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Ein Park für Familien und Ältere

Eine schwierige Aufgabe hatte die Auswahlkommission, die drei konkurrierende Entwürfe für einen neuen Park auf einer Teilfläche des ehemaligen Güterbahnhofs Moabit Mitte Januar 2009 beurteilen musste. Beim Stadtteilplenum Moabit West am 20. Januar wurde das Ergebnis bekannt gegeben: Der Entwurf des Büros glaßer und dagenbach ist Ausgangspunkt der Parkplanung, soll aber gemäß einer Anforderungsliste der Auswahlkommission noch einmal überarbeitet werden. Anfang Februar wird das Stadtplanungsamt hierzu ein ausführliches Gespräch mit dem Planungsbüro führen. Nach der Überarbeitung – voraussichtlich im April 2009 – soll das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgestellt werden, kündigte Mandy Adam, zuständige Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts an. Der Bau des neuen Parks soll 2010 beginnen, die Fertigstellung ist für 2011 geplant.

entwurf-glasserdagenbachWesentliche Merkmale des künftigen Parks: Der Park wird generationenübergreifend und insbesondere Angebote für Familien und Senioren bieten. Es wird dagegen keine Angebote für Jugendliche geben, für die in der Nähe schon Angebote vorhanden sind. Gemeinschaftsgärten sind das Besondere des Parks. In den Gemeinschaftsgärten übernehmen Bewohnergruppen gemeinsam Verantwortung für die Gartenpflege, sie dienen als Begegnungsort unterschiedlicher Generationen und/oder Kulturen. Ein weitere generelle Festlegung: der Park bleibt hundefrei, Hundehalter müssen ihre Hunde woanders Gassi führen.

Das Bezirksamt Mitte hatte die Landschaftsplanungsbüros Atelier 8, glaßer und dagenbach sowie Weidinger Landschaftsarchitekten im Herbst 2008 beauftragt, in einem konkurrierenden Verfahren Entwürfe für den neuen Park zu erarbeiten. Eine herausragende Rolle spielte dabei – anders als z.B. bei Wettbewerbsverfahren – eine Beteiligung von Akteuren und Bürgern aus dem Kiez. Eine erste Ideensammlung hatte die Agentur Stadtmuster Ende 2007 durchgeführt, allerdings hatten an der Befragung fast nur junge Leute teilgenommen.

Ein Workshop mit Akteuren aus dem Kiez im Oktober 2008 bereitete – neben den Rahmenbedingungen des Bezirksamts – eine Grundlage für die Entwürfe. Dabei war ein besonders gravierendes Defizit im Bestand der Angebote für Familien und ältere Menschen deutlich geworden. Aber auch zahlreiche Ideen und Wünsche waren formuliert worden. Ein konkretes Nutzungskonzept für den stehen bleibenden Gebäudeteil des früheren Güterschuppens lag und liegt nicht vor. Aus einem Interessenbekundungsverfahren ist der Verein Kunstrepublik als potenzieller Betreiber des Gebäudes hervorgegangen. Dem Verein schwebt eine Nutzung mit Ateliers, Probenräume für Musik und Gastronomie vor. Aber hier ist noch vieles zu konkretisieren und zu klären, nicht zuletzt die Finanzierung.

Die auf dieser Informationsgrundlage erstellten Vorentwürfe der Landschaftsplanungsbüros für den Park wurden Ende November in einer gut besuchten öffentlichen Veranstaltung im Wolfgang-Scheunemann-Heim den Moabiter Bewohnern und Akteuren vorgestellt. Nach den Präsentationen der Vorentwürfe fanden direkte Einzel- und Kleingruppengespräche zwischen den Bewohnern und den jeweiligen Planungsbüros statt, so dass hier Einzelfragen der direkt geklärt werden konnten und andererseits die Landschaftplanungsbüros konkrete Anregungen direkt aufnehmen konnten. Dies gab eine hervorragende Grundlage für den Abschluss der Veranstaltung mit der Diskussion und Bewertung der Vorentwürfe in öffentlicher Runde, bei der dezidiert auf die Qualitäten und Mängel der Vorentwürfe eingegangen wurde und wesentliche Ansprüche an die Parkplanung formuliert wurden.

