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Bau der Kanäle und Häfen rund um Moabit

Dass Moabit eine Insel ist, die nur über 25 Brücken erreicht werden kann, fällt im Alltag kaum auf. Heutzutage wertet die Spree im Süden den Stadtteil auf, denn Wasserlagen sind beliebt. Fast durchgehend wird sie begleitet von Erholungswegen und Radverbindungen, die zum Teil erst in den vergangenen 20 Jahren hergestellt wurden. Auch am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal kann man seit der Wiedervereinigung wenigstens auf dem östlichen Ufer entlangspazieren und auch der Charlottenburger Verbindungskanal bietet in Teilen Ruhe und Erholung. Das war nicht immer so. Denn Kanäle und Häfen dienten dem Güter- und Warenumschlag.

Die Geschichtswerkstatt Tiergarten beschäftigt sich im Frühjahrssemester der Volkshochschule an vier Dienstagen mit den Kanälen und dem Westhafen (Referent: Dr. Ulrich Cimiotti), die folgenden vier  Termine sind dann dem Eisenbahnbau gewidmet. Hier finden Sie das ganze Programm im Überblick. Start ist der 24. Januar um 16:30 Uhr im Nachbarschaftstreff, Rostocker Straße 32b.

Die Geschichte der Stadt Berlin ist eng mit der Spree verbunden, Gräben und Flussregulierungen und damit auch die Geschichte des Kanalbaus ibeginnen früh. Der Mühlendamm wird schon vor 1300 urkundlich erwähnt. Zur Erleichterung der Schifffahrt wird 1550 eine Kammerschleuse im Köllnischen Stadtgraben gebaut. Etwa 50 Jahre später wird unter drei Kurfürsten der Finowkanal gebaut (Bauzeit 1605-1620), der im 30jährigen Krieg wieder zerstört wird (Neubau 1744-46). Eine ausführliche Liste der Berliner und märkischen Wasserstraßen findet sich beim Waser- und Schifffahrtsamt (WSA).

Die erste Idee für eine Kanalverbindung von Spree und Oder hatte bereits 1373 König Karl IV. , als er gerade die Mark Brandenburg erworben hatte und sie mit seinen anderen Ländern Böhmen, Mähren und Schlesien wirtschaftlich verbinden wollte. Nach seinem Tod geriet der Plan wieder in Vergessenheit und erst 1688 wurde der Friedrich-Wilhelm-Kanal feierlich eingeweiht (Bauzeit 1663-93). Der Große Kurfürst hatte den Kanalbau gegen Widerstände durchsetzen müssen. 200 Jahre blieb er in Betrieb bis die Industrialisierung neue Wege erforderte, den Oder-Spree-Kanal (Bauzeit 1886-91). Pdf beim WSA herunterzuladen.

Wasserstraßen, die uns im Rahmen des Volkshochschulkurses Geschichtswerkstatt beschäftigen werden, sind die beiden Kanäle, die Moabit im Osten, Norden und Westen umschließen. Natürlich auch Humboldthafen und Nordhafen und die viel spätere Anlage des Westhafens. Wer Einzelheiten über die Geschichte der Berliner Wasserstraßen sucht, findet eine Menge wird beim WSA, Texte mit vielen Karten und Fotos interessant gestaltet: Geschichte des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals (Bauzeit 1847-59), des Charlottenburger Verbindungskanal (Bauzeit 1866-75) und des Westhafenkanal (Bauzeit 1953-56).

Der Westhafen als zweitgrößter Binnenhafen Deutschlands konnte erst nach dem 1. Weltkrieg fertiggestellt werden (Bauzeit 1914-27). Über die Eröffnung am 23. September 1923 berichtet Hans Aschenbrenner in der Berlinischen Monatsschrift von 1998. In der Berliner Denkmalliste sind die einzelnen denkmalgeschützten Gebäude genauer beschrieben. Der VHS-Kurs Geschichtswerkstatt Tiergarten wird sich auch mit dem wirtschaftlichen auf und ab der Binnenschifffahrt beschäftigen. Hier noch der Link zu Seite der BEHALA, der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH. Im ehemaligen Getreidespeicher ist die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek untergebracht.

Die Fotos in diesem Artikel sind auf einer Rundfahrt um Moabit mit dem Solarboot Solon aufgenommen, die im Rahmen des Förderprogramms Stadtumbau West im Herbst 2009 organisiert wurde.

Lesen Sie auch die Reportage von Hans W. Korfmann über den Westhafen.

Nachtrag:
Auf der Webseite des QM Moabit-Ost ist ein Besuch des Westhafens beschrieben.

Und jetzt bald ein neuer Event-Ort im Kornspeicher (Berliner Zeitung).

Auch in diesem rbb-Beitrag „Gala-Dinners an Berlins Hafenkante“ ging es um die neue Event-Location, mit historischen Aufnahmen vom Westhafen und Urban-Hafen. WECC Webseite (Westhafen Event & Convention Center).

