So können Sie mitmachen!

„Mehr Musik, in mehr Fächern zu mehr Gelegenheiten“

Die Kurt-Tucholsky-Grundschule auf dem Weg zur „Musikalischen Grundschule“

Betritt man morgens die Kurt-Tucholsky-Grundschule, dann umgibt einen sofort Musik. Im Eingangsbereich der Schule werden die Kinder und alle MitarbeiterInnen der Schule mit klassischer Musik begrüßt.

Die Kurt-Tucholsky-Grundschule nimmt an dem Projekt „Musikalische Grundschule“ der Bertelsmann Stiftung teil. Neben dem etablierten Angebot an Musik-AGs und Musikprofilkursen an der Schule soll nun „Mehr Musik, in mehr Fächern zu mehr Gelegenheiten“ eingesetzt werden.

Wie bringe ich mehr Bewegung und Rhythmus in den Unterricht oder wie kann Musik helfen Lesen, Schreiben und auch Sprechen zu lernen? Seit Oktober 2010 hat die Schule – initiiert durch das Quartiersmanagement Moabit-Ost und finanziert aus Mitteln der Sozialen Stadt – nun Unterstützung auf diesem Weg bekommen durch Kerstin Wiehe und Almut Heidelberger von K&K Kulturmanagement & Kommunikation.

Nachdem im letzten Jahr neue Instrumente und Abspielgeräte angeschafft wurden, die von jedem Lehrer ausgeliehen und in jedem Fach eingesetzt werden können, finden seit Januar regelmäßig Fortbildungen für die Lehrer und von Dozenten begleitete praktische Workshops mit den Schülern statt.

Auch das Experimentieren mit Musik soll einen Platz an der Schule bekommen. Nicht jedes Kind beherrscht ein „klassisches“ Musikinstrument oder hat die Möglichkeit eines zu erlernen. Das heißt aber noch lange nicht, dass dieses Kind keine Musik machen kann. Der eigene Körper kann z.B. mit Body-Percussion zum Instrument werden. Aber auch Alltagsgegenstände wie Küchengeräte, Plastiktüten, Zeitungen, etc. können zum musizieren verwendet werden. Noch in diesem Sommer lernen die Kinder, wie man aus normalen Gegenständen Instrumente baut, die eine ganz eigene Klangwelt erzeugen können. Im kommenden Schuljahr werden dann die Schüler­Innen aus neun verschiedenen Klassen der Schule für einige Wochen zu experimentellen Komponisten. Sie werden ungewöhnliche Klänge entdecken und eigene Stücke erfinden.

Diese Kompositionen der SchülerInnen und auch andere Ergebnisse der experimentellen und musikalischen Projektphasen an der Kurt-Tucholsky-Grundschule können auch Sie sich am 4. November 2011 in der Schule anhören, wenn die Schule zur „Klingenden Schule“ wird. Merken Sie sich diesen Termin ruhig schon vor – es wird sich lohnen!

Natürlich ist es kaum möglich restlos alle Kollegen an die Musik heranzuführen, aber die koordinierende Lehrerin Manuela Czyborra hat schon jetzt den Großteil des Kollegiums von der Idee   überzeugen können. In den kommenden Monaten läuft die Modellphase der Bertelsmann Stiftung aus und die Schule kann sich – mit einem Zertifikat ausgezeichnet – in Zukunft offiziell „Musikalische Grundschule“ nennen.

Text: Almut Heidelberger und Kerstin Wiehe

Die Autorinnen:
Almut Heidelberger studierte Kunstpädagogik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte in München und Portugiesisch an der Universidade de Lisboa. Seit 2008 lebt und arbeitet sie als freie Kunstpädagogin in Berlin mit einem besonderen Interesse für grenzüberschreitende und interdisziplinäre Arbeitsfelder in der Kunstpädagogik sowie partizipatorische Kunstprojekte.

Kerstin Wiehe wurde 1965 in Essen geboren und wuchs in Hamburg auf. Sie studierte Publizistik, Linguistik und Betriebswirtschaftslehre an der FU Berlin und anschließend Kulturmanagement. 1993 gründete sie K&K Kulturmanagement & Kommunikation und initiierte 2002 die Gründung von Kulturkontakte e.V.. Arbeitsschwerpunkte sind schnittstellen-, genre- und grenzüberschreitende kulturelle und auf Bildung bezogene Projekte sowie die Initiierung und Moderation von Vernetzungs- und strukturellen Prozessen. Seit 2009 lehrt sie an der Universität der Künste.

