So können Sie mitmachen!

„Wem-gehört-Moabit?“ Kampagne startet

Die Initiative „Wem-gehört-Moabit?“ startet eine Kampagne samt Befragung im Moabiter Osten, um die Frage zu klären, wie die Hauseigentümerstruktur in Moabit wirklich aussieht.

Es begann damit, dass sich im Februar 2010 eine Gruppe von Moabiter Anwohner_innen – sowohl Mieter_innen wie Eigentümer_innen – traf, um heraus zu finden, wem Moabit eigentlich gehört. Sie waren durch Verkäufe von ganzen Wohnblocks z. B. in der Lehrter Straße an luxemburgische Großinvestoren aufgeschreckt worden. Immer wieder berichten Menschen aus dem Kiez von Hausverkäufen an Fondsgesellschaften oder internationale Investoren und teilweise umfassenden Modernisierungsmaßnahmen. Viele Mietshäuser in Moabiter Altbaugebieten wurden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Leute, die eine neue Wohnung suchen, klagen über steigende Mieten.

In den vergangenen Monaten hat die Initiative „Wem-gehört-Moabit?“ ihre Projektkampagne vorbereitet,  unterstützt durch eine Sachmittelförderung aus dem Quartiersfonds des Quartiersmanagement Moabit-Ost für die Öffentlichkeitsarbeit.  In dem Gebiet, das von der Stromstraße, Turmstraße, Rathenower Straße, Invalidenstraße, Lehrter Straße und Quitzowstraße eingeschlossen ist, also in Moabit-Ost, werden Fragebogen mittels Hauswurfsendung verteilt. Die Verteilung der Fragebogen startet voraussichtlich ab dem 9. September. Aktuell ist die Website der Initiative online gegangen, auf der Mieterinnen und Mieter aber auch Wohnungseigentümer_innen ebenfalls Angaben über ihre Häuser machen können. Im späten Herbst sollen die Ergebnisse in Form einer Karte veröffentlicht werden, aus der ersichtlich ist, welche Häuser internationalen Fondsgesellschaften, Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften oder Einzel­eigen­tümern gehören oder wo eine Wohnungseigentümergemeinschaft oder ein Hausprojekt ist. Privatbesitzer werden nicht mit Namen genannt, der Datenschutz wird beachtet.

Die Fragebogenaktion wird begleitet von einer öffentlichen Veranstaltung am 23. September 2010, 19 Uhr im kubu (Rathenower Straße 17, oben). In der Veranstaltung wird die Initia­tiv­gruppe »Wem gehört Moa­bit?« sich vorstellen, Moa­bi­te­rin­nen und Moa­bi­ter berich­ten aus ihren Häusern, und es gibt Neues von der Investorenfront. Vertreter_innen aus Mie­ter­ver­einen, Poli­tik und Quartiers­management werden ebenfalls erwartet, und interessante Diskussionen der Moabiter_innen zum Thema erhofft werden dürfen.

Es geht der Initiative „Wem gehört Moabit?“ aber nicht nur um die Datensammlung zur Eigen­tümer­struktur. Sie möchte zu einem lebendigen und lebenswerten Kiez beitragen und viele weitere Leute zum Mitmachen aktivieren. Sie möchte der Verdrängung von Alteingesessenen durch Aufwertung und Mietsteigerung entgegentreten und das Engagement von selbst im Gebiet wohnenden Wohnungseigentümer_innen für ihr direktes Wohnumfeld einfordern. Ebenfalls will die Initiative herausfinden, was denn wirklich passieren soll, damit es in den Moabiter Kiezen „besser“ wird. Dazu haben viele Menschen schließlich ganz unterschiedliche Ansichten, die offen miteinander ausgetauscht werden sollen. Diese Diskussion will die Initiative anstoßen. Eine Plattform für Diskussion bietet auch die Website der Initiative, dort werden Artikel veröffentlicht, die dann von den Leser_innen kommentiert werden können. Die Initiative „Wem gehört Moabit?“ ruft auch dazu auf, dass Leser_innen zu Autor_innen werden, und will deren Artikel zum Thema veröffentlichen. Aber nicht nur über das Internet soll Kommunikation stattfinden, sondern auch im persönlichen Kontakt. Nicht nur Mieter_innen werden angesprochen, sondern auch Eigentümer_innen: Für den 30. September 2010, 19 Uhr lädt „Wem gehört Moabit?“ zum Auftakttreffen eines Eigentümerstammtischs ins Arema in der Birkenstraße 30. Eine Nachbereitung und Auswertung der Infoveranstaltung soll in einem öffentlichen Treffen am 7. Oktober, 19 Uhr im B-Laden, Lehrter Str. 27-30 stattfinden. Weitere Termine werden jeweils auf der Website der Initiative veröffentlicht.