Nachtrag vom 20. Mai 2016
Die Berliner Zeitung vermeldete am 19. Mai 2016 in der Bildunterschrift des Artikels »2100 Arbeitsplätze – In Berlin und Brandenburg droht 33 Frachtbahnhöfen das Aus«, dass die Bahn-Güterverkehrsstelle am Berliner Westhafen geschlossen werden soll. Auch »moabit.net« verkündete die bevorstehende Schließung. Tatsächlich listet die DB Cargo in einem MoabitOnline vorliegendem Papier vom März 2016 als Güterverkehrsstellen, an denen vorbehaltlich der Diskussion mit Kunden, Gremien und Politik die Bedienung eingestellt werden soll, u.a. die Güterverkehrstellen Berlin Westhafen und Berlin Moabit an. Nicht benannt in dem Papier wird jedoch der Bahnhof Berlin HuL (Hamburg und Lehrter Güterbahnhof), über den ja zwangsweise die Rangierfahrten zum Güterbahnhof Westhafen (und zum Kraftwerk Moabit) erfolgen.

Die BEHALA, die der tatsächliche Betreiber des Güterbahnhofs Westhafen ist, dementierte auf Nachfrage von MoabitOnline, dass der Güterbahnhof Westhafen geschlossen werden soll. Es könne lediglich sein, dass die wenigen Fahrten der DB Cargo zum Westhafen entfallen würden. DB Cargo ist nur einer von vielen Anbietern von Güterverkehr.

Der HuL war 2015 entsprechend den Plänen zur Erweiterung der Kapazität zur Belieferung des Bahnhof Westhafen ausgebaut, wenn auch noch nicht elektrifiziert worden.

weitere Nachträge:
Kunstwerk für Menschenrechte im U-Bahnhof Westhafen übersprüht (Berliner Morgenpost, rbb-online)

5 Kommentare auf "Bau der Kanäle und Häfen rund um Moabit"

  1. 1
    H. E. says:

    Bedauerlich ist nur, dass nicht genug unter Denkmalschutz steht, so z. B. das schöne geradezu klassische Stück des Charlottenburger Verbindungskanals zwischen Kaiserin-Auguste-Allee und Sickingenstraße, das die Abt. Stadtentwicklung von Mitte nun durch die Rampe für den Siemens-Turbinen-Transport für alle Zeiten verhunzen wird.

  2. 2
    prolet says:

    Dazu noch zwei Literaturtips (nix für die Generation Google, sind echte Bücher):
    1) Natzschka, Werner: Berlin und seine Wasserstraßen, Berlin 1971. Der Schwerpunkt liegt auf Berlin selbst.
    2) Uhlemann, Hans-Joachim: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen, Berlin 1987. Die Berliner Wasserstraßen werden hier als Teil innerhalb des Gesamtsystems beschrieben.

  3. 3
    H. E. says:

    Weiß jemand, wozu auf beiden Seiten des Charlottenburger Verbindungskanals im Bereich der Behala-Rampe gebaut wird?
    Es gibt kein Bauschild, obwohl die Bezirksämter Mitte und Charlottenburg eigentlich dafür sorgen müßten.

  4. 4
    Andreas Szagun says:

    Es gibt sehr wohl ein Bauschild, wenn auch kein riesengroßes, sondern eines im Format DIN A 4, und zwar auf Charlottenburger Seite. Es wird dort ein alter Gasdüker, also eine Gasleitung unterhalb des Kanals, „zurückgebaut“ (oberirdisch war er immer durch die diversen Schieberdeckel und nicht zuletzt durch die Verkehrsschilder „Ankern verboten“ zu erkennen). Bauzeit soll vom 29.06.2015 bis zum 27.11.2015 sein, Bauherr ist die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg GmbH.

    Diese Gasleitung ist in Zusammenhang mit dem Charlottenburger Gaswerk beiderseits des Kanals zu sehen, denn bis zur südlichen Beusselstraße gehörte dieses Moabiter Gelände früher zur eigenständigen Stadt / zum Stadtbezirk Charlottenburg, bis 1938 die Bezirksgrenzen mit Ausnahme des Gaswerkgeländes (das heute noch zu Charlottenburg gehört) neu gezogen worden sind.

  5. 5
    Andreas Szagun says:

    Zum Nachtrag (angebl. Schließung des Bf Westhafen) wäre noch anzumerken: DB Cargo alias DB Schenker Rail alias DB Railion alias DB Cargo, das Unternehmen hat also wieder seinen „ursprünglichen Namen aus der Zeit der Divisionalisierung der Bahn. Egal, wie der Laden heißt, er macht enorme Verluste. Zurückzuführen sind diese auch unter anderem durch die ständigen Rückbauten der Bahnhöfe und Strecken, die z.B. der Pünktlichkeit abträglich sind. Angefahren wird der Bahnhof auch von der Spedition Zippel (das ist eigentlich eine Lkw-Spedition), von der französichen Staatsbahntochter FRET, von der schweizerischen SBB-Cargo und noch von einigen anderen. Europa machts möglich – und DB Cargo hat Probleme, weil sie zwar Loks hat, die mit verschiedenen Stromsystemen klarkommen, aber z. B. in der Schweiz nicht dort fahren dürfen, wo die Schweizer das EU-Signalsystem ETCS eingebaut haben, während es auf etlichen DB-Loks fehlt … (Die Schweiz ist bekanntlich nicht in der EU, die BRD schon).

    Die Lberalisierung im Eisenbahnverkehr bedeutet übrigens auch, daß sich ein Eisenbahnverkehrunternehmen (EVU) – als Bürofirma – für einen Transport bewirbt, dafür Wagen des Vermieters X, eine Lok des Vermieters Y und einen Lokführer des Vermieters Z zusammensucht (es soll sogar schon „selbständige“ Lokführer geben!) und damit einen „Transport aus einer Hand“ fährt.

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