachbarten Invalidenkrankenhaus könnte man meinen.
    Dazu sei Euch die Luxusaussicht auf die kommende BAYER-Großbaustelle nebenan gerne gegönnt (es wird ein bißchen laut und ein wenig stauben – aber nur ein paar Jahre): Ihr dürft uns dann auf MoabitOnline darüber berichten! Wenn erst mal der BAYER-Tower fertig ist, könnt Ihr fröhlich von Euren exclusiven Terrassen zu ihm hinaufwinken, von wo aus mensch neidisch bewundern kann, wie bildhübsch ihr wohnt und was für elegante Gartenmöbel Ihr habt. Und wenn Ihr einst die Rente durch habt (oder Eure Kinder), wachsen vielleicht auch wieder ein paar Bäume am Nordhafen…

    http://www.berlin-townhaus.de/2009/09/oliver-hirt-leipzig-setzt-auf-town-hauser-in-berlin/

    Nur wer völlig unbedarft ist und keine Ahnung von den Stukturen eines lebendigen Kiezes hat, kann meinen, an einem solchen Ort “niemand zu stören”. Ihr (zer)stört schon bevor Ihr überhaupt da seid!

  10. 10
    Verwundert sagt:

    Wenn Rolf Natur will, sollte er vielleicht aufs Land und nicht in die Innenstadt der größten Metropole Deutschlands ziehen…

  11. 11
    R@lf sagt:

    @ Verwundert: rAlf

    Ich würde umgekehrt gerne in der Stadt wohnen bleiben und die Natur in der Stadt behalten: wir hatten hier schon einmal viel viel mehr davon. Dies scheint nun alles preisgegeben.
    Statt weiterem rücksichtslosen Kurs auf eine Stadt der Betonschluchten muß im Gegenteil MEHR Natur in die Stadt geholt werden, nachhaltig ökologisch gebaut werden (eben nicht nur von der Energiebilanz her!) und die Stadt weitestgehend begrünt und ökologisiert werden. Das täte der physischen und psychischen Gesundheit Aller wohl und gut und würde z.B. auch die Gesundheitskosten = Krankheitskosten gravierend senken (Stichwort “Allgemeine Gesundheit”, ein völlig unterbewerteter Faktor).

    Wer das nicht begriffen hat oder begreifen will, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen endlich weg vom “Plastic Planet”, von Bodenversiegelung und Ressourcenraubbau hin zu einem ausgewogenen Verhältnis zur Natur, deren Teil wir sind und von der wir uns zum eigenen Schaden weit entfernt haben. Das Feindbild Natur ist von vorvorgestern. In diesem Sinne wirklich wortwörtlich: back to the roots!

    Übrigens bin ich schon 30 Jahre HIER (andere noch länger, möglicherweise ihr ganzes Leben) und habe wie alle anderen ein Recht zu BLEIBEN. Das ist unsere Heimat. Mit welcher Berechtigung soll mir und anderen die Türe gewiesen werden? Mit dem Recht der dickeren Brieftasche und zu unbegrenztem Profit auf Kosten von Mensch und Natur etwa? Das wird auf unseren erbitterten Widerstand treffen!

  12. 12
    R@lf sagt:

    Passend zum Thema die Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin:

    http://www.adk.de/de/aktuell/veranstaltungen/index.htm?we_objectID=25022

  13. 13
    Jürgen sagt:

    In der frisch eingetroffenen Juni Ausgabe des MieterMagazin (die Online Ausgabe erscheint immer später als das Print-Produkt) des Berliner Mietervereins berichtet Jens Sethmann, dass das Bayer-Schering-Pharma Immobilienmanagement im April den Mietparteien des Wohnhauses Am Nordhafen 1 Fennstraße 35-37 mitgeteilt hat, dass diese bis März 2011 ausziehen sollen. Seit Mitte der 80er Jahre ist Schering Eigentümer des Altbau Eckhauses. Nachdem man etliche Wohnungen zwischenzeitlich längere Zeit hatte leer stehen lassen, wurden sie erst vor vier Jahren modernisiert und neu vermietet. Die letzte Mieterin ist erst im April 2009 eingezogen. Die MieterInnen haben sich unterdessen zusammengeschlossen, um sich vereint gegen die angedrohte Kündigung zu wehren.

  14. 14
    Jürgen Schwenzel sagt:

    Mittlerweile ist im Bezirksamt am Bebauungsplanentwurf 1-47 für den Bayer Campus, der im Juni 2009 öffentlich ausgelegt worden war, weiter gearbeitet worden, um die Wünsche von Bayer in Planungsrecht umzusetzen. Die Informationen dazu sind im Nachtrag vom 15.02.2011 zu finden.

  15. 15
    Redaktion sagt:

    Die Bayer Health Care Pharmaceuticals (ehemals Bayer Schering Pharma) legt die Pläne für den Ausbau des Berliner Firmenstandorts zum “Pharma-Campus” mit neuer Konzernzentrale auf Eis, “zunächst für zwei Jahre”, berichtet die Berliner Morgenpost. Bayer wolle seine Finanzmittel auf die Markteinführung strategisch wichtiger Produktneuheiten konzentrieren, berichten übereinstimmend verschiedene Zeitungen.

    Bereits im Februar 2011 war bekannt geworden, dass der Bayer Konzern deutschlandweit massive Sparmassnahmen verbunden mit einem erheblichen Stellenabbau plant.

  16. 16
    taylan sagt:

    Und am Nordhafen 1 mussten trotzdem die mieter raus?!

  17. 17
    Susanne Torka sagt:

    Die Aufgänge an der Fennstraße sind von Bayer leergezogen worden. 15 von 20 Mietparteien haben entweder Ersatzwohnungen oder Abfindungen akzeptiert. Aber 5 Mietparteien am Nordhafen wollen nicht ausziehen. Sie halten die Kündigungen für hinfällig, da der Neubau um mindestens 2 Jahre verschoben wurde. Doch Bayer bleibt hart, sie haben Mieterhöhungen von 30 % angekündigt und wollen das Gebäudeteil an der Fennstraße abreißen.
    http://mieterschutz-berlin.de/magazin/online/mm1011/hauptmm.htm?http://mieterschutz-berlin.de/magazin/online/mm1011/101107a.htm

  18. 18
    Redaktion sagt:

    Im Zeitraum vom 09. Januar bis 10. Februar 2012 wird der Bebauungsplan 1-47 mit einem neuen Entwurf vom 16.12.2011 “mit einem neuen Plandokument, Stellungnahmen zum Immissions- und Bodenschutz, der Begründung mit Umweltbericht und darin enthaltenen Informationen …” neu ausgelegt, ist dem heute (30.12.2011) veröffentlichten Amtsblatt Nr. 57, S. 3065, zu entnehmen.
    Die neuen Unterlagen zum Bebauungsplan sollten während der Auslegungszeit auch im Internet auf der Website zur Bauleitplanung des Bezirks Mitte zu finden sein.

  19. 19
    Jürgen Schwenzel sagt:

    Zur Neuauslegung des Bebauungsplanentwurfs 1-47 von 2009, die aufgrund der Planungsänderungen auf Basis des Site-Masterplans erfolgt, berichtet MoabitOnline im Artikel Bebauungsplan Bayer Pharma liegt erneut aus.Kommentare bitte dort.