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Schultheiss: Tiefgarage, Straßenbahn und Schleichweg

Die MoabitOnline Redaktion hat einen Gastartikel „Über Straßenbahnplanung und das ‚Dilemma mit der Schultheiss-Tiefgarage‘“ zugeschickt bekommen, der sich mit der überdimensionierten Tiefgarage des Schultheiss Quartiers und den möglichen negativen Auswirkungen auf die bestehenden Einzelhandesgeschäfte in der Turmstraße durch dieses neue Einkaufszentrum beschäftigt. Eigentlich ist dieser Artikel eher ein ausführlicher Leserbrief zum Artikel „Endstation Rathaus?“ auf Seite 9 der „ecke turmstraßeNr. 7 – november 2016, auf dessen letzten Abschnitt mit der Zwischenüberschrift „Das Dilemma mit der Schultheiss-Tiefgarage“ er sich an vielen Stellen bezieht.

Diese Stellungnahme von Reinhard Nake ist allerdings so ausführlich, dass sie keine Chance hätte als Leserbrief veröffentlicht zu werden. Auch die MoabitOnline Rekation hält den Text für viel zu lang, um ihn komplett als Artikel zu veröffentlichen. Er enthält sehr viele Einzelheiten, die natürlich für eine fundierte Kritik wichtig sind, wie Zitate aus verschiedenen Gutachten und deren Vergleiche, sowie Hinweise auf die Reihenfolge des Planungsablaufs und auf den vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg für ungültig erklärten Bebauungsplan (hier das Urteil) –  pikanterweise wurde am 18. Dezember 2014, am Tag des Urteils, die Baugenehmigung für das Schultheiss Quartier ausgefertigt. In diesem Zusammenhang ist auch eine kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus von September 2016 (Drs. 17-19007) interessant.

Wir wollen deshalb versuchen die wichtigsten Argumente hier zusammenzufassen:

Die Tiefgarage mit ihren 400 Stellplätzen ist vollkommen überdimensioniert insbesondere an diesem sehr gut durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossenen Ort. Sie läuft den Zielen des „Aktiven Stadtzentrums Turmstraße“ zuwider, das die bestehende Geschäftsstraße weiter entwickeln und die Aufenthaltsqualität sowie die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer insbesondere in den Hauptstraßen erhöhen soll. Die 400 Stellplätze entspringen dem Interesse des Investors, der Kunden, die regelmäßig mit dem PKW durch Moabit fahren, von anderen Einkaufszentren in der Nähe abziehen will. Anwohner*innen werden laut Verkehrsgutachten von 2013, das leider nicht mehr auf der Webseite des Bezirkamts Mitte zu finden ist, von zusätzlich 4400 PKW-Fahrten Ziel- und Quellverkehr täglich belastet, das betrifft besonders den östlichen Teil der Turmstraße und die Lübecker Straße.

Für  Fußgänger und Radfahrer wird die Situation an der Tiefgarageneinfahrt an der Turmstraße problematisch werden, wenn dort alle 10 Sekunden ein Auto rein oder raus fährt. Denn dieser Bereich zwischen U-Bahn, Post und Gesundheitszentrum wird stark genutzt. Dieser Konflikt sollte vorrangig bearbeitet werden, wird aber bisher weitgehend ignoriert.

