So können Sie mitmachen!

Film von Nertila und "Eine Zeit, die kaum Wahrheiten hat" – Luljeta Lleshanaku und Anila Wilms beim Literaturmarathon: Am Tag Danach

13.09.2017 20:00 Uhr
Neue Nachbarschaft
Beusselstraße 26 10553 Berlin

20 Uhr
Film von Nertila „Wolke oder Vogel. Eine Reise in die albanischen Berge“


20:20 Uhr
EINE ZEIT, DIE KAUM WAHRHEITEN HAT
Literarische Stimmen aus Albanien – Eine zweisprache Lesung (Albanisch-Deutsch)
mit Luljeta Lleshanaku und Anila Wilms

Die Dichterin Luljeta Lleshanaku, geboren 1968 in Elbasan, wuchs zur Zeit der kommunistischen Diktatur in Albanien unter Hausarrest auf, weil ihre Familie der Opposition angehörte. Bis Anfang der neunziger Jahre durfte sie weder eine Hochschule besuchen, noch ihre Gedichte publizieren. Nach dem Sturz Enver Hoxhas studierte sie Albanische Sprache und Literatur an der Universität Tirana und Creative Writing am Warren Wilson College in den USA. Seit 1993 hat Luljeta Lleshanaku sieben Gedichtbände veröffentlicht und gilt heute als eine der wichtigsten Stimmen der albanischen Poesie.
Anila Wilms wurde 1971 in Tirana geboren und wuchs in der geschichtsträchtigen Hafenstadt Durrës auf. Mütterlicherseits stammt sie aus einer Familie von reichen und politisch einflussreichen Beys, die nach 1945 als die „natürlichen“ Feinde des kommunistischen Regimes enteignet und entmachtet wurden. Sie studierte Geschichte und Philologie in Tirana. 1994 kam sie als DAAD-Stipendiatin nach Berlin und lebt dort seither als Autorin und Publizistin. Sie schrieb ihren 2012 erschienenen Debütroman auf Albanisch und auf Deutsch. Sie erhielt 2013 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung sowie den Stuttgarter Krimipreis „Bestes Debüt“.
ZeitOnline zu Albanisches Öl

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AM TAG DANACH_LITERATURMARATHON / 10.-16. September

Die Neue Nachbarschaft/Moabit lädt ein zu ihrem ersten Literaturmarathon.

Sieben Tage lang wird es im September Lesungen, Workshops, Konzerte und Filmpräsentationen geben, gestaltet von alten und neuen Nachbarn, von renommierten Schriftsteller*innen und neuen Talenten aus Syrien, Afghanistan, Albanien, aus dem Iran, Tschetschenien und Deutschland. Bei freiem Eintritt laden wir den Moabiter Kiez und die Stadt zum Zuhören und Nachdenken ein.

Eine der Fragen, die wir dabei aufwerfen möchten, ist die Frage nach dem berühmten Tag danach. Die vor zwei Jahren überall präsente Flüchtlingspolitik verschwindet wieder aus den Medien, der öffentlichen Diskurs wird zunehmend von Fragen zur inneren Sicherheit, von einem neuen Nationenverständnis und wilden Verschwörungstheorien bestimmt. Zugleich nimmt die „Festung Europa“nach Schließung der Balkanroute und verschärften Asylgesetzen immer deutlichere Konturen an. Renommierte Forscher*innen sprechen von einer Phase der „großen Regression“.

Auch die neuen Nachbarn befinden sich nach den turbulenten Ereignissen nun am Tag danach und müssen einander fragen: Was tun? Wie organisiert man die scheinbar eingekehrte Normalität? Wie lassen sich die wichtigen Fragen offenhalten? Welche neuen sozialen Formen und Initiativen tun Not, um nicht kollektiv zu verdrängen?

In solchen historischen Momenten schlägt die Stunde der Literatur – als einem Medium der Reflexion. Dies ist auch der Moment für Initiativen, die sich nicht ausschließlich als akute Hilfsmaßnahmen, sondern als soziale Plastiken oder „Commons“ jenseits der Sphäre des Marktes und der üblichen Fördermodelle verstehen. In einer Zeit, wo der öffentliche Raum zu verschwinden droht, brauchen alle gemeinsame Räume. Die Neuen Nachbarn sind bereit, sie offenzuhalten.

Kurator_Christian Filips

Programmheft als PDF auf deutsch: Programmheft_Literaturmarathon_e und auf arabisch