Zuerst erschienen der LiesSte, Zeitung für den Stephankiez, Nr. 19, Juli 2011

Nachträge:

Lesen Sie auch den  Artikel in der Berliner Woche vom 7.7.2011 „Eine Klasse voller Ohrwurm-Macher“. Am 24.8.2011 ist ein Artikel zur Schulhofumgestaltung der Kurt-Tucholsky-Grundschule aus Mitteln der Sozialen Stadt erschienen.

Auch handwerkliche Projekte sind beliebt. Dieser Artikel aus der Berliner Woche beschreibt die Bauereigniswoche einer Klasse, die sich ihre Möbel selbst gebaut hat.

Im Schuljahr 2013/14 stand das Projekt „Über Hempels Sofa“ der Künstlerinnengruppe Dailybread Berlin , das sind Hanneke van der Hoeven, Christiane Keppler und Bärbel Rothhaar, auf dem Plan, hier der Bericht in der Berliner Woche, der auch kurz die erschwerten Bedingungen in der KTG erklärt. Die meisten Kinder mussten wegen Brandschutzmängeln in einer leerstehenden Schule in der Pankstraße untergebracht werden. Nur die vierten Klassen blieben am Ort.

Gerade mal vier Jahre alt ist das Klettergerüst, das jetzt wieder abgebaut werden muss (Pressemitteilung Bezirk).

Bauwoche im Klassenzimmer der 5d (Berliner Woche).

Baumpflanzung in der Schule (Berliner Woche).

31 Kommentare auf "„Mehr Musik, in mehr Fächern zu mehr Gelegenheiten“"

  1. 1
    skawi says:

    Wäre lesen und schreiben lernen nicht angesagter für diesen Bezirk?

  2. 2
    K. S. says:

    Skawi, wieso siehst Du einen Widerspruch zwischen „lesen und schreiben lernen“ und „Musikalischer Grundschule“? Lernt man nicht überhaupt alles besser in einem Umfeld, mit dem man sich identifiziert und wo man schöne Stunden erlebt? Aber eine „Dauerberieselung“ hat auch ihre Nachteile …

    Interessieren würde mich, wie die Musik ausgewählt wird. Klassik? Multikulti? Hitparaden?

  3. 3
    Rané says:

    Gerade für Migrantenkinder ist der musische Bereich an Schulen wichtig. Das kreative Erlernen von Sprache sollte absolute Priorität in allen Bereichen unserer Gesellschaft haben. Der bekannte „Nürnberger Trichter“ sollte endlich in Deutschland der Vergangenheit angehören.
    Es geht um die „Lust an Sprache“ und nicht um das sinnlose „Pauken von Sprache“.

  4. 4
    skawi says:

    Zu 3.
    Ob nun mit Musik oder ohne. Lernen muß man trotzdem, es sei denn, die Kinder wollen ihren Namen tanzen.
    Wie sinnlos das „Pauken der Sprache“ ist, merkt man doch sofort, wenn betreffende Leute den Mund aufmachen. Mit dem Nürnberger Trichter wurde bei denen garnichts….., wäre aber angebracht gewesen!
    Zu 2. Ich sehe keinen Widerspruch, sondern eine absolute Nutzlosigkeit. Welchen Blödsinn will man sich denn noch einfallen lassen, um Kinder zum lernen zu bringen?

  5. 5
    Susanne Torka says:

    Meine Güte skawi,
    das sollte doch nun wirklich schon bekannt sein, dass das sture „Pauken“ wenig erreicht. Musik ist eine Sprache, die alle Menschen „sprechen“ und verstehen. Mit Musik kann das Sprachelernen, die Ausdrucksweise, das selbstbewußte Auftreten und so vieles mehr „gelernt“ werden. Schule heutzutage ist zum Glück doch nicht mehr so wie vor 30 oder 40 Jahren.
    Allerdings musste ich bei vielen Lehrer/innen meiner Kinder enttäuscht feststellen, dass moderne Methoden leider immer noch nicht allgemein verbreitet und sinnvoll angewandt werden. Reformschulen gab es schon 1920 und heute sind sie leider immer noch nicht die Selbstverständlichkeit.

