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Bebauungsplan II-200g Moabiter Werder Nord

Vom 26. April bis einschließlich 26. Mai 2010 findet durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans für den „Moabiter Werder Nord“ statt. Dabei handelt es sich um den Bereich zwischen Stadtbahnviadukt, Alt-Moabit, der Spree und der Ingeborg-Drewitz-Allee und Weg in deren Verlängerung nördlich des Kanzlergartens.

Neben einem „Sondergebiet Bundesregierung“ – hier soll das Bundesinnenministerium seinen neuen Standort bekommen – sollen ein Wohn-, ein Kerngebiet und ein Gemeinbedarfsstandort (vorhandene Feuerwache) sowie Grünflächen und die Elisabeth-Abegg-Straße festgesetzt werden. Ebenfalls geregelt wird der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes des Restaurants „Paris-Moskau“ und dessen gastronomische Nutzung ebenso wie die gastronomische Nutzung des Zollpackhofs — der   Name erinnert an die historische Nutzung des Gebäudes.

Hier stehen die Planzeichnung (pdf; 674 KB) des Bebauungsplans II-200g und dessen Begründung (112 Seiten, pdf, 1,5MB) bereit. Sie haben die Möglichkeit, sich an der Planung zu beteiligen. Während der Auslegungsfrist, also bis spätestens 26. Mai 2010, können Stellungnahmen abgegeben werden. Diese sind in die anschließende Abwägung der öffentlichen und privaten Belange gegeneinander und untereinander einzubeziehen.

Entwicklung des B-Plans

Gemäß Baunutzungsplan vom Dezember 1960 war das Gebiet als „Nichtbaugebiet“ ausgewiesen. Erste Konzeptionen des Ursprungsbebauungsplans sahen für den Geltungsbereich des Bebauungsplans II–200g die Sicherung von Sonderbauflächen für Hauptstadtfunktionen vor. Nach der ersten Beteiligung der Träger öffentlicher Belange in den Jahren 1994/1995 wurde jedoch kein Flächenbedarf mehr für Hauptstadtfunktionen im geteilten Bebauungsplan II–200g gesehen. Anfang 2005 wurden Überlegungen des Bundesinnenministeriums öffentlich, auf dem Moabiter Werder einen Neubau für das Bundesinnenministerium zu errichten, in dem alle MitarbeiterInnen der derzeitigen drei Berliner Standorte des Ministeriums untergebracht werden sollen. Für den Neubau des Innenministeriums wurde ein Wettbewerb durchgeführt, im Oktober 2007 entschied sich ein Preisgericht für den aus drei „Z“ (Bild oben) zusammengesetzten unterschiedlich hohen Baukörper des Büros Müller-Reimann (Berlin) als ersten Preisträger. Unterlagen hierzu wie die nachstehend abgebildete Fassade finden Sie auf der oben verlinkten Seite zum Wettbewerb.

Die frühere Planung sah vor, westlich der „Kastanienrampe“ die nördlich Alt-Moabit angelegte „ULAP“-Parkanlage fortzusetzen, die östliche Sondergebietsgrenze verlief unmittelbar an der östlichen Gebäudekante des geplanten Neubaus und schloss direkt an die geplante öffentliche Parkanlage an. Ursache der Vergrößerung des Sondergebiets sind Forderungen des Bundesinnenministeriums wegen Sicherheitserfordernissen: »Aufgrund von Sicherheitserfordernissen ist im Verlauf des Verfahrens die nordwestliche Grenze der Parkanlage zugunsten des Sondergebietes zurückgewichen.« (Begründung B-Plan, S.101). Das Bundesinnenministerium bat dann auch darum, die Hinweise auf die Sicherheitserfordernisse nicht aufzuführen: »Das BMI bittet Hinweise auf Sicherheitserfordernisse im Text nicht aufzuführen. Aus Sicht des Bundes reicht als Begründung aus, dass im Rahmen der Konkretisierung der Planung ein Flächenaustausch auf der östlichen Seite der Kastanienrampe zwischen dem Bund und dem Land Berlin stattfand und somit eine Durchwegung vom ULAP-Park bis zur Uferpromenade an der Spree längs der Kastanienrampe sichergestellt wurde.« (ebenda)

