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Straßenbahnverlängerung bis U-Bahnhof Turmstraße

Bürger und Experten diskutieren Trassenvarianten.

Rund ein Jahr nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im Stadtteilplenum Moabit West die Ergebnisse einer Untersuchung zur Trassenbewertung von Varianten zur Verlängerung der Straßenbahnverbindung vom Berliner Hauptbahnhof bis zum U-Bahnhof vorgestellt hatte, präsentierte die Senatsverwaltung am 5. März 2015 in der Heilandskirche vertiefende Untersuchungen zu den zwei grundsätzlichen Varianten der Streckenführung zum vorläufigen Endpunkt und bot anschließend den über 100 Besuchern – größtenteils aus Moabit, aber auch weiteren am Fachthema interessierte Menschen, nicht zuletzt von BVG und Fahrgastverband – die Möglichkeit in Einzel- und Gruppengesprächen mit anwesenden Planern Fragen zu den beiden vorgestellten Trassenvarianten zu stellen, ihre Meinungen kundzutun und Anstöße für weitere fachliche Betrachtungen zu geben. Denn die ursprüngliche Trassenbewertung der Vor- und Nachteile der einzelnen Trassen, hatte keinen klaren Trassenfavoriten ausgewiesen, zudem beinhaltete sie auch nicht eine Bewertung der später beabsichtigten Weiterverlängerung über den U-Bahnhof Turmstraße hinaus. Der Stadtentwicklungsplan Verkehr 2025 (StEP) der Senatsverwaltung beinhaltet als „Infrastruktur-Langfristvorhaben“ eine Weiterführung der Straßenbahnstrecke über die Turmstraße – Beusselstraße – Seestraße bis Virchow-Klinikum, wo sie an die bestehende Straßenbahnstrecke kommend von der Bornholmer Brücke anschließt. Nicht im StEP, aber auch in Diskussion, ist eine Weiterführung nach Charlottenburg bis Mierendorffplatz / Jungfernheide.

Nach einer Darstellung zum Ablauf und den Beteiligten eines Straßenbahnplanungsverfahrens durch Dr. Imke Steinmeyer, verantwortlich in der Senatsverwaltung für Grundsatzangelegenheiten der Verkehrspolitik und Verkehrsentwicklungsplanung präsentierte Matthias Horth, Leiter der für den ÖPNV zuständigen Abteilung der Senatsverwaltung, die Überlegungen der Fachplaner:

Straßenbahn in Invalidenstraße

Wo die Linie M5 nach links in die Kehrschleife abbiegt, wird die Linie M10 nach der Streckenverlängerung bis U Turmstraße nach rechts in Alt-Moabit weiterfahren

Befahren werden soll die Strecke im 10-Minuten-Takt von der Linie M10. Die Linien M5 und M8 werden dagegen nicht bis zum U-Bhf. Turmstraße verlängert, sondern weiterhin die Kehrschleife über die jetzige Endhaltestelle „Lüneburger Straße“ in Alt-Moabit zurück fahren.

  • Die Trassenvariante 1 „Turmstraße“ führt vom Hauptbahnhof über die Invalidenstraße – Alt-Moabit, Rathenower Straße und Turmstraße bis zum U-Bahnhof Turmstraße. Die Streckenlänge beträgt 2,2 km, Bahnkörperanteil 75%, 5 neue Haltestellen (einschließlich Lesser-Ury-Weg) vom Hauptbahnhof bis U-Bhf. Turmstraße, Kosten 19,6 Mio. €.
  • Die Trassenvariante 2 „Alt-Moabit“ führt vom Hauptbahnhof über die Invalidenstraße und Alt-Moabit bis zur U-Bahnhof Turmstraße in Alt-Moabit. Die Streckenlänge beträgt 2,1 km, der Bahnkörperanteil 60 %, die Kosten 18,5 Mio. €, auf dieser Strecke sind nur 4 neue Haltestellen (wiederum einschließlich Lesser-Ury-Weg) vorgesehen.

Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für beide Trassenvarianten habe die Wirtschaftlichkeit ergeben, so Matthias Hort. Er stellte anschließend verschiedene Problemstellungen der Planer dar: Schon bei der in beiden Trassenvarianten enthaltenen Tram-Haltestelle am Lesser-Ury-Weg wird beim Einbau des zweiten Gleises kommend von der Invalidenstraße eine Veränderung fällig: auf Grund gesetzlicher Änderungen ist nunmehr eine barrierefreie Haltestellenausführung zwingend vorgeschrieben.  Für die im weiteren Verlauf der beiden Grundvarianten stellte Horth zu Details der Aufteilung des Straßenraums  und Ausführungsvarianten der künftigen Haltestellen und auch der notwendigen Kehreinrichtungen hinter den jeweiligen End-Haltestellen am U-Bhf Turmstaße  dar, bevor  in zwei Gruppen anhand der Planunterlagen beider Trassenvarianten in Einzel- und Gruppengesprächen die Planer Fragen beantworteten, Meinungen notierten und auch etliche zusätzliche Anregungen für weitere vertiefende Betrachtungen aufnahmen.

Nicht in der ursprünglichen Bewertung für die beiden vorgestellten Trassenvarianten enthalten ist die Betrachtung der Verlängerungsmöglichkeit weiter durch die Turmstraße. Dies ist jedoch aufgrund der unterschiedlichen Endhaltestellenlagen am U-Bahnhof Turmstraße notwendig. Denn während die Variante 1 „Turmstraße“ die Strecke einfach durch die Turmstraße weitergeführt werden kann, müsste bei der Variante 2 „Alt-Moabit“ von der in Alt-Moabit gelegenen Haltestelle U-Turmstraße die Straßenbahn durch die Thusnelda-Allee in die Turmstraße geführt werden –  es sei denn, man wollte die Straßenbahnen gar über die hoch mit Verkehr belastete Stromstraße von Alt-Moabit auf die Turmstraße führen. Die Thusnelda-Allee ist jedoch zu kurz, als das die Straßenbahn beim Wechsel zwischen Alt-Moabit und Turmstraße bei einem notwendigen Halt zwischen die Fußgänger-Ampelquerungen von Alt-Moabit und Turmstraße passt – daher müssten die Ampelanlagen jeweils eine direkte Durchfahrt durch die Thusnelda-Allee ermöglichen. Die Betrachtung dieser Problemstellung, aber auch zur Erschließungsfunktion von Wohngebieten, Geschäften, Krankenhaus und Gerichtsstandort, Büros und anderen Betrieben, der geringeren Behinderung der Straßenbahn durch den motorisierten Individualverkehr – z.B. bei Variante 2 „Alt-Moabit“ an der Einengung von Alt-Moabit in Bereich der Kirchstraße – ergaben in der Bewertung durch die Besucher der Veranstaltung ein deutliches Votum für die Trassenvariante 1 „Turmstraße“.

Die Mitarbeiter der Senatsverwaltung zeigten sich beeindruckt von der hohen fachlichen Qualität in den Gesprächen mit den Veranstaltungsteilnehmern. Und so nahm Matthias Horth nicht nur das deutliche Votum für die Variante 1 „Turmstraße“ mit zurück in die Senatsverwaltung, sondern will auch verschiedene konkrete Anregungen fachlich überprüfen lassen: So soll die Idee, auf einem Teilstück die Straßenbahn statt in Mittellage in Seitenlage zu führen und so die Umsteigesituation zur U9 zu verbessern, als Alternative geprüft werden. Auch eine Verschiebung der Lage der Haltestelle Turmstraße Ecke Rathenower Straße hin zum Abschnitt zwischen Pritzwalker- und Wilsnacker Straße wird im Hinblick auf eine verbesserte Erschließung betrachtet werden. Und auch eine Betrachtung der vom Investor des Schultheiss-Areals geplanten Tiefgarageneinfahrt wird noch betrachtet, wenngleich dieses Problem nicht als gravierend eingeschätzt wird. Nicht zuletzt mahnten Teilnehmer auch an, umgehend auch die Planung für die Weiterführung der Straßenbahn über U-Bahnhof Turmstraße hinaus anzugehen.