Das Einzelhandels-Gutachten von März 2013, bearbeitet von Stadt + Handel im Auftrag des Bezirks, listet eine Menge Probleme für die Turmstraße als Geschäftsstraße auf, wenn ein so großes Einkaufszentrum die Kaufkraft auf sich konzentriert. Es ist von „trading down„, also einem Niedergang, der Turmstraße die Rede (S. 40-51, insb. S. 47). Auch benachbarte Nahversorgungsgeschäfte könnten bedroht sein (Hansaplatz, Levetzowstraße, Moabogen, Markthalle). Unverständlich bleibt, warum das erst einige Monate später fertiggestellte Verkehrsgutachten diese Konkurrenzen nicht betrachtet. Auch der Stadtentwicklungsplan Zentren 3 fordert die städtebauliche Integration neuer Einkaufszentren in bestehende Geschäftsstraßen (auf S. 45/46): sie sollen besser nicht am Rand entstehen, nicht zu groß dimensioniert sein, als Obergrenze gilt, höchstens 15% der Bestandsfläche, sie sollen sich in das vorhandene Fußwegesystem einfügen und Passantenströme nicht in innere Passagen umlenken, …. usw. Dass diese Vorgaben beim Schultheiss Quartier beachtet wurden, ist nicht zu bemerken. Auch das bezirkliche, von den Raumplanern 2013 für die Turmstraße erarbeitete, „Zentrumskonzept …“ geht nicht auf die Auswirkungen von Schultheiss ein.

Nach dem Bau der Straßenbahn durch die Turmstraße wird die Tiefgarage nur von PKWs, die von Osten kommen, direkt zu erreichen sein, denn die Linksabbiegespur von Westen her, die der Investor außerhalb des B-Plans vorgesehen hat, liegt auf der zukünftigen Straßenbahntrasse und wird nach Auskunft des Senats entfallen. Allerdings war während der Planung bereits bekannt, dass die Straßenbahn entweder durch Alt-Moabit oder durch die Turmstraße fahren soll. Trotzdem wurde die Linksabbiegespur einfach auf dem Mittelstreifen der Turmstraße eingezeichnet. Das Verkehrsgutachten von 2013 hat diesen möglichen Konflikt zwar erwähnt, aber nicht bearbeitet. Reinhard Nake kritisiert, dass der Artikel in der „ecke turmstraße“ den Eindruck erweckt, als ob die Straßenbahn daran schuld sei, dass die Tiefgarage nur von Osten her erreichbar und die Lübecker Straße ein Schleichweg sein wird. Das Problem eines Schleichwegs durch die Lübecker Straße wurde bereits frühzeitig von Bürger*innen und Anwohner*innen bei Diskussionen über Schultheiss und die Tiefgarageneinfahrt angesprochen. Selbst das Verkehrsgutachten hat schon 2013 die Erhöhung des Verkehrs durch die Lübecker Straße um 20% berechnet, ganz ohne Straßenbahn. Dieser Schleichweg muss verhindert werden!

Bei Interesse bitte hier weiterlesen!

Foto: B. N.-M.

Hier folgt noch der Link zum bisherigen Hauptartikel bei MoabitOnline zum Schultheiss-Gelände von 2011, mit vielen Nachträgen und 548 Kommentaren bis 2016: Schultheiss Bebauungsplan liegt (erneut) aus.

Nachträge:
Arbeitsgericht weist die Klage des rumänischen Bauarbeiters gegen Huth ab (TAZ). Hier die gesammelten Infos zur „Mall of Shame“.

Für den Abbau eines der Baukräne ist die Stromstraße Richtung Wedding gesperrt (Moabit.net).

Berliner Abendschau am 14.8.17 von der Schultheiss-Baustelle, ca. 130 Mini-Appartements werden auch gebaut.

Morgenpost-Artikel vom 14.9.17 zum Richtfest (und B.Z.).

Anwohnerinfos und Baufortschritt auf der Schultheiss Quartier-Webseite.

19 Kommentare auf "Schultheiss: Tiefgarage, Straßenbahn und Schleichweg"

  1. 1
    Pyniker says:

    Mmmh….
    Ich kann schon seit Jahren (Jahrzenten?) ein „trading down“ der Turmstraße beobachten ohne dass eine shopping mall vorhanden gewesen wäre. Nun wird aber mit der Fertigstellung des EKZ der Untergang der Turmstraße ausgrerufen?
    Ich muss zugeben ich habe nicht das ganze Einzelhandelsgutachten durchgelesen, sonderm mir nur die empfohlenen Seiten 40 -> 51 zu Gemüte geführt. Dort wird, mMn, in zwei von drei Fällen auf eine sogenannte positive „Lageübergreifende Stärkung des Stadtteilzentrum Turmstraße“ hingewiesen!
    Ich sehe auch hier immer nur die Angst vor Veränderungen! Was wurde über die Neugestaltung des verranzten und zugewucherten Ottoparks gewettert. In der Diskussion vorher hat jeder gefällte Baum die Klimakatastrophe verschlimmert und die Ausrottung ganzer Tierarten herbeigeführt. Heute sehe ich, wie sich wieder Menschen im Ottopark aufhalten und ihn scheinbar angenommen haben.
    Ich für mich muss sagen, ich will ein EKZ! Dann muss ich nicht mehr Moabit verlassen um Einkaufen zu gehen, bzw. muss nicht mehr Amazon bemühen.

  2. 2
    Franz says:

    Natürlich ist zusätzlicher (Pkw-)Verkehr durch das neue EKZ und das dazugehörende Parkhaus zu erwarten. Alles andere hätte wohl nicht nur mich überrascht. In welcher Größenordnung wird sich zeigen; auch ob sich daraus tatsächlich Probleme ergeben.

    Zitat: „Für Fußgänger und Radfahrer wird die Situation an der Tiefgarageneinfahrt an der Turmstraße problematisch werden, wenn dort alle 10 Sekunden ein Auto rein oder raus fährt.“ Fußgänger, Radfahrer und andere haben Verkehrsteilnehmer, die sich auf der Turmstraße bewegen, haben grundsätzlich Vorrang. Autos, die in das Parkhaus (oder aus diesem heraus) wollen, müssen eben warten. Ich sehe hier eigentlich erstmal kein wirkliches Problem.

    Zitat: „Selbst das Verkehrsgutachten hat schon 2013 die Erhöhung des Verkehrs durch die Lübecker Straße um 20% berechnet, ganz ohne Straßenbahn. Dieser Schleichweg muss verhindert werden!“ Wie hoch ist denn die Verkehrsmenge aktuell in der Lübecker Straße? Gehen wir mal grob geschätzt von 1.000 Fahrzeugen aus, dann wären das 200 Autos am Tag mehr. Klingt jetzt erstmal nicht wirklich dramatisch. Interessant dürfte aber u.U. die Parkplatzfrage werden. Sollte das Parkhaus Gebühren verlangen, könnten Besucher, die mit dem Auto anreisen, aber verstärkt auf die Lübecker ausweichen.

    Auch wie sich die Aufenthaltsqualität in dem nicht unwesentlich durch Kriminalität belasteten Kleinen Tiergarten durch die neue Einkaufsmall entwickeln wird muss beobachtet werden.

    Ein Vorschlag, der möglicherweise zahlreiche (verkehrliche) Probleme und Engpässe lösen könnte, wäre, die Tram an der neuen Endhaltestelle Turmstraße unterirdisch halten zu lassen. Dazu könnte man auf die vorhandene Bauvorleistung für die U5 (kurzer Tunnelstumpf quer über dem Bahnsteig der U9) zurückgreifen, sodass die Straßenbahn z.B. frühzeitig ab Lübecker Straße in einen Tunnel einfahren könnte. Halte ich persönlich für die beste und eleganteste Variante.

  3. 3
    Mobiterin says:

    Das war ja nur eine Frage der Zeit, bis einer der vielen Fußgänger, die nicht den Umweg über die andere Straßenseite machen wollen, angefahren wird:
    http://moabit.net/10138

    https://vilmoskoerte.wordpress.com/2016/11/09/auch-gesperrt/

  4. 4
    A.B. says:

    Im letzten Stadtentwicklungsausschuss Mitte, am Mittwoch, 25. Januar, waren die Planänderungen bei Schultheiss Thema, weiß jemand etwas genaues?

  5. 5
    Jürgen says:

    Schade dass die Tagesordnung nicht _vor_ der Ausschusssitzung im BVV-Informationssystem online gestellt wurde.