Im südöstlichen Teil des Geltungsbereichs (zwischen Feuerwache und Kanzlergarten) soll ein allgemeines Wohngebiet als „hochwertiger Wohngebietsstandort“ entwickelt werden. Im nordöstlichen Teil des Geltungsbereichs soll ein Kerngebiet festgesetzt werden, in dem aber auch Wohnen bis zu einem Anteil von 20% der zulässigen Geschossfläche allgemein zulässig sein soll, und das die für ein Bahnhofsumfeld typischerweise vorhandenen zentralen Nutzungen ermöglicht, allerdings nicht alle: Spielhallen sowie „Einrichtungen zur Schaustellung von Personen“ (z.B. Peep-, Sex- und Liveshows), Video- oder ähnliche Vorführungen sowie Bordellbetriebe und bordellartige Betriebe sollen nicht zulässig sein. Im Kerngebiet allgemein zulässige Vergnügungsstätten können laut vorgesehener Festsetzung nur ausnahmsweise zugelassen werden. Im Wohngebiet werden als Nutzungen Gartenbaubetriebe und Tankstellen explizit ausgeschlossen. Als öffentliche Grünflächen sind im ausliegenden Bebauungsplanentwurf die Kastanienrampe, Spreeuferweg und die Grünanlage zwischen „Zollpackhof“ und Alt-Moabit sowie eine quadratische Fläche zwischen der Feuerwache und dem Kerngebiet dargestellt.

In der Begründung des B-Plans sind noch viele interessante Sachen auch aus der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange zu finden, auch wenn die Redaktion in der Kürze der Zeit die Unterlagen noch nicht durcharbeiten, sondern nur überfliegen konnte. Aber insbesondere sollten ja unsere an Stadtentwicklung interessierten MoabitOnline LeserInnen sich selber ein Bild machen. Auslegungsort der Unterlagen ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung – Hauptstadtreferat – Jannowitz-Center, Brückenstraße 6, 10179 Berlin, IV Stock, vor dem Raum 4014 sowie nach telefonischer Vereinbarung im Zimmer 4.017. Die Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 9-17 Uhr, Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag9.00 – 15.00 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung auch außerhalb dieser Zeiten.

Fragen an die Senatsverwaltung zum B-Plan sind zur richten an Ludger Kämereit unter Tel.: (030) 9025 2122, Fax: (030)  9025 2515 oder E-Mail: ludger.kaemereit@senstadt.berlin.de

Ihre Einwendung schicken Sie bis zum 26. Mai 2010 per Brief formlos und schriftlich an:
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Abteilung II – Städtebau und Projekte, Referat II B
Brückenstraße 6, 10179 Berlin

Darüber hinaus wird Ihnen Gelegenheit gegeben, auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Ihre Anregungen per Online-Formular zu übermitteln.

Nachträge:
Vorlage zur Beschlussfassung über den B-Plan II-200g im Abgeordnetenhaus vom 14.9.2010
und die Verordnung über die Festsetzung dieses B-Plans vom 5.9.2011
Artikel „Platz für 1400 Mitarbeiter„, Berliner Woche
Innenministerium lässt Gläser wackeln, Berliner Zeitung
Geheimsache Regierungsviertel, TAZ und Kommentar von Uwe Rada
Zum Baustopp, Tagesspiegel
Zur baldigen Gerichtsentscheidung, BZ und Probleme des Restaurants Paris-Moakau: „Zoff hinterm Bauzaun des Innenministeriums

Im 1. Quartal 2015 soll das Gebäude bezugsfertig sein und das Architekturforum diskutiert eifrig die Fassade u.a.
Mängel bei Brandschutz und Barrierefreiheit in der Welt.
Als Umzugsdatum wird April 2015 angegeben (Seite des Bundesinnenministeriums zum Neubau) und jetzt auch ein Morgenpost-Artikel: 208 Millionen Euro, Erdwärmeheizung, Bauzeit 3 Jahre, alles im Plan, Schüsselübergabe am 15. April 2015.

