Hauptbahnhof: Schicker Pfusch

Dass beim Orkan Kyrill vergangenen Donnerstag am Hauptbahnhof kein Mensch ums Leben kam, ist reiner Zufall: Hier lösten sich in 40 Metern Höhe zwei mehrere Tonnen schwere Stahlträger, einer davon stürzte auf eine Treppe, auf der sich in diesem Moment glücklicherweise niemand aufhielt. Der andere Träger rutsche herab und verkeilte sich einige Meter tiefer. Gleichzeitig wurde eine Glasscheibe herausgetrennt, die ebenfalls herunterstürzte und ein wartendes Taxi zerstörte. Die Fahrerin entkam unverletzt.
Als der Hauptbahnhof nach 14 Stunden Sperrung wieder öffnete, hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn nichts besseres zu tun, als sofort den Architekten des Bahnhofs zu beschuldigen. Dabei hat die Bahn selber das schicke Gebäude nach einer Prüfung abgenommen. Architekt Meinhard von Gerkan gab die Anschuldigen auch gleich an Mehdorn zurück, die nächsten Wochen werden zeigen, wer für den Pfusch am erst acht Monate alten Bahnhof verantwortlich ist. Derzeit sieht es so aus, als wären die etwa 100 Querstreben nicht angeschweißt worden, sondern nur aufgelegt, sie sollten sich durch ihr eigenes Gewicht halten. Was offensichtlich bei Sturm nicht klappt.
Bis die Träger nun nachträglich angeschweißt sind, wird der Hauptbahnhof bei Sturm künftig geschlossen. Eine wahrhaft moderne, hauptstädtische Lösung!

3 Kommentare auf "Hauptbahnhof: Schicker Pfusch"

  1. 1
    Zeitungsleser sagt:

    Der Pfusch ist noch viel schlimmer!
    Heute im Tagesspiegel: Sanierung am Hauptbahnhof kostet 10 Millionen, passend nach nur 5 Jahren!
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/wegen-hohem-bautempo-hauptbahnhof-sanierung-kostet-zehn-millionen-euro/6082650.html

  2. 2
    prolet sagt:

    Man stelle sich auf die Straße Alt-Moabit und schaue entlang der neuangelgten Straße / spätere Straßenbahnabstellgleise einmal nach Osten, entlang des Viaduktes. Wer würde da nicht an das Lied “Eine Seefahrt, die ist lustig” denken? Die Schalung dessen, was man man mit Fug und Recht als Aushängeschild für Deutsche Qualitätsarbeit bezeichenen kann (Vorsicht, Satire!), kann nur von einer Horde Besoffener zusammengenagelt worden sein … Die Brücke Paulstraße hat einen “Hängebauch” und Probleme mit der Festen Fahrbahn und ihren Brückenübergängen gab es schon kurz nach Eröffnung. Und wo ist Mehdorn? Ein Glück, daß Air Berlin bald nicht mehr über Berliner Stadtgebiet landet, sondern über Äckern!

  3. 3

    die nächsten Wochen werden zeigen, wer für den Pfusch am erst acht Monate alten Bahnhof verantwortlich ist.

    Leider ist dabei gar nichts herausgekommen. Das Verfahren wurde inzwischen ergebnislos eingestellt, der oder die Verantwortlichen sind fein raus.

    Die Träger wurden nach dem Vorfall alle innerhalb weniger Tage festgeschweißt. Das hätte man wirklich bis zur Eröffnung noch machen können, das Zeitdruck-Argument zieht in der Angelegenheit nicht.

    Was die Brücke betrifft (die 2008 mit dem deutschen Brückenpreis ausgezeichnet wurde….), sollte man vielleicht erstmal abwarten wie schlimm es tatsächlich ist. Die 10 Mio. sind vorerst einfach mal unbestätigt in den Raum geworfen worden.

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12261954/62249/Bauwerk-in-Berlin-zeigt-Verschleisserscheinungen-aber-eine-akute.html

    Was mich wundert ist, dass nur der HBF derart im Fokus steht. Mir fallen eine ganze Reihe von (Neu-)Bauten ein, an denen ordentlich geschlampt wurde, zT auch mit bedrohlichen Folgen.

    Alles in allem kann man zum HBF wohl nur sagen: Gut gemeint (Idee & Entwurf), schlecht umgesetzt.

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