Kontakt
Initiative „Wem gehört Moabit?“, c/o B-Laden, Lehrter Str. 27-30, 10557 Berlin
Email: kontakt@wem-gehoert-moabit.de, www.wem-gehoert-moabit.de

10 Kommentare auf "„Wem-gehört-Moabit?“ Kampagne startet"

  1. 1
    Guido says:

    Vorratsdatenspeicherung nenne ich sowas…

  2. 2
    g. says:

    Habe immer noch nicht den Sinn dieser ganzen Aktion verstanden! Insbesondere wie ihr einer Verdrängung von „Alteingesessenen“ entgegenwirken wollt. Was könnt ihr bewirken indem ihr Daten von Haus oder Wohnungseigentümern sammelt? Wie soll der Kiez dadurch lebendiger oder lebenswerter werden? Ich würde mich schon freuen. wenn sich mein Nebenhaus in eine Eigentümergemeinschaft verwandeln würde, derren Bewohner ihren Müll und Hausrat nicht auf der Straße oder in den Durchfahrten entsorgen würden. Oder ihre Fassade sanieren würden, damit man nicht Angst haben muß, Putz auf den Schädel zu bekommen oder einfach die Scheiße ihrer Hunde entsorgen würden……u.s.w.
    Das wäre für mich lebenswerter, wie wollt ihr das erreichen??

  3. 3
    Stephan says:

    Ich möchte gerne wissen, wer hinter Initiative steckt.
    Wer sind die Verantwortlichen namentlich.

    Wem gehören die Daten der Eigentümer, die eingeschickt werden.
    Sind diese Daten für jeden einsehbar, also öffentlich?
    Auf der Webseite http://wem-gehoert-moabit.de/
    gibt es bis jetzt kein Impressum nur ein C/O B-Laden.

    Bürger sollen Namen von Eigentümern nennen und Missstände auflisten,
    aber die Namen der Gründer der Initiative bleiben geheim?

    Der Fragebogen gibt ausserdem nur Raum für Missstände.
    Es könnte ja auch gute Bedingungen, tolle Lösungen, einfallsreiche Eigentümer
    mit sozialen Motiven geben, auch Firmen,
    aber dafür ist nicht mal ein freies Feld vorgesehen.
    Schade.

  4. 4

    @g.
    Die Fragebogenaktion zur Erfassung der Eigentümerstruktur selber ist natürlich keine Aktivität, die den Kiez direkt lebendiger gestaltet. Und Patentrezepte haben wir dazu auch nicht. Aber wir wollen eine konstruktive Diskussion befördern. Dabei können wir nicht die Einzelfälle lösen. Aber wir wollen versuchen auch eine Plattform zu ermöglichen, die dazu einen Beitrag leistet. Mit dem „Eigentümerstammtisch“ der Initiative wollen wir, angestoßen durch einen Eigentümer in unserer Initiativgruppe und im Kontakt zu weiteren versuchen, etwas zu tun. Positive Resultate sind dann möglich, wenn gemeinsame Aktivitäten entwickelt werden. Dazu müssen sich aber potentielle Interessenten erst mal kennenlernen und austauschen.

