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Gärtner im Ruhestand, aktiv für Naturschutz

Christoph Schaaf, der technische Leiter des Grünflächenamts – jetzt im Ruhestand – liebt die Parkanlage Großer Tiergarten wie seinen eigenen Garten. Und immer noch ist der Tiergarten „sein“ Garten, denn seine Dienstwohnung, die er noch weiterhin bewohnt, liegt mitten drin. Das ist einerseits wunderbar, doch manchmal tut es auch richtig weh: dann wenn Großveranstaltungen wie Love-Parade, Sylvesterparty oder WM-Fanmeile den „Garten verletzen“.

Christoph Schaaf, Jahrgang 1940, ist leidenschaftlicher Landschaftsgärtner. 1955 begann er seine Lehre in der freien Wirtschaft. Landschaftsgärtnerei war eine ganz neue Richtung, die sich erst nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte zum Bau und zur Pflege von Grün- und Sportanlagen, sowie Kinderspielplätzen. Beim Bau des Fritz-Schloß-Parks war er dabei, bei der Gestaltung des Rathenowplatzes, des Sommerblumengartens am Funkturm, der Sportflächen des Mommsenstadions in Eichkamp und beim U-Bahnbau an der Turmstraße. „Unsere Arbeitszeit als Lehrlinge betrug 56 Stunden in der Woche. Wir mussten kilometerlang Hecken schneiden. Die Erdarbeiten waren viel anstrengender als heute, weil alles mit Hand und Schaufel ausgegraben und auf die Laster geschippt werden musste“, berichtet Schaaf. Später hat er die Meisterschule besucht und ein Studium als Gartenbauingenieur absolviert an der Technischen Fachhochschule, die damals Lehr- und Forschungsanstalt hieß. Im August 1965 fing er beim Gartenbauamt des Bezirks Tiergarten als Bauleiter an, wechselte später zur Weddinger Friedhofsinspektion.

„Nur zwei Jahre blieb ich im Wedding, denn als mir 1971 angeboten wurde Inspektionsleiter für den Großen Tiergarten zu werden, bin ich sofort zurückgegangen ins Gartenbauamt Tiergarten. Damals war das Betreten der Wiesen noch verboten und wir fragten uns, warum darf die Bevölkerung in England die Rasenflächen nutzen und hier geht das nicht. Also wurde die erste Liegewiese an der Amazone eingerichtet,“ erzählt Schaaf und fügt nachdenklich hinzu: „Ob das ein Fehler war, frage ich mich manchmal.“ Denn vielen Parkbesuchern fehlt heutzutage der Respekt vor der Natur und vor den gärtnerischen Arbeiten. Schaaf setzt auf Aufklärung, spricht mit Fußballern über die Grenzen der Belastbarkeit der Rasenflächen oder mit Grillern über die Müllberge, die an jedem schönen Wochenende im Tiergarten zurückgelassen werden und zehn LKW mit Anhängern füllen. Unter diesem Gesichtspunkt konnte er sogar der Fanmeile für die Fußball-WM 2006 positiven Einfluss bescheinigen. Sechs Wochen keine normalen Wochenenden, denn die Wiesen waren weiträumig abgesperrt. Doch die Sträucher an der Straße des 17. Juni wurden besonders dort, wo die Leinwände und Toilettenanlagen standen, vollkommen niedergetrampelt. Hier wurden die Liguster-Hecken bereits in den 90er Jahren durch die Love-Parade zerstört. „Das kann man auch nicht wieder neu anpflanzen, denn im Schatten der Bäume können Hecken sich nicht mehr entwickeln. Sie waren ja gemeinsam mit Bodendeckern, Sträuchern und den Bäumen gewachsen,“ so Schaaf und betont wie wichtig das unberührte Unterholz für die Vögel ist.

Wissen über ökologische Zusammenhänge, über Boden und Pflanzen, die Winterruhe der Natur, die Tierwelt des Tiergartens hat er durch langjährige Beobachtung gesammelt. Ehrenamtlich engagiert sich Schaaf seit 1971 intensiv für den Vogelschutz, reinigt die Nistkästen, zählt jeden Winter an acht Tagen die Wasservögel. Bei Rundgängen mit ihm kann man Nachtigall und Zaunkönig nicht nur hören, sondern auch sehen. Seit wieder ein Habicht im Tiergarten nistet, ist es mit der Kanninchenplage vorbei, die jahrelang die Gärtner beschäftigte. Nicht ganz einverstanden ist er mit der Umgestaltung des östlichen Tiergartens im Sinne der Gartendenkmalpflege. „Früher standen auf der Lenné-Wiese Gräser und Wiesenblumen brusthoch. Ich konnte 1980 sogar eine Rebhuhn mit 6 Jungen beobachten,“ erzählt er. Seiner Meinung nach sollte nicht nur Geld zur Anlage von Wegen und Pflanzung von Alleen ausgegeben werden, sondern mindestens 10 cm Humusboden für die Vegetation bereitgestellt werden: „wenn die Stadt den Tiergarten als Anger für Events zur Verfügung stellen will, muss sie sich etwas einfallen lassen, dann haben Langgraswiesen ausgedient und Sportrasen mit Bewässerung wird gebraucht.“

Offiziell ist Schaaf seit 2005 im Ruhestand. Er engagiert sich weiter im Rahmen des Fördervereins für die Lokale Agenda Mitte. Es war seine Idee der Initiativgruppe das Torhäuschen am Großen Stern zur Verfügung zu stellen. Regelmäßige Führungen durch den Tiergarten mit BUND und Nabu bietet er zu unterschiedlichen Themen an. Er würde gerne auch Grundschulklassen führen. Gerade für Kinder gibt es so viel zu entdecken. Wunderschön war die Führung mit dem Heimatverein Tiergarten am 17. Mai 2008 zur Rhododendronblüte.

Zum Langen Tag der Stadtnatur am 6.7.2008 bietet Schaaf zwei Führungen durch den Tiergarten an: eine Nachtwanderung und eine Führung durch den Englischen Garten. Genaueres im Veranstaltungskalender auf dieser Webseite.

In Teilen ist der Artikel zuerst erschienen in stadt.plan.moabit, Nr. 42, September 2006

2 Kommentare auf "Gärtner im Ruhestand, aktiv für Naturschutz"

  1. 1
    Susanne Torka says:

    Am 14.5.2010 führt Herr Schaaf einmal wieder durch den Tiergarten, Veranstaltung des Heimatvereins Tiergarten, also kostet es 5 Euro, vermutlich sind die Nachtigallen zu hören, wie auch bei vilmoskörte (http://vilmoskoerte.wordpress.com/2010/05/06/nachtigall-im-kleinen-tiergarten/ ) allerdings real, und es geht um Naturschutzgebiete im Tiergarten. Freitag 14.5. um 15 Uhr, Treffpunkt S-Bahnhof Tiergarten. Anmeldung Tel. 939 533 55

  2. 2
    Netzgucker says:

    Mit Ulli Zelle eine halbe Stunde durch den Großen Tiergarten, allerdings virtuell, noch in der rbb-Mediathek bis 1.7.2018 im Heimat-Journal, auch schön zur Geschichte des Tiergartens, zu den Themengärten und Abstecher in die georgische Botschaft und die Tunnel unter dem sowjetischen Ehrenmal und ein Besuch von Ben Wagin:
    http://mediathek.rbb-online.de/tv/HEIMATJOURNAL/Ulli-Zelle-spaziert-durch-den-Gro%C3%9Fen-Tie/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3913636&documentId=44007002

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