Nach dieser direkten Beteiligungsphase von Bewohnern haben die Landschaftplanungsbüros ihre Planungen noch einmal überarbeitet. Alle Entwürfe seien als umsetzbar angesehen worden, aber keiner der Entwürfe hob sich auf den ersten Blick der Auswahlkommissionsmitglieder herausragend von den anderen ab. Jeder der Entwürfe hat Stärken aber auch Schwächen, schilderte die Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts Mandy Adam bei ihrem Bericht zum Ergebnis gegenüber dem Stadtteilplenum am 20. Januar. Eine Symbiose aus den verschiedenen Entwürfen war nach Ansicht der Auswahlkommissionsmitglieder notwendig. Unter dem Vorsitz von Hendrik Gottfriedsen, dem früheren Chef der Grün-Berlin GmbH, entwickelte die Auswahlkommission in einer Diskussion der Planungen ihre Lösung. Sie entschied sich für den Entwurf des Büros „glaßer und dagenbach“ als Ausgangspunkt für den Park, wobei das Büro aber seine Entwurfsplanung auf Grundlage konkreter Anforderungen der Auswahlkommission noch einmal überarbeiten muss. norbertonkenNorbert Onken, Quartiersrat in Moabit-West und als Bürgervertreter Mitglied der Auswahlkommission berichtete beim Stadtteilplenum, dass für ihn vor der Diskussion in der Kommission der Entwurf noch an dritter Stelle gelegen hatte. Im Rahmen der Diskussionen stellte sich aber heraus, dass gerade dieser Entwurf die Flexibilität besitzt, nach einer Überarbeitung die von den Kommissionmitgliedern gestellten Anforderungen an den Park am besten zu erfüllen. Und so ist auch Norbert Onken am Ende der Kommissionssitzung mit dem gefundenem Ergebnis voll zufrieden und überzeugt, im gemeinsamen Prozess die beste Lösung gefunden zu haben.

Nachtrag:
Link zur Stadtumbau West Seite und zum Bericht über die Eröffnung des Moabiter Stadtgartens am 24.9.12.

5 Kommentare auf "Ein Park für Familien und Ältere"

  1. 1
    Raoul says:

    Wo soll der Park denn entstehen?

  2. 2
    Jürgen Schwenzel says:

    Der ehemalige Güterbahnhof Moabit liegt nördlich der Sickingenstraße Siemensstraße. Der Park wird etwa nördlich der Oldenburger Straße liegen. Auf der Website des Moabiter Ratschlag, der die Veranstaltungen zur Akteurs- und Bürgerbeteiligung im Oktober und November zusammen mit dem Bezirksamt Mitte und der S.T.E.R.N. GmbH durchgeführt hat, findet ihr eine Beschreibung und Unterlagen zum Download (PDF). Dort sind auch die Protokolle der Veranstaltungen im letzten Jahr dokumentiert.

  3. 3
    hfaber says:

    Ich glaube Du meinst die Siemensstr., Jürgen, anstelle der Sickingenstr.

  4. 4
    EK says:

    Wo kann die Bewerbung für einen Gemeinschaftsgarten eingereicht werden?
    Ganz oben auf der Anwohnerwunschliste residierte: Wasserspielmöglichkeit / Plansche, ich kann dies nicht im Plan nachvollziehen, wird es in der Überarbeitung zu finden sein?

  5. 5
    Jürgen Schwenzel says:

    Ganz so weit ist der Stand des Verfahrens noch nicht, dass man sich auf einen der Gemeinschaftsgärten bewerben kann. Und auch die Frage nach einer Wasserspielmöglichkeit ist für den jetzigen Planungsstand ein noch zu klärendes Detail, da der jetzige Entwurfsplan noch auf einer groberen Ebene die Nutzungsbereiche aufzuteilen. Bei Wasserspielmöglichkeiten werden vor allem die laufenden Kosten für Wartungsarbeiten und Wasserverbrauch dann eine Rolle spielen. Es ist aber sicher sinnvoll, diese Fragen dann bei der Veranstaltung, bei der der überarbeitete Entwurf des Parks vorgestellt wird, einzubringen, damit diese Fragen und Hinweise in der nachfolgenden Konkretion der Planungen beachtet werden, ebenso wie überlegt wird, wie und unter welchen Bedingungen die Vergabe der Gemeinschaftsgärten erfolgt und wer dies koordiniert. Auf Nachfrage beim Bezirksamt erhielten wir die Auskunft, dass die Informationsveranstaltung zur Vorstellung und Diskussion der Pläne voraussichtlich am 28. April 2009 stattfinden soll. Der Kandidat zum Betreiben des Gebäudes innerhalb der Parkanlage, soll bei dieser Veranstaltung auch seine Nutzungsüberlegungen vorstellen. Weitere Einzelheiten sind aber noch nicht bekannt und eine Änderung des Termins bleibt noch vorbehalten.
    Weitere Informationen bei diesem Artikel:
    http://www.moabitonline.de/1412