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Mehr als Okra und Maniok: Frische Kost im Afro-Shop

Afrika in Moabit

Der Raum ist gerade groß genug, um ein bisschen von allem anzubieten: frische Lebensmittel aus Afrika. Dazu noch die freundliche Beratung der Inhaberin Annete Aderele. Ihre Aufmerksamkeit und Empathie wärmen uns Kunden aus den südlichen Ländern im Berliner Winter. Wer nach Moabit in die Rathenower Straße 25 kommt, hat den Eindruck, irgendwo anders zu sein. Die immer homogener werdende Welt mit vorgegebenen Trends und Geschmäckern hat noch nicht die Kraft, diesen einzigartigen Laden verschwinden zu lassen. Zum Glück sind wir in Moabit, und in jedem Block können wir verschiedene Aromen genießen, die von weit her kommen.

afro-shop_2-250Annete Aderele stammt aus Ibado in Nigeria. Sie kennt ganz genau die Geheimnisse der Mischungen von Kräutern, Wurzeln, Blättern und Fischen. Sie ist ausgebildet in Lebensmitteltechnik und hat eine langjährige Berufserfahrung. Ich betrete den Laden mit der Sicherheit, dass ich hier finden werde, was ich suche. Der Afro-Shop bietet Waren an, die wir in den deutschen Supermärkten meist nicht finden. Deren kulinarische Werbeaktionen für Exotisches sind nicht gleichzusetzen mit dem, was man hier sieht. Die ursprünglichen Lebensmittel, ihren echten Geschmack und die genaue Zubereitung bekommen wir nur von Menschen, die diesen Kulturen angehören und sie selbst ergründet haben. Nigeria, das Land, aus dem Annete stammt, ist multikulturell. Es ist die Heimat von etwa 500 Ethnien und Sprachen. Seine Küche spiegelt diesen Reichtum wider.

Viele dieser afrikanischen Lebensmittel sind seit langem auch in Lateinamerika zu Hause. Die traurige Geschichte des Sklavenhandels hat Millionen von Menschen auf barbarische Art von der einen Seite des Atlantiks zu der anderen in die afrikanische Diaspora getrieben. So entstand das „andere Afrika“ in der Karibik, in Süd- und Mittelamerika mit unterschiedlichen Sprachen. Und verschiedenen Wörtern für die gleichen Gemüse.

Das ist der Grund, warum jemand aus Kuba in Annetes Laden nach Quiabo sucht, ein Kunde aus Brasilien nach Quibonbo. Und am Ende gehen beide mit einem Kilo Okra aus dem Laden. Okra heißt das typische Schotengemüse in Afrika und auch international. Das Gleiche gilt für Maniok, einer Wurzel, die aus Afrika stammt und auch in Lateinamerika ein Grundnahrungsmittel ist. Mandioca ist der Name in spanischsprachigen Ländern, Macaxeira im portugiesischsprachigen Brasilien, Inhame in Nigeria. Meine Empfehlung: Xinxim de Camarão. Das ist Macaxeira (Maniok) mit gesalzenen Garnelen und Palmöl. Ein typisches Gericht in Nordost-Brasilien, Venezuela und Haiti.

afro-shop_1-2-250Der Afro-Shop ist ein Familiengeschäft, das Annete mit ihrer Tochter führt. Manchmal haben sie Schwierigkeiten mit der deutschen Bürokratie. Es ist nicht immer leicht, den Beamten zu erklären, dass jedes Lebensmittel seine Besonderheiten hat – zum Beispiel der Geruch von Trockenfisch. „Der Fisch hat seinen natürlichen Geruch. Viele Leute vergessen das. Sie kennen Lebensmittel nur mit Verpackung“, sagt Annete.

Annete hat eine treue Kundschaft. Die Leute kommen aus Spandau und sogar aus Brandenburg. Ihr Tag beginnt um neun Uhr morgens und endet um elf Uhr abends. Von Montag bis Samstag. Sie sagt: „Der Anfang war nicht leicht.“ Seit 26 Jahren lebt sie in Berlin, hat Deutschkurse an der Volkshochschule besucht und vor zwölf Jahren ihr eigenes Geschäft eröffnet. Annete fühlt sich glücklich und erfüllt. Sie ist eine starke Frau:

„Das Leben ist das, was wir daraus machen.“ Mit dieser Lebensphilosophie will sie weiter ihren Weg gehen.

Text und Fotos: Israel Morinho Valente

Kontakt:
Isheri Afro Shop, Rathenower Straße 25, 10559 Berlin, Tel. (030) 394 088 44, www.isheriafroshop.de/

Zuerst erschienen in: „Hallo Mitte“. Deutschlerner_innen machen Zeitung, Ausgabe 1, Mai 2016 von der ElternAKADEMIE der VHS Mitte mit Blog des Zeitungsprojekts

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Ein Kommentar auf "Mehr als Okra und Maniok: Frische Kost im Afro-Shop"

  1. 1
    Elvira says:

    Jetzt wohne ich schon so viele Jahre fast direkt gegenüber, aber auf die Idee, mal reinzuschauen bin ich bis jetzt noch nie gekommen. Aber das wird nach diesem schönen Artikel unbedingt nachgeholt!

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