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Moabiter Künstler organisieren Künstlerbuchmesse

Warum veröffentlichen wir bei MoabitOnline einen Artikel über eine Internationale Messe für Künstlerbücher, die in Kreuzberg stattfindet? Eine Moabiter Künstlerin und ein Moabiter Künstler organisieren diese Messe und haben sie sogar erfunden. Die erste Veranstaltung dieser Art im Jahr 2012 war noch kleine Pflanze und passte in die Galerie Nord.  In der Zwischenzeit ist sie ganz schön gewachsen. Vom 17. bis 19. November 2017 findet bereits die sechste artbook.berlin statt  – eine Buchkunst-Ausstellung mit Präsentation künstlerischer Drucktechniken wie Radierung, Lithographie oder Siebdruck. Rund 100 internationale Buchkünstler, Kunstdrucker und Verleger machen mit. Das Künstlerbuch steht dabei im Mittelpunkt. Sammler, Verleger, Künstler und das interessierte Publikum haben drei Tage lang Gelegenheit, die aktuelle Produktion aus Deutschland und dem europäischen Ausland zu sichten, Buchkunst und Grafikeditionen anzuschauen, sich auszutauschen und natürlich auch zu kaufen. Ein reichhaltiges Angebot an Vorträgen, Buchpräsentationen und Lesungen ergänzt die Ausstellung.

Cornelius Brändle kommt ursprünglich aus dem Badener Land, Hanneke van der Hoeven lebt in Amsterdam und Berlin. Der Buchkünstler, Verleger (editionwasserimturm.berlin) und Siebdrucker Brändle ist schon lange Moabiter. Mit der Zeichnerin und Künstlerbuchautorin Hanneke van der Hoeven hat er die Künstlerbuchmesse artbook.berlin erfunden, die beide inzwischen zum sechsten Mal organisieren. Das Interview mit den überzeugten Moabitern führte die Künstlerin Christiane Keppler.

C.B.:
In Moabit fing alles an. In der Galerie Nord fand 2012 unsere erste artbook.berlin statt. Ich lebe inzwischen seit 1989 mit kleinen Unterbrechungen in Moabit.

H.v.H.:
Ich lebe in Amsterdam und Moabit. Cornelius und ich haben uns vor Jahren ineinander verliebt, lieben uns immer noch, leben und arbeiten zusammen. Wir lieben beide auch die Galerie Nord und die Buchkunst. Der Direktor der Galerie fand unsere Idee einer Künstlerbuchmesse sehr interessant und unterstützte die Realisierung der ersten artbook.berlin 2012.

C.K.:
Cornelius, du bist ja schon Siebdrucker, Buchkünstler und Verleger von Künstlerbüchern und hast viel zu tun. Warum dann noch eine Künstlerbuchmesse? Woher kam die Idee?

C.B.:
Ich habe mich schon immer gewundert, dass es in Berlin keine Künstlerbuchmesse gibt. Dann sah ich eine Ausstellung des BBK mit Künstlerbüchern, die ich wirklich unbefriedigend fand. 250 Bücher waren da zu sehen, aber man durfte kaum etwas in die Hand nehmen und anschauen. Da entstand der Wunsch, so etwas anders zu machen.

H.v.H.:
Ich wollte damals eigentlich, dass Cornelius sich vor allem mit seinen eigenen Büchern präsentiert, weil ich die so wahnsinnig schön finde. Und so bin ich dann zur Galerie Nord gegangen, weil ich eine Ausstellung mit ihm und anderen Buchkünstlern organisieren wollte. Bei der nächsten Besprechung dort, sagte dann Cornelius, er wolle nicht nur eine einmalige Ausstellung, sondern eine Messe für Künstlerbücher, die sich jährlich wiederholt.

C.B.:
2012 war es dann in der Galerie Nord soweit, die erste artbook.berlin fand statt. Der Erfolg war groß, es gab so viele Anmeldungen, dass wir beim nächsten Mal einen größeren Raum brauchten. Seit zwei Jahren sind wir jetzt im Kunstquartier Bethanien. Die artbook.berlin wird dieses Jahr sechs Jahre alt. Wir machen aber auch Veranstaltungen in Moabit, vor allem in der Galerie „plattform“ in der Oldenburger Straße: Lesungen, Ausstellungen, Druckaktionen.

H.v.H.:
Ich bin seit etwa zehn Jahren kontinuierlich hier in Moabit, arbeite als Zeichnerin und Buchkünstlerin immer wieder eng mit Cornelius zusammen. Außerdem bin ich als Kunstdozentin in Moabit und anderen Berliner Stadtteilen tätig und leite Kunstprojekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Darüber hinaus gehöre ich auch zur Moabiter Künstlerinnengruppe DAILYBREADberlin mit Christiane Keppler und Bärbel Rothhaar. Und es gibt noch eine Leidenschaft, die Cornelius und mich mit Moabit verbindet: das sommerliche Bad im Plötzensee.

C.B.:
Ich lebe gern in Moabit, obwohl ich manchmal befürchte, dass es sich zu sehr verändert. Früher war das hier eine stille Insel, aber langsam wird das Leben hier teurer. Die Veränderungen bieten natürlich auch neue Chancen, das kulturelle Leben hat sich sehr entwickelt: das ZK/U ist entstanden, es gibt neue Galerien wie die „Bäckerei“, Clubs mit Kulturprogramm wie das Kallasch& und anderes mehr.

H.v.H.:
Ein wichtiger Arbeitsort ist für mich das Schulumweltzentrum, also der Schulgarten in der Birkenstraße, geworden. Das ist ein Ort für Kinder, Bildung, Kunst und Umwelt mitten in Moabit, wie er schöner nicht sein kann. Hier gebe ich Workshops für Kinder, in denen ich meine Erfahrungen als Künstlerin weitergeben kann Dort haben wir auch mit Flüchtlingskindern gearbeitet, die im letzten Jahr mit ihren Familien in der Turnhalle in der Siemensstraße untergebracht waren.

C.B.:
Aus solchen und ähnlichen Projekten – zum Beispiel mit Kindern in der Türkei –  entwickelte sich die Idee, der editionwasserimturm.berlin eine Edition für künstlerische Kinderbücher an die Seite zu stellen. So entstand die edition juval. Aus dieser Edition werden nun auf der artbook.berlin 2017 zum ersten Mal Bücher zu sehen sein.

C.K.:
Ich danke euch für das Gespräch.

Die artbook.berlin 2017 findet – wie jedes Jahr – am dritten November-Wochenende statt. Weitere Informationen finden sich unter artbookberlin2017.blogspot.de.

artbook.berlin 2017 – 17. bis 19. November 2017
Kunstquartier Bethanien Berlin, Mariannenplatz, Berlin-Kreuzberg

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