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Gute Laune verkaufen

»Einer dieser Tage« mit Eis in der  Waldstraße

Das Café »Einer dieser Tage« liegt gut versteckt am hinteren Ende der Waldstraße. Doch nicht nur ihre Lage macht die Eisdiele zu einer Entdeckung: Sie ist gemütlich, geschmackvoll und cool. So cool, dass man vermuten könnte, der Laden sei von Zugezogenen für Zugezogene. Die Inhaber Moussa und Junis Hakal aber sind im Kiez aufgewachsen. Die Inneneinrichtung des Ladens haben die Brüder größtenteils selbst gebaut.

Eines-tages_CE_250Es ist eine verspielte Mischung aus Industriedesign und Vintagecharme: hier treffen selbst gebaute Möbel aus Paletten auf alte Sessel; viel Holz und ein offener Kamin sorgen für Gemütlichkeit und Polaroidfotos von Kunden an der flaschengrün gestrichenen Wand des Verkaufsraums für eine persönliche Note.

Die Inhaber Moussa und Junis Hakal sind richtiges Moabiter Urgestein. Die Brüder sind in der Turmstraße geboren, in der Unionstraße aufgewachsen und direkt um die Ecke in den Kindergarten und in die Schule gegangen. Der ältere der beiden, Moussa, hat sogar quasi um die Ecke an der UdK Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert, bevor er lernte, wie man Eis herstellt. »Unsere Freunde  machen sich schon lustig und nennen uns Dorfkinder«, erzählt er lächelnd.

Moussa ist die arabische Version von Moses, Junis die von Jonas. Die Brüder haben einen arabischen Vater und eine deutsche Mutter, kommen also aus einer typischen Moabiter Familie. Für ihre Kunden sind sie einfach die Jungs aus der Nachbarschaft. Derzeit ist der Eisladen für Moussa ein Vollzeitjob. Er kann sich aber auch nicht vorstellen, in absehbarer Zeit nochmal etwas anderes zu beginnen: »Ich bin zufrieden, mein Leben durch den Laden selber gestalten zu können und fest im Kiez verankert zu sein«, sagt er. »Im Umgang mit Eis kann man auch ganz schön kreativ sein.«

Junis nickt. Er studiert und arbeitet nebenbei im Café. Dennoch steckt auch sein Herzblut im Laden: »Wir haben uns hier schon einige Sorten selbst ausgedacht. Zum Beispiel Kürbis-Sorbet oder ein Schokoladen-Sorbet.« Moussa lacht. »Ausgedacht ist übertrieben. Verfeinert trifft’s besser.«

»Moabit ist einmalig, was den Zusammenhalt angeht. Nicht nur unter Gewerbetreibenden, sondern allgemein. Das sieht man ja auch  an Organisationen wie den Kiezmüttern und »Moabit hilft!«, sagt Moussa. »Die Menschen hier haben einfach keine Berührungsängste, die packen an, wenn’s nötig ist, ohne dabei Unterschiede zu machen.« Als die Brüder auf die Idee mit dem Eisladen kamen, suchten sie gar nicht erst anderswo. Den Kiez zu verlassen, war undenkbar. Beide Brüder wohnen noch hier, in diesem Jahr heiratet Moussa.

Ladenräume im Viertel zu finden, war gar nicht so einfach. »Auch hier liegen die Mieten schon teilweise bei 12 Euro pro Quadratmeter«, sagt Moussa und fügt hinzu: »Wer soll das zahlen?« Nach längerer Suche fanden die Brüder Räumlichkeiten am oberen Ende der Waldstraße und eröffneten im April vergangenen Jahres. »Um Geld zu sparen, aber auch weil wir uns im Laden absolut wohlfühlen wollten, haben wir vieles selbst gebaut«, erzählt Moussa und zeigt auf ein aus Paletten gebautes Sofa und eine Holztreppe. Selbst den Kühlschrank haben die beiden holzvertäfelt.

Genauso persönlich wie die Einrichtung des Ladens nehmen sie die Bedienung der Gäste. »Massenabfertigung gibt’s bei uns nicht, wir nehmen uns Zeit und quatschen auch gerne mal mit den Kunden, wenn es sich ergibt«, sagt Junis. Das Publikum im Eisladen ist sehr gemischt. »Die lustigsten Kunden sind Kinder«, erzählt Moussa und lacht: »Manchmal haben wir hier nach dem Kindergarten den Kindergarten-after-work-Treff.«

Mit Kindern können beide Brüder gut. Im Laden haben sie extra einen Korb mit Büchern: von Max und Moritz’ wilden Streichen bis hin zu Astrid Lindgrens Bullerbü. »Am liebsten sitzen die Kleinen auf der Treppe«, sagt Junis. »Das ist eines der schönsten Dinge: zu sehen, wie die Kinder im Kiez aufwachsen«, ergänzt Moussa. »Durch die Kinder ist hier im Laden auch immer was los.«

Dann erzählt er: »Einmal habe ich einen lauten Knall gehört. Als ich hinter der Verkaufstheke vorgekommen bin, um zu sehen, was passiert ist, lag ein kleiner Junge auf dem Boden und schrie: ›Ich will aber noch mehr Eis! Mehr Eis!‹ Der Kleine hatte einen Köpper von einem der Stühle gemacht, um seinem Eiswunsch Nachdruck zu verleihen.« Die Begeisterung für Eis geht auch bei Moussa und Junis in die Kindheit zurück. Da liefen sie im Sommer immer zum »Eisbären«, dem mittlerweile geschlossenen Eisladen in einer Parallelstraße zur Waldstraße.

Eigentlich hatten die Brüder vor, nur im Sommer zu arbeiten, wenn das Wetter in Berlin gut ist. »Im Endeffekt sehen wir uns aber durch den ›Versorgungsauftrag‹ mit Eis und den Kamin gezwungen, auch im Winter für die Moabiter da zu sein «, sagt Moussa. Im Winter, meint er, »setzen sich Frostbeulen einfach mit heißen Waffeln vor den Kamin. Unser Konzept ist es, gute Laune zu verkaufen. Das geht das ganze Jahr über auf.« 

Text: Eva-Lena Lörzer, Foto: Christoph Eckelt, bildmitte
Zuerst erschienen in der »ecke turmstraße«, nr. 4, juni/juli 2016

»Einer dieser Tage«, Waldstraße 32, , Mo–So 11–19.30 Uhr,  www.einer-dieser-tage.de

2 Kommentare auf "Gute Laune verkaufen"

  1. 1
    max says:

    Sehr lecker, kann ich nur empfehlen! Nach dem der ganz gute Eisladen am U-Bahnhof Birkenstraße von einem Veganer verdrängt wurde ist das nun definitiv mein Lieblings-Eisladen in Moabit!

  2. 2
    K. S. says:

    Bin zwar absolut kein Eis-Fan, der Artikel macht aber neugierig. Allenfalls könnte ich krümelkackerisch noch die Formulierung in Frage stellen, ob man gute Laune verkaufen kann.

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