  6. 6
    skawi says:

    War mir eigentlich vorher schon klar, dass ich mit meiner Ansicht, hier, auf wenig Verständnis treffe.
    Liebe Frau Torka, ich war vor 40 Jahren auf dieser Schule, ohne musikalische Berieselung.
    An ein „stures Pauken“ kann ich mich nicht erinnern. Der Lehrer gab Unterricht und die Schüler hörten zu. (Meistens)
    Wenn wir dazwischen gequatscht haben wurden wir ermahnt. Fakt ist, wir alle waren gut vorbereitet für die Oberschule. Es gab natürlich auch schon einige Migrantenkinder, welche aber nach der Grundschule die deutsche Sprache beherrschten.
    Und heute? Nehmen sie es mir nicht übel aber die klassische Musikberieselung ist für mich nur ein weiterer,kläglicher, alternativer Versuch, etwas in die Schülerköpfe zu bekommen.

  7. 7
    H. E. says:

    Ach Du meine Güte, kann ich 50 Jahre nach meinem Schulabschluss zu dieser Diskussion nur sagen.

    Und weiter: Unsere Kultur war mal eine Kultur, weil sich früher die Lehrer in der Schule durchsetzen konnten und die Schüler lernen mußten. Womit ich aber in keiner Weise die heutigen Lehrer kritisieren möchte, im Gegenteil, ich bedaure sie und wundere mich, dass immer noch so viele Leute diesen Beruf ergreifen.

    Ansonsten: Wir brauchten nicht zwei Lehrer in der Klasse, kein Sicherheitspersonal am Schuleingang und keine musikalische Verbrämung. Auf dem Schulhof und auf dem Klo wurde deutsch geredet oder berlinert, in der Pause wurde nicht mit dem Handy herumgequatscht und in der Stunde wurde zugehört. Es gab genug Lehrer, die Klassenräume und die Klos waren ansehnlich, am Schulsystem wurde von der Politik nicht herum gedoktert und heraus kamen Bürger, die in der Regel den beruflichen und gesellschaftlichen Anforderungen gewachsen waren.

    Und heute: Alles ist anders, weil die großen Parteien jahrzehntelang gräßlich versagt haben. Und dabei ist es völlig egal, ob es sich um die Schwarzen, die Roten, die Gelben oder die Grünen handelt.

  8. 8
    K. S. says:

    Der Rundumschlag von H. E. ist ja wirklich das Rundumdeste, was ich hier seit langem las. Ja, sogar ich war mal auf der Schule und damals herrschten die Zustände von damals.

    Dass eine unaufdringliche und kreative Beschäftigung mit klassischer Musik die Aufnahmefähigkeit bei vielen Menschen positiv beeinflusst, gilt als nachgewiesen. Wenn man damit teilweise „dem jahrzehntelange gräßliche Versagen der Parteien“ (schwarzrotgelbgrün) gegensteuern kann, ist das doch nur positiv. jeder weiß, es wurden Fehler gemacht! Muss man daraus schlussfolgern, dass es keine neuen Ansätze mehr geben darf? Zurück zur Feuerzangenbowle, Mädels und Jungs getrennt? Irgendwie schizophren …

  9. 9
    Rané says:

    Können auch die älteren deutschen Mitbürger registrieren, dass Deutschland mittlerweile ein Einwanderungsland geworden ist, dass die Medien und deren Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft sich verändert haben. Medienkunde sollte von daher dringend in den Unterricht einbezogen werden. Und der pädagogische Grundsatz der „Grenzziehung“ sollte vor allem den Familien eindringend vermittelt werden.
    Die Schulen allein können nie und nimmer „familiäre Defizite“ ausgleichen. Und das Wichtigste ist, bei jedem Kind und jedem Jugendlichen seine individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern. Darum sind gerade die musischen Fächer an den Schulen zu erhalten und auszubauen.Es können nicht alle naturwissenschaftliche Berufe ergreifen. Vielfalt in der Gesellschaft erfordert auch eine Vielfalt in den Berufsfeldern.

  10. 10
    Rané says:

    Und weil wir bei der Bildung sind und Wahlen bevorstehen, hat es die derzeitige Koalition in zwei Legislaturperioden nicht geschafft, den Lehrermangel und die Baumängel an vielen Schulen zu beseitigen. Die Millionen, die für die absolut sinnlose Be-Berlin-Kampagne verpulvert wurden, hätten vieles im Bildungsbereich lindern können.