Die Senatsverwaltung will die in der Veranstaltung gezeigte Präsentation und auch die Dokumentation zur Veranstaltung über die Website des „Aktives Zentrum Turmstraße“ bereitstellen lassen.
Wer sich schon vorab einen Eindruck verschaffen möchte, findet Reproduktionen der Präsentation und von den ausgestellten Planunterlagen unter diesem Link eines Veranstaltungsbesuchers.

Der frühere Artikel „Straßenbahn nach Moabit“ anlässlich der Vorstellung einer BUND-Präsentation im Mai 2009 beim Stadteilplenum Moabit und Nachträgen enthält die bisherigen Kommentare zum Thema Straßenbahn nach Moabit.

Nachtrag:
Antrag von CDU und SPD zur Straßenbahnverlängerung (Drs. 1983/IV) für die BVV vom 19.3.15.

Die Präsentation der Senatsverwaltung wurde am 9.4.15 auf der Website des „Aktives Zentrum Turmstraße“ bereit gestellt.

Die Entscheidung ist für die Trasse durch die Turmstraßen gefallen (Berliner Zeitung).

Ein neuer Vorschlag für die Weichen und Haltestelle Turmstraße (Berliner Woche).

Jetzt hat der BUND Berlin e.V. einen Vorschlag für die Trassenführung auf Rasengleis in südlicher Seitenlage auf der Turmstraße von Rathenower Straße bis U-Bahnhof Turmstraße einschließlich der Kehreinrichtung und der Verlängerungsmöglichkeit z.B. bis S/U Jungfernheide (über Huttenstr. – Wiebestr. – Kaiserin-Augusta-Allee) veröffentlicht. Im Artikel sind für an mehr Information drei PDF-Datei dazu verlinkt: BUND-Alternativvariante Turmstraße, Karte BUND-Variante Turmstraße, Abb. Querschnitt Turmstraße

Artikel im Tagesspiegel und die Berliner Woche über das weitere Procedere.

Berliner Morgenpost schreibt „Tram durch die Turmstraße ab 2020“.

Tagesspiegel zur Straßenbahnstrecke nach Moabit, aber dieser Satz ist etwas merkwürdig: „Jahrelang wurde diskutiert, ob die Gleise durch die Invalidenstraße oder die Turmstraße nach Moabit verlängert werden.“

112 Kommentare auf "Straßenbahnverlängerung bis U-Bahnhof Turmstraße"

  1. 101
    Vilmoskörte says:

    Auf dem Abschnitt der Straße Alt-Moabit zwischen Invalidenstraße/Werftstraße und Rathenower/Paulstraße steht ein zugewucherter Mittelstreifen für die Straßenbahntrasse zur Verfügung, so dass keine Fahrspur für die Straßenbahn umgewidmet zu werden braucht.

  2. 102
    Andreas Szagun says:

    Dieser zugewucherte Mittelstreifen war auch früher schon Straßenbahntrasse, dort trafen sich die Strecken von der (Turmstraße -) Rathenower Straße und von Alt-Moabit sowie von der Invalidenstraße und von der Moltkebrücke. Zudem gab es dort noch einen Abzweig in die Werftstraße (damalige Endhaltestelle). Deshalb ist dieser von den zwei mal zwei Fahrspuren für den Kfz-Verkehr (+Parkstreifen!) völlig unabhängige Bereich so groß und für heutige Zwecke wieder nutzbar. Ein ehemaliges Wartehallengebäude aus der alten Zeit ist dort vor etlichen Jahren abgerissen worden.

  3. 103
    H. E. says:

    Wie schön, dass die Tram den ganzen großen Rest der Straße Alt-Moabit nicht berührt und dass sie wahrscheinlich (hoffentlich) nie weiter kommt als bis zum U-Bahnhof Turmstraße.

  4. 104
    H. E. says:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/neubauplaene-in-mitte-der-spreebogen-berlins-beletage/13917776.html
    In diesem Artikel ist ein Foto aus alter Zeit, dass zeigt, wie leer und gemütlich es auf Berliner Straßen mit Straßenbahn aussah, als eben diese groß wurde – und warum Straßenbahnen auf heutigen Straßen ohne Mittelstreifen m. E. nichts mehr zu suchen haben.