    Aber schau dir die Beschreibung des Auslösers zur Gründung der Initiative auf unserer Website noch mal an: den Aufkauf ganzer Häuserblocks durch luxemburgische Immobilienfonds. Der Text macht deutlich, dass zumindest Indikatoren vorliegen, die Grund für eine Sorge für die längerfristige Entwicklung der Wohnstraße zu einer Hotelstraße sein können, was von vielen Bewohnern nicht als lebendiger Kiez empfunden würde. Das Beispiel zeigt auch, dass man aus einer Erfassung der Eigentümerstruktur und eventuellem Wandel Hinweise für Entwicklungstendenzen bekommt. Daraus Aktivitäten abzuleiten, ist keine einfache Aufgabe, aber am Beispiel der Lehrter Straße könnten z.B. derzeit lückenhafte Bebauungspläne angegangen und rechtliche Festsetzungen zur Stadtentwicklung durch das Bezirksamt erfolgen. Insofern wollen wir aus der Erfassung der Eigentümerstruktur Hinweise bekommen, die dann eben auch einen Hintergrund für eine Diskussion der Ziele der Stadtentwicklung liefern. Ob’s was wird, hängt auch davon ab, dass sich möglichst viele daran beteiligen, und dass sich die Menschen bei aller wünschenswerter Vielfalt, die mit zu lebendigen Kiezen beiträgt, auf gemeinsame Ziele verständigen.

    Komme doch zur Veranstaltung am 23.9. ins kubu, dann kannst du auch Leute von uns persönlich kennenlernen und dich in die Diskussion einbringen und vielleicht mit aktiv werden.

  5. 5
    Jürgen says:

    @stephan

    Gehe doch einfach zu der angekündigten öffentlichen Veranstaltung der Initiative am 23.9., da werden bestimmt auch Mitglieder der Ini anwesend und erkennbar sein 😉

    Auf der Website der Ini findet sich ein Impressum mit den Kontakt Anschrift, Telefon, Email, Kontaktformularen. Dein Vergleich der Benennung von Eigentümernamen und der Namen der Initiativmitglieder hinkt gewaltig, denn die Initiative fragt nicht nach Personen, wie du es durch deine Formulierung suggerierst, sondern nach Firmen. Sie betont ausdrücklich, dass keine Namen privater Eigentümer übermittelt werden sollen, sondern nur die in diesen Fällen klare Art des Eigentums benannt werden soll.

    Aus der Website geht auch das Ziel der Befragungsaktion hervor, nämlich die Eigentümerstruktur zu ermitteln und diese dann in Form einer Karte zu veröffentlichen. Auch die Fragestellungen die du wohl mit den „Missständen“ bezeichnest, zielen doch deutlich auf die Eigentümerstruktur ab. Klar hätten da zusätzlic noch positive Beispiele erfragt werden können, das ist richtig. Aber auch bei positiven Fallbeispielen nur ohne Benennung von Personen, das siehst Du nach deiner Formulierung anscheinend anders, wäre aber rechtlich genauso wenig okay wie bei den „Missständen“. Nicht zuletzt ignorierst Du in Deinem Beitrag auch z.B. den Versuch eines Eigentümerstammtischs – offenbar gibt’s ja bei der Ini nicht nur Mieter, sondern auch Eigentümer. Auch da suchen Leute der Ini ja den persönlichen Kontakt, ebenso wie beim Nachbereitungstreffen zur Infoveranstaltung, die offenkundig auch als öffentliches Treffen angekündigt ist. Aber übrigens, auch die Weitergabe so gewonnener persönlicher Daten über Initiativmitglieder wie Gäste wäre illegitim.

  6. 6
    moabiterin says:

    Was geschieht mit den Daten? Wie und wo werden sie geschützt? Auf einem Privat-PC? Auf dem PC vom Betroffen-Laden? Wer ist Eigentümerin der Daten? Wer hat Zugriff? Leider ist keine Antwort auf diese wichtigen Fragen auf der webside auffindbar. Warum benennt sich die Ini mit „Wem gehört Moabit“, obwohl es der Ini um einen Teil von Moabit-Ost geht?