  11. 11
    prolet says:

    Früher war alles besser!!!???
    Auch ich bin in Moabit zur Schule gegangen, allerdings in die Anne-Frank-Grundschule und auch wir hatten schon Migrantenkinder. War es besser oder war es lediglich anders? Damals gab es fünf Fernsehprogramme (drei West, zwei Ost) und der ganze „Spuk“ fing erst nachmittags an und die Sendungen hatten noch Niveau (Bildungsauftrag des Staatsfernsehens). Seit es Privat-Sender gibt, haben sich die staatlichen auf deren „Niveau“ (sprich intellektuelle Talsohle) hinabbegeben. Die Kiste dudelt rund um die Uhr und eine Mutter sagte mir einmal vor gut zehn Jahren, daß ihre beiden Kinder (damals um die neun Jahre alt) jeweils einen eigenen Fernseher hätten, damit sie nicht nervten. Was ist also anders? Wir haben damals noch gesprochen, und wenn es falsch war, dann wurde verbessert, ob von den Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten. Wir sind spazieren gegangen – wie heißt dieser Baum, darf man diese Früchten essen oder nicht, warum ist denn das Haus da so kaputt?
    Damals konnte man noch sagen: „Lies doch mal die Zeitung“. Das würde ich mir heutzutage verkneifen, denn damals wurden Zeitungen vor dem Druck noch korrekturgelesen, heute würde ich pro Woche einen Rotstift verbrauchen wegen der viele Fehler. „Dann lies ein Buch!“ Das hat aber alte Rechtschreibung, was ist denn nun richtig? Dann vielleicht die Reklame? Denglisch, weder Fisch noch Fleisch. Die Rechtschreibkontrolle vom Computer? Der „Korrektur“vorschlag „Onanierorden“ für Oranierorden ist ja schon ein alter Hut. Wo sind also die guten Vorbilder, denen die Kinder bedenkenlos nacheifern können?
    Das sind nur zwei Beispiele, aber man könnte die Liste der Defizite im Elternhaus und in der Umgebung, die zu immer mehr Defiziten bei der Jugend führen, beliebig fortsetzen. Ich bin zwar auch nicht unbedingt ein Freund von Schulexperimenten (ich habe diesen ganzen, damals modischen Mengenlehrekram bis heute nicht verstanden), aber ich denke, daß z.B. über gemeinsames Singen (Texte lernen und verstehen!) auch bei deutschen Kindern eine spielerische Spracherziehung möglich ist (wohlgemerkt, nicht weil die heutigen Kinder blöder wären, sondern weil sie vom Elternhaus immer weniger dessen mitbekommen, was zu „unserer Zeit“ noch üblich war). Und ich könnte mir vorstellen, daß z.B. mit Beethovens lautmalender Pastorale ein guter Einstieg in Klangbildung, Geräusche, aber auch in das Landleben möglich wäre (die Milch kommt eben nicht aus der Tüte). Außerdem: Wer war dieser grimmig dreinblickende Typ, wie lebte man zu seiner Zeit?
    Ich denke, daß Kinder heutzutage von einer Unmenge von Signalen zugeschüttet werden, daß ihnen – vor allem im Elternhaus – viel zu wenig geholfen wird, damit klarzukommen. Da sehe ich die Form einer musikalischen Erziehung als eine Möglichkeit, mit „den richtigen“ Signalen die Begeisterungsfähigkeit der Kinder für den Unterricht zu nutzen. Denn: Doof geboren wird keiner, doof wird man gemacht.

  12. 12
    skawi says:

    Zu8.
    Niemand fordert ein zurück in die Steinzeit. Ihre Art der Übertreibung ist völlig unangebracht.
    Können sie sich vorstellen, dass es evtl. Kinder gibt, denen diese klassische Musik auf dem Nerv geht und die sich gar nicht mehr konzentrieren können und wollen? Meine Kinder können sich einen solchen Unterricht jedenfalls nicht vorstellen.
    Reicht nicht der Musikunterricht für solche Experimente aus?
    Für mich zählen eh nur die Ergebnisse und wie ich bereits erwähnte, sind die nicht berauschend. Dafür brauche ich keine wissenschaftlichen Beweisstudien, denn das „hört“ man ich auf jeden Schulhof selbst.