  5. 105
  6. 106
    Martin D. says:

    Vom Bedarf her müßte die Tram gleich bis Turm/Beusselstr. geplant und gebaut werden

  7. 107
    Franz says:

    @105
    Wieder einmal eine typische Milchmädchenrechnung: Normalerweise handelt es sich nicht um Neukunden, die mit der Tram fahren, sondern lediglich um „Umsteiger“; also Fahrgäste, die früher vielleicht noch einmal das Verkehrsmittel wechseln mussten, bevor sie ihr Fahrziel erreicht haben. Vom Hauptbahnhof zur U Eberswalder Straße z.B. dauert es jetzt (nonstop) 13 Minuten am Sonntagabend mit der M10. Vor der Straßenbahnverlängerung sind die Menschen 3 bzw. 4 Minuten länger gefahren und mussten am Hackeschen Markt in die Tram oder am Alex in die U-Bahn umsteigen. Dass man letztlich die Direktverbindung bevorzugt, hat aber nichts mit Schienenbonus zu tun, sondern ist einfach logisch, weil man sich einen zusätzlichen Umsteigevorgang spart; ein großer Zeitvorteil ist jedenfalls nicht gegeben, deshalb hätte es den Streckenneubau aus Sicht der M10 auch nicht gebraucht. In jedem Fall sinkt aber die Auslastung auf den Linien, die früher anstelle der Direktverbindung genutzt wurden. Auch logisch.

    So oder so komme ich mit der S-Bahn immer noch am schnellsten nach Friedrichshain (zur Warschauer Straße), das ist Fakt (13 Minuten vom Hauptbahnhof). Mit der Tram dauert die Fahrt dorthin fast dreimal so lang. Den zahlreichen Touristen kommt die M10 vom Hauptbahnhof (und den zahlreichen Hotels dort) zu den Hotspots am „Prenzelberg“ natürlich ganz gelegen. Als ich gestern Abend am Hauptbahnhof vorbeigefahren bin, wurde dort übrigens nur ein M10-Kurzzug eingesetzt. Irgendwie komisch.

  8. 108
    A.B. says:

    Gestern in der Abendschau,
    hört sich so an, als ob die Straßenbahn erst bis zum U-Bahnhof Turmstraße, über Turmstraße, und dann über Mierendorffplatz nach Junfernheide geführt würde, in den nächsten fünf Jahren…

    http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/03/berlin-ausbau-oeffentlicher-personen-nahverkehr-u-bahn-tram-s-bahn.html

  9. 109
    H. E. says:

    Diese Zacken und Kurven und blockierten Kreuzungen und langsames Fahren ! Und welch Chaos mit den restlichen Buslinien und bei der Mall of Schultheiss !
    Warum nicht Alt-Moabit gerade herunter und dann weiter die Kaiserin-Augusta-Allee bis U-Bahnhof Mierendorffplatz ? Das sind breite Straßen und teilweise gibt’s sogar einen Mittelstreifen ? Und Mensch kann doch wohl von der Turmstraße bis Alt-Moabit laufen !? Auf der engen Turmstraße und der Huttenstraße könnte man ja auch einen Batterie-Elt-Bus hin- und herfahren lassen, wenn die nach Eröffnung der Mall of Schultheiss überhaupt noch als Geschäftsstraße bezeichnet werden kann.
    Evt. für jede zweite Tram ein Abzweig die gesamte Beusselstraße runter bis zum S-Bhf. Beusselstraße ?
    Und was ist mit der Huttenstraße, gibt es dann dort eine Buslinie ab Beusselstraße mit drei Haltestellen ?
    Und warum von Mierendorffplatz bis Jungfernheide parallel zur U-Bahn, hat Berlin zu viel Geld ? Der M 27 ist da immer fast leer, weil die meisten schon am Mierendorffplatz in die U-Bahn umsteigen ! Zur S-Bahn käme man dann halt bereits über den Anzweig