  6. 6
    H. E. says:

    Heute in der rbb-Abendschau:
    Gute Nachricht auch für Moabit: Eine Mall of Ku’damm (Was für ein Name!) wird es wohl nicht geben. Die Pläne für die Mall sind wohl vom Tisch, weil sich offenbar die Vernunft gemeldet hat angesichts der Verkaufsflächenschwemme und von Leerständen an anderer Stelle.
    Z. B. sollen auch beim Umbau des Ku’damm-Karree’s Verkaufsflächen ohne Ende zusätzlich entstehen – bis jetzt. Man kann nur hoffen, dass der neue Stadtrat für Stadtentwicklung Schruoffenegger (Bü90/Grüne) hier richtig auf die Bremse tritt, da es noch keine Baugenehmigung gibt. Bisher ist dort 1/3 zusätzliches Bauvolumen geplant und davon der größte Teil für’s Shoppen.

    Könnten nicht Bü90/Grüne und Die Linke in Mitte auch noch mal Zweifel beim geplanten Schultheiss-EKZ anmelden ?! Letztlich ist das das gleiche Thema. Wie wär’s denn auch mit Wohnungsbau statt zu vielen und dann leer stehenden Verkaufsflächen ?

  7. 7
    H. E. says:

    Ergänzung zu 6:
    65 000 qm Verkaufsfläche in 230 Geschäften in 6 Etagen. Das sind volle neun (!!) Fussballplätze mit Verkaufsfläche !! So offenbar die Pläne von Herrn Huth, auch Bauherr von Schultheiss, aber seine Co-Investoren haben Zweifel und daher wird es so wohl nichts. Gut so, auch für Moabit.
    Sechs Etagen – und das, obwohl man laut Artikel offenbar weiß, dass mehr als zwei nicht funktionieren !
    Und wieso hat das BA Charlottenburg unter dem damaligen SPD-Baustadtrat überhaupt einen positiven Vorbescheid ausgestellt? Gibt es für den Ku’damm keinen STEP Zentren oder sind diese STEP’se nicht mal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind?
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/berliner-einzelhandel-wohl-doch-keine-mall-am-kudamm/19569246.html

  8. 8
    Zeitungsleser says:

    echt enttäuschend – das Arbeitsgericht Berlin gestern:
    https://www.taz.de/Mall-of-Shame/!5403437/

    und ganz im Gegenteil wie Investoren mit ihren Anwälten auftreten, Beispiel Dragonerareal:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-kreuzberg-investor-fuer-dragoner-areal-will-kaufvertrag-juristisch-durchsetzen/19751030.html

  9. 9
    H. E. says:

    Sehr guter Artikel zu den Themen Urbanität und Öffentlicher Raum und was für diese schädlich ist. Hier geht es um Fußgängerzonen, aber was Berlin m. E. ebenfalls überhaupt nicht mehr braucht, sind Einkaufszentren, Shoppingmalls, Großmärkte und – Discounter !
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-rant-fussgaengerzonen-sind-gift-fuer-die-stadt/20149256.html

  10. 10
    vilmoskörte says:

    zu 9: Ich find’s ja auch schrecklich, dass es überall fast nur noch Discounter und andere Billigheimer gibt, und an jeder Ecke ein EKZ entsteht. Aber offensichtlich will die Mehrheit der Bevölkerung das, sonst wären die EKZs und Discounter wohl nicht so beliebt und erfolgreich. Deutschland ist das Land der Discounter geworden, weil wir es als wichtigstes Kriterium erachten, dass ein Einkauf BILLIG sein muss. Jetzt kann man sich gerne aus dem Wir herausnehmen und „Ich Nicht!“ rufen, aber daraus kann man nicht schließen, dass Berlin weitere EKZs und Discounter „überhaupt nicht mehr braucht“.