  13. 13
    Rané says:

    Im Artikel wurde der 4.11.2011 als Termin für die Vorführung der Ergebnisse genannt. Da würde ich doch den Kritikern empfehlen hinzugehen. Die Musik beinhaltet mehr als nur klassische Musik. So gab es in Moabit auch mal ein „Schrottorchester“.
    Und im Sport kann ich nur das Eltern-Kind-Turnen vom Verein Gutsmuths empfehlen. Da lernen die Kinder schon im Vorschiulallter verschiedene Sportarten kennen. Auch gibt es die „musikalische Früherziehung“, ein Angebot von Volks- und Musikschulen.

  14. 14
    Moabiter says:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/ohne-haerte-geht-es-nicht/4577378.html

    Hier einmal eine interessante Perspektive von Schülern, die Forderungen stellen, die sich viele nicht trauen, öffentlich vorzutragen. Man sollte tatsächlich öfter die Betroffenen fragen.

  15. 15
    Rané says:

    Die Probleme sind nicht erst seit der Rütlischule bekannt: http://de.wikipedia.org/wiki/1._Gemeinschaftsschule Zur Lösung wurden u.a. kreative und sportliche Angebote eingesetzt.

    Aber hier geht es um eine Grundschule und je eher das „soziale Lernen in Gruppen“ einsetzt, desto besser. Bereits bis zu einem Alter von ca. 3 Jahren bilden sich die Grundlagen des Charakters aus. Von daher ist das Vorschulalter auch wichtig, um familiäre und individuelle Defizite auszugleichen.

    Den zitierten Tagesspiegelartikel halte ich für gefährlich, da nicht erläutert wird, was konkret unter „Härte“ verstanden wird. Die Prügelstrafe ist ja zum Glück abgeschafft, problematisch ist aber der „Körperkontakt“ bei Streitschlichtung, da es Eltern gibt, die einen Lehrer anzeigen, wenn er zwei prügelnde Schüler auseinanderbringen will und Worte nicht ausreichen.

  16. 16
    Moabiter says:

    Warum der Artikel im Tagesspiegel „gefährlich“ sein sollte, verstehe ich nicht. Und was die Schüler vorschlagen, ist alles andere als unklar, sondern sehr konkret und sogar umsetzbar, auch wenn es manchem nicht gefallen sollte:

    „Mancher Zuhörer musste schon ein bisschen schlucken, welche Lösungen die Jugendlichen vorschlugen, um die Probleme ihrer eigenen Schülergruppe zu lösen: Lehrer sollten autoritärer sein, Schwänzen sollte am besten mit Kindergeldentzug bestraft werden. Die Justiz müsste kriminelle Jugendliche schneller und härter bestrafen und schließlich, weil Deutschkenntnisse den Schülern zufolge entscheidend für alles Weitere sind, sollte nicht nur der Kindergartenbesuch Pflicht werden – sondern auch die Eltern müssten dazu verpflichtet werden, Deutsch zu lernen.“

  17. 17
    Rané says:

    Wer lesen kann, ist im Vorteil. Mein Link zur Rütlischule beinhaltet incl. der sehr informativen Querverweise fast alles zur Problematik. Der Artikel vom Tagesspiegel, vermutlich von einem Praktikanten geschrieben, ist platt und oberflächlich.
    „In der Regel verbringen Politiker, Sozialarbeiter, Soziologen und auch Journalisten viel Zeit damit, über diese Jugendlichen zu sprechen statt mit ihnen.“ Allein diese unhaltbare Behauptung auf Soziologen und Sozialarbeiter bezogen, hat Bildzeitungsniveau.
    Man sollte diesen Artikel den entsprechenden Fachgremien zur Gegendarstellung vorlegen. Aber vielleicht wurden die Schüler auch, wie bei der Rütlischule, für ihre Äußerungen bezahlt. Da gabs 50,- bis 100,- € für einen Steinwurf, bezahlt von einem privaten Sender (alles im RBB-Archiv). Und allen, die hier nur unqualifiziert daherlabern, empfehle ich an einem Nachmittag, sich die ganzen Talkshows bei den privaten Sendern anzuschauen. Viel gefährlicher als alle „Gewaltspiele“ zusammen, weil realitätsnah. Und diesen Schrott ziehen sich viele rein und übernehmen die Fäkalsprache.

  18. 18
    Rané says:

    Noch ein Nachtrag zu den Medien: Peter Gabriel hat das alles im Milleniumskonzert 2000 in Mailand in seinem Lied: Barry Williams Show zusammgefasst. In this millenium we can say „vou are what you see“.
    Dem ist absolut nichts hinzuzufügen !!!

  19. 19
    Rané says:

    Hier ist der Text, der beste zur globalen Entwicklung:

    Let’s go

    One man at the window
    One girl at the bar
    Saw that look of recognition
    When they know just who you are
    I seen you on the tv
    I seen you on that show
    You make the people crazy
    And then you let them go

    Before the show we calm them
    We sympathise, we care
    And the hostile folk we keep apart
    ‚til the red light says ‚on air‘
    Did you see our leather lovers
    All tied up to the chair
    Did you catch those child molesters
    No one else goes there

    What a show, the barry williams show
    What a show,
    Dysfunctional excess
    Is all it took for my success
    The greater pain that they endure
    The more you know the show will scored
    It’s showtime

    Got the reputation of a surgeon
    ‚cos they cannot feel the cut
    It looks so very simple
    But it really is an art
    They call our studio ‚the hospital‘
    Making money from the sick
    We let people be themselves
    There is no other trick

    ‚my lover stole my girlfriend‘
    ‚i keep beating up my ex‘
    ‚i want to kill my neighbour‘
    ‚my daughter’s selling sex‘
    ‚my s/m lover hurt me‘
    ‚my girl became a man‘
    ‚i love my daughter’s rapist
    ‚my life’s gone down the pan‘

    What a show, the barry williams show
    The barry williams show
    Dysfunctional excess
    Is all it took for my success
    And when the punches start to fly
    The ratings always read so high
    It’s showtime

    ‚that girl has got no scruples‘
    Not a wrinkle on her face
    You would not believe the plot she conceived
    So they’d let her take my place
    Well, no man is an island
    No man is a sea
    But this display of emotion
    Is all but drowning me

    What a show, oh what a show
    On my show, the barry williams show
    It’s my show
    What a show
    Dysfunctional excess
    Is all it took for my success

    The best tv you’ve ever seen
    Where people say the things that they really mean
    I hear my name, i hear them roar
    For the one more time i take the floor
    Just one more barry williams show
    We’re gonna take you where you want to go
    It’s showtime

    Come on down
    Come on down

  20. 20
    Redaktion says:

    Ob Liedtexte hier überzeugen. Vielleicht besser hingehen und ansehen:
    Man muss auch nicht bis zum 4.11. warten, an dem die Ergebnisse der Musikalischen Grundschule in der KTG vorgestellt werden.
    Am 14. und 15. September gibt es die „Tage der Moabiter Schulen“ mit Unterrichtsbesuchen, offnen AGen usw., damit Eltern und künftige Schüler/innen die Schulen im Bezirk kennenlernen können.
    Mehr Infos unter:
    http://www.bildungsnetzwerk-moabit.de/Willkommen.html

  21. 21
    Moabiter says:

    @ Rané

    Wie kann man nur so unglaublich rechthaberisch und arrogant sein.

    Ich finde es jedenfalls bemerkenswert, dass die Schüler derart konkrete Forderungen stellen, die sich in der Politik niemand traut anzugehen. Und wenn Soziologen und Sozialarbeiter schon alles wissen und alle anderen völlig unqualifiziert sind, wie Sie schreiben, dann frage ich mich, warum sich die Situation an den Schulen nicht schon längst geändert hat. Ich glaube vielmehr, dass viele nicht damit klar kommen, dass inzwischen selbst Schüler mehr Autorität auf Seiten der Lehrer einfordern. Da gibt man lieber den bösen Medien die Schuld und stellt die absurde Behauptung in den Raum, die Schüler könnten für ihre Aussagen bezahlt worden sein. Manchmal hilft Denken oder Umdenken.