  7. 7
    Alinka says:

    Hallo,

    ich fand die Veranstaltung von Euch bzw. der Initiative „Wem gehört Moabit?“ interessant und informativ und möchte mich bei den Organisator*innen dafür bedanken.

    Ich möchte an dieser Stelle auf die Herbstaktionstage von „Berlin On Sale“ hinweisen, innerhalb derer es auch einige Veranstaltungen zu Mieten und wohnen gibt. Über die Teilnahme von Euch Moabiter*innen würden sich sicherlich die Veranstalter*innen dieser Protesttage freuen

    Z.B. findet am 6.10. eine Veranstaltung zum weltweiten Tag des Rechtes auf Wohnen statt, dass in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN von 1948 verankert ist. „Jeder Mensch hat das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, Standard für die Gesundheit und das Wohlbefinden von sich und seiner Familie, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung , notwendiger soziale Leistungen, und das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung, Verwitwung, Alter oder anderen Mangel an Lebensunterhalt in Umständen, die außerhalb seiner Kontrolle liegen.“ Die Realität sieht anders aus. In Berlin werden viele ALG II- Bedarfsgemeinschaften zur Senkung der Mietkosten aufgefordert, bezahlen die zu hohen Kosten aus ihrem kargen Regelsatz oder ziehen schließlich um. Die Kampagne gegen Zwangsumzüge ist gegen diese Praxis aktiv, indem sie die Betroffenen an einem Infotelefon
    (0800/ 27 27 27 8 ) berät. Davon wird auf der Veranstaltung berichtet, mit anschließendem Büffet.

    Mittwoch, d. 6.10. 2010 von 15- 18 Uhr
    in der Lunte, Weisestr.53 (U-Bhf. Boddinstr.)
    Veranstalter. Kampagne gegen Zwangsumzüge

    Gesamtprogramm der Aktionstage in Berlin:
    http://berlinonsale.blogsport.de/

    Am 29.9. ist ein europäischer Streik- und Aktionstag gegen die Krisenabwälzung auf uns mit Bankenblockaden und einer Demonstration in Berlin. Mehr dazu hier:
    http://www.kapitalismuskrise.org/
    http://www.attac.de/aktuell/sparpaket/bankenaktionstag/

  8. 8
    bellewüh says:

    Heute WgM-Wohnungseigentümerstammtisch im AREMA! Hoffe ich sehe viele Moabiter, die sich mit dem Thema Eigentumswohnung kaufen auseinandersetzen oder die schon selbst in einer eigenen Wohnung in Moabit wohnen heute abend beim ersten Eigentümerstammtisch um 19:00 im Arema. Wenn wir uns vernetzen wird es einfacher!

  9. 9
    Susanne Torka says:

    Ein ausführlicher Artikel über die Verkäufe von Häusern der Lehrter Straße an Luxemburgische Investoren ist in der neuesten Ausgabe des MieterEchos erschienen und auch im Netz:
    http://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2011/detailansicht/article/wohnen-naehe-hauptbahnhof.html

  10. 10
    Redaktion says:

    Die Initiative „Wem gehört Moabit?“ stellt die Ergebnisse der Fragebogenaktion und ihrer Nachrecherche vor:
    am Dienstag, 17.5.11 um 19 Uhr
    im Jugendfreizeithaus Kubu, Rathenower Straße 17
    Eingladen sind die Stadtforscher Sigmar Gude, TOPOS und Dr. Andrej Holm, HU Berlin zur Diskussion über „Aufwertung und Verdrängung in Moabit-Ost?“
    hier gehts zur Einladung:
    http://wem-gehoert-moabit.de/termine/?event_id=22

    Weitere Kommentare jetzt bitte hier:
    http://www.moabitonline.de/8769

    oder auf der wem-gehört-moabit-Seite: http://wem-gehoert-moabit.de/