  11. 11
    Andreas Szagun says:

    zu 9 und 10:
    Man sollte nicht so tun, als ob es auf einmal eine hervorbrechende „Billig“-Welle gäbe. Schon bei den Gründungen der ersten Warenhäuser (sie bildeten sich oft aus erfolgreichen Bekleidungsgeschäften und Gemischtwarenläden) noch im 19. Jahrhundert spielten Bestrebungen zu niedrigeren, zum Teil schon einheitlichen und für den Kunden verläßlichen Preisen eine große Rolle. Zudem kauften die ersten Warenhausbesitzer schon in größeren Mengen ein und bekamen dafür entsprechende Rabatte, die dann als Lockmittel für die Kunden an diese in gewissem Umfang weitergegeben wurden. Man sehe sich nur einmal an, welche Einkaufspaläste damals gebaut worden sind – Wertheim am Leipziger Platz, Tietz am Alex, das KaDeWe oder das schön restaurierte Karstadt-Warenhaus in Görlitz. Und auch damals gab es teilweise schon feste Vertragsbeziehungen zwischen Warenhäusern und Hauslieferanten.

    Firmen wie die Rudolf Karstadt AG gründeten darüber hinaus schon in der Zwischenkriegszeit die Vorläufer von „Ein-Euro-Läden“, nämlich – im Falle Karstadt – „EPA“, die Einheits-Preis-Aktiengesellschaft. Die Nazis unterbanden dies, da sie in Kaufhäusern jüdisches Unternehmertum sahen (in Wahrheit sollte eine unliebsame Konkurrenz beseitigt werden), das sie zerstören wollten (bezeichnend für die Nazis war, daß R. Karstadt KEIN Jude war!). „EPA“ hieß deshalb fortan „KEPA“ – „Kein Einheitspreis…“, heute nutzt Kaisers bzw. REWE in diesem Laden.

    Aber auch aus der Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung kamen bedeutende Impulse zu einem Großeinkauf und damit verbilligten Preisen: Die GEG – Großeinkaufsgemeinschaft der Konsumvereine – sei hier nur stellvertretend genannt, es gab zudem eine für heutige Maßstäbe erstaunliche Anzahl von Produktionsgenossenschaften, die die Gewinne auf diese Art und Weise quasi sozialisieren wollten. Der propagierte Hintergrund bestand darin, daß der Produzent im Rahmen der genossenschaftlichen Wirtschaft indirekt auch Konsument ist und so eine vom normalen kapitalistischen Geschehen teilweise entkoppelte Eigenwirtschaft gebildet wurde. Dies ist während der Nazizeit aus wirtschaftlichen Interessen zerschlagen worden, da die Genossenschaftsbewegung ebenso eine ernstzunehmende Konkurrenz (gerade des unteren) des Mittelstandes war wie die – meist – jüdischen Warenhäuser und andere jüdische Betriebe.

    Schließlich haben auch die „normalen“ Kapitalisten seit der Jahrhundertwende ihre zentralisierten, zum Teil sogar genossenschaftlichen, Einkaufsmöglichkeiten und damit ihre Überlegenheit gegenüber dem unabhängigen kleinen Krauter ausgebaut: EDEKA (gegründet 1898) z.B. heißt nichts anderes als „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“!

    Einkaufszentren – oder denglisch „Malls“ – sind also lediglich ein Symptom, aber nicht das Problem an sich. Das Problem an sich ist die Frage, wie wir wirtschaften und leben wollen (und sollen – wer die writschaftliche Macht hat, hat die politische Macht!). Und froh kann sein, wer die monetäre Stärke hat, sich für einen kleinen, aber teureren Produzenten seines Vertrauens entscheiden zu können.

    Und einmal ganz ketzerisch: Betrachten wir uns einen kleinstädtischen Marktplatz, so ist das strenggenommen auch nur eine „Mall im Freien“, denn auch dort befindet sich im Regelfall Geschäft an Geschäft, nur daß deren Besitzer früher keine Ketten, sondern Einzelkaufleute waren. Und der Jahrmarkt war früher kein Rummel mit Fahrgeschäften, sondern eine Art Riesenmall. Nur dort bekam man die Dinge, wie zum Beispiel bestimmte Tuche oder Werkzeuge, die außerhalb des ständigen Angebotes der örtlichen Höker waren. Und wo gingen die Leute seit Jahrhunderten hin? Natürlich zum Markt!

  12. 12
  13. 13
    Moabiter says:

    Über Lärm und Dreck von der Schultheiss-Baustelle wird auf Facebook diskutiert:
    https://www.facebook.com/groups/berlin.moabit/permalink/1570792839657614/

    Hinweis: hier ist das Beschwerdeformular der Senatsverwaltung:
    https://www.berlin.de/umwelt/themen/laerm/formular.80882.php
    und hier das Beschwerdetelefon:
    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/laerm/laermschutz/kontakt.shtml
    Zuständig ist Herr Klempin, Tel: (030) 9025 -2279
    Bei der Großbaustelle in der Lehrter Straße musste ein Staubminderungskonzept erarbeitet werden.

  14. 14
    Anwohner says:

    Gestern war Richtfest:

    https://www.morgenpost.de/berlin/article211919073/Schultheiss-Quartier-Mehr-Qualitaet-fuer-die-Turmstrasse.html

    „Ein konkurrierendes Unternehmen, das ein benachbartes Areal bebauen wollte, hatte gerügt, dass der Plan nicht mit dem bezirklichen Einzelhandelskonzept vereinbar sei. “

    Weiß wer wo das EKZ errichtet werden sollte?

  15. 15
    Jürgen says:

    Es handelt sich um das „Ex-Hertie“-Gelände. Lies einfach den am Artikelende – vor dem Nachtrag – verlinkten Artikel „Schultheiss Bebauungsplan liegt (erneut) aus“ samt Ursprungsartikel durch, da findest du zusätzlich zum Ort auch noch (damalige) Beteiligte.
    Außerdem interessant: ein Artikel, der Beiträge eines Eigentümers aus der Lübecker Straße, von Mietern, Einwändungen von Bürgern, sowie die Stellungnahme der Stadtteilvertretung Turmstraße dokumentiert.

  16. 16
    H. E. says:

    Zu 14:
    Der Artikel in der Morgenpost beschreibt ganz gut die gesamte Problematik fuer Moabit. Aber Herr von Dassel haette ruhig einige kritische Anmerkungen machen koennen, hat doch seine Fraktion seinerzeit in der BVV gegen den Bebaungsplan gestimmt.

    Und dass die Baugenehmigung nur einen Tag vor dem Urteil des Verwaltungsgerichtes erteilt wurde, haette die Morgenpost auch schreiben koennen und war, ist und bleibt m. E. ein Skandal. Die Verwaltung und der damals zustaendige Stadtrat haben genau gewusst, dass die Urteilsverkuendung am naechsten Tag sein sollte, denn das Bezirksamt Mitte war schliesslich der Beklagte und daher eingeladen.

  17. 17
    H. E. says:

    „Denn nach den inhabergeführten Geschäften und den Warenhäusern sind die Einkaufszentren wohl die nächsten Leerstandsopfer, wie schon jetzt in den USA zu erleben ist.“
    und
    „Oft mehrere Blöcke einnehmend, haben diese ‚Center‘ dem Stadtraum selten mehr als Tiefgarageneinfahrten, Notausgänge und Löscheinspeisungen zu bieten“.
    Das sind Zitate aus:
    http://dabonline.de/2017/10/31/ausverkauft-leerstand-einkaufszentrum-umbau-kaufhaus-einzelhandel/

  18. 18
    Zeitungsleser says:

    Kaffeerösterei ins Kesselhaus der Schulheiss-Quartier … das Glas ayurvedischer „Golden Latte“ für 4,20 Euro, wer will das?
    http://www.berliner-woche.de/moabit/wirtschaft/kaffee-fuer-moabit-filiale-der-berliner-kaffeeroesterei-im-schultheiss-quartier-d136034.html

  19. 19
    Pyniker says:

    @18

    Wenn diese Aussage sich einigermaßen erfüllt:
    „80 Vollzeitstellen wollen die Giest-Brüder und Stefan Richter am neuen Standort Moabit schaffen“
    Dann können sie auch 5 € für ein Glas verlangen.

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