  22. 22
    K. S. says:

    Irgendwie sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Gejammere „Lehrer brauchen mehr Autorität“ (was ja nicht falsch ist) und einer verstärkten Heranführung Jugendlicher an klassische Musik, einige Statements hier klingen ja so, als ob anspruchsvolle Musik einschließlich des Ausprobierens von Instrumenten automatisch die Autorität der Lehrer untergräbt. Das bezweifle ich …

  23. 23
    skawi says:

    Zu 21.
    Ja, einige Leute haben das „Rechthaben“ eben mit Löffeln gefressen. Sie respektieren keine anderen Meinungen, nur was sie sagen ist richtig. Fällt dir das jetzt erst auf,Moabiter? Ich jedenfalls, stimme dir zu.
    22.
    Lehrer brauchen nicht nur mehr Autorität, sondern insbesondere mehr Rückhalt von der Schulbehörde und den Eltern.
    Wer hat geschrieben, daß die Musik die Autorität untergräbt?

  24. 24
    Rané says:

    zu 20
    Hingehen bzw. der direkte Kontakt ist immer besser. Und sich möglichst aus unterschiedlichen Quellen zu informieren, sollte zum Bildungsstandard gehören. Was die TV-Medien betrifft, kann ich den Film „Free Rainer“ empfehlen.
    Und noch eine letzte Stellungnahme. Um ein Problem zu lösen, sollten die Ursachen herausgefunden werden. Da gibt es viele Faktoren und nicht nur der „Mangel an Autorität“ der Lehrer.

  25. 25
    Moabiter says:

    @ skawi

    Vielen Dank für die Zustimmung! Die erfährt man hier eher selten … wenn man nicht zum „inner circle“ gehört.

    Und was das musikalische Projekt an der Kurt-Tucholsky-Grundschule angeht, wünsche ich den Projektmachern viel Erfolg. Niemand hier hat die aberwitzige Behauptung aufgestellt, dass das Ausprobieren von Instrumenten die Autorität der Lehrer untergräbt. Im Gegenteil, das Erlernen eines Instruments kann zur Ausbildung von Grundtugenden beitragen, die man auch sonst im Leben ziemlich sicher braucht. Da kann man nämlich schnell feststellen, dass sich ohne regelmäßiges Üben auch keine Freude am Spielen einstellt. Nur mit Kreativität ist nämlich nicht getan.

    „Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit“ (Karl Valentin)

  26. 26
    Susanne says:

    Schüler_innen der KTG haben eine Preis für ihr soziales Engagement erhalten:
    http://www.moabit-ost.de/SCHULE-Kurt-Tucholsky-Grundschule-ganz-Vorne.876.0.html

  27. 27
    Susanne Torka says:

    Über ein weiteres schönes Projekt der Kurt-Tucholsky-Grundschule berichtete die Berliner Woche:
    http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-mitte/moabit/artikel/12647-moabiter-schueler-gestalteten-ihr-klassenzimmer-neu/

    Mehr praktische Fähigkeiten ausüben und auch anerkennen tut Schule bestimmt gut.

  28. 28
    Susanne Torka says:

    In der Kurt-Tucholsky-Grundschule haben die Künstlerinnen von Daily Bread wieder ein wunderbares Kunstprojekt mit den Kindern gemacht: Hempels Sofa. Zuhause in der Schule (siehe Nachtrag). Hier mehr:
    http://hempels-sofa.blogspot.de/

  29. 29
    Susanne Torka says:

    heute als Info vom QM Moabit-Ost angekommen:

    Großes Lob

    Die Kurt-Tucholsky-Grundschule (KTG) erkämpfte sich vor 3 Jahren – mit Unterstützung des Quartiersmanagements – den Titel „Musikalische Grundschule“ – als erste im Bezirk Mitte. Ihr Konzept heißt: täglich musizieren, singen und tanzen. Das klappt so gut, dass immer mehr Eltern ihre Kinder dort anmelden. Am 24. Juni erhält die Schule zum 2. Mal die begehrte Plakette. Staatssekretär Mark Rackles wird sie eigenhändig im festlichen Rahmen an Schüler und Lehrer überreichen.

  30. 30
  31. 31
    Moamamba says:

    Schulerweiterung statt Wohnungen. In die Kruppstrasse sollen nur drei bis vier Klassen kommen.
    Eine absurde Idee.Die Schule hat schon vor Jahren einen Plan zum Umbau vorgestellt.
    Es soll einfach ein Stockwerk auf den vorhandenen Flachbau aufgesetzt werden.

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