Interview mit Ernst Freiberger zum Spreebogen-Areal ohne Innenministerium (Tagesspiegel).

Beim BND Wasserhähne entwendet und Flutung des Gebäudes, beim Bundesinnenministerium beschränkten sich die Diebe auf den Diebstahl von Toiletteneinrichtung (Berliner Zeitung).

Das Restaurant Paris-Moskau in der Berliner Morgenpost.

Nun macht man sich endlich mal Gedanken, was mit dem leeren Gebäude im Spreebogen passieren soll und vor allem wie der Mietvertrag mit dieser horrenden Miete, die jetzt auch noch für das leere Gebäude gezahlt wird, entstanden ist (Tagesspiegel). Der Millionen-Mietstreit vor dem Landgericht (Tagesspiegel).

Am Spreebogen soll in die früheren Räume des Bundesinnenministeriums nun die Postbank mit 500 Mitarbeiter*innen einziehen (Tagesspiegel).

Urteil in erster Instanz: Bundesinnenministerium muss noch ca. 18 Mio. Euro Miete zahlen (Tagesspiegel).

11 Kommentare auf "Bebauungsplan II-200g Moabiter Werder Nord"

  1. 1
    R@lf says:

    Auch eine Folge der „Wiedervereinigung“: Auf diesem Gebiet sollte einstmals die Bundesgartenschau Berlin (oder LandesGSch?) stattfinden. Jetzt findet dort wohl die „BundesInnenschau“ statt, sackerlzment. Wäre doch eigentlich schön gewesen, von der Alt-Moabit-Brücke aus ins blühende Grün zu schauen und zu tauchen – statt in diesen „blühenden Unsinn“ neuer, augenscheinlich wieder öder Betonkästen, die nur aus der Vogelperspektive halbwegs interessant aussehen. Zu schön wärs gewesen! – und grün wars da ja schon mal: vor der „Wende“. Dann wurde alles zum Parkplatz planiert. Und das Grün war einst !beiderseits! der Brücke.
    Immerhin wird wenigstens das Nobelrestaurant „Paris-Moskau“ erhalten – wenn auch nur für Leute die sichs leisten können. Die anderen dürfen sich wenigstens noch das hübsche Fachwerkhäuschen mit den speisenden Herrschaften von außen ansehen. Auch was. Man hat ja sonst nix.
    Eventuelle AttentäterInnen dürfen sich über die planerische Steilvorlage freuen: sie können ihre Raketen oder Mörsergranaten etc. dann gleich von der Brücke aus ins Büro des Innenministers schießen. „Sicherheitserfordernisse“ – haha… ! Sehr scharfsinnige Planung.
    Und damit nicht allzuviel vom noch vorhandenen Grün übrigbleibt (wieviel Bäume werden denn DA nun wieder gefällt werden?) muß der Rest des Gebietes auch noch zubetoniert werden – als “hochwertiger Wohngebietsstandort”. Für Sozialwohnungen wohl kaum. Das nenne ich eine echt großzügige Hauptstadtplanung.

    Jaja liebe Freunde und Freundinnen der permanenten Bejaherfront: ich mäkele mal wieder rum: „Es ist ihm nicht schön genug.“
    Nein ist es mir auch nicht!
    Ich kann mir was Schöneres vorstellen. Was Besseres allemale.
    Bitte viele Einwände – nötig ists wieder mal.

  2. 2
    H. E. says:

    Typische Computerarchitektur: Einen Meter Fassade entwickelt und dann die Wiederholungstaste gedrückt.

    Am besten, man pflanzt eine doppelte Reihe Pappeln drumherum. Die wachsen schnell, hoch und dicht, wenn sie der Innenminister regelmäßig gießt. Dann kann man ihm/ihr auch nicht so ins Fenster sehen.

  3. 3
    Luciano says:

    Als neu hinzugezogner „moabiter“ in der nähe vom zukünftigen Innenministerium finde ich, dass man bezüglich der Fassade sicherlich einige Vorbehalte haben darf und eine Beeinträchtigung der Natur natürlcih stets ihren Ausgleich durch neubepflanzung braucht, dennoch meine ich, dass das Ministerium am Moabiter Werder einen positiven Einfluss auf die Gesamte urbane Infrastruktur in Moabit haben wird. Anstelle eines Ministeriums hätte ja auch (noch) ein Hotel à la Hotel One gebaut werden können(Alle guten Dinge sind Drei ;), wenn der Bund das Gelände ungenutzt und verkauft hätte. Wünschenwert wäre eine neue Einzelhandelsstruktur auch im Bereich der Lehrterstrasse, damit Arbeitplätze und Kaufkraft entstehen. Natürlcih bleiben das alles nur unwage Prognosen, aber das Konzept der Lehrtersrasse bietet glaube ich eine guten Ausgleich zu der Zubetonierung vor dem Hauptbahnhof, die diesen so unattraktiv macht…mal sehen wie das ganze in 5 jahren aussieht…

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    Susanne Torka says:

    Nun gibt es durch die vorbereitenden Baumaßnahmen schon Risse und eine absackende Terrasse beim Paris-Moskau, siehe Berliner Zeitung von heute:
    http://www.berliner-zeitung.de/archiv/neben-dem-restaurant-paris-moskau-wird-fuer-beamte-gebaut—und-die-terrasse-hat-bereits-risse-innenministerium-laesst-glaeser-wackeln,10810590,10722080.html

  5. 5
    H. E. says:

    Der Wirt vom Paris-Moskau tut mir leid. Hoffentlich hat er einen guten Bau-Fachanwalt!!
    Da ja Bundesbeamte eingespart werden sollen, könnte man doch das Ministerium verkleinern und einige Parkplätze weniger und dadurch nicht so dicht an das Restaurant bauen?!

    Aber die richtigen Risse kommen vielleicht erst noch, wenn die U-Bahn am Dom vorbei unter der Spree durch gebaut wird. Das könnte richtig interessant werden, wenn dann der Dom erst mal auseinanderklafft und man die Kuppel als Planetarium mit Himmelsblick benutzen kann.

    Und beim Kanzleramt gehen ja wohl die Schäden auch schon richtig ins Geld. Wie diese Waschmaschine aussieht, da sehen ja die in jedem Waschsalon besser aus. Wer hat denn da die Oberleitung gehabt?

    Und nun auch noch das Aufschieben beim Schloss. Jetzt zeigt sich, dass es falsch war, den Palast der Republik abzureissen. Da hat man nach der Asbestsanierung einen kompletten Rohbau im Wert von vielen Millionen einfach weggeworfen und dabei für das Wegwerfen auch noch viele Millionen bezahlt. Man muss sich mal richtig im Munde zergehen lassen, dass es dabei um M i l l i o n e n ging und nicht um Peanuts. Wie viele Lehrerstellen oder Kitaplätze oder Wohnungen das wären! Und die Bevölkerung hat man doch wohl nicht dazu gefragt, oder?

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    Susanne Torka says:

    Na dass ging ja mal schnell! Schon Anfang Oktober wurde der B-Plan für das Bundesinnenministerium im Abgeordnetenhaus verabschiedet. Zum gesperrten Rad- und Fußweg ein Artikel von Uwe Rada in der taz „Radler gefährten den Innenminister – Geheimsache Regierungsviertel“:
    http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/geheimsache-regierungsviertel/
    und sein Kommentar „Die gläserne Republik war einmal“: http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/die-glaeserne-republik-war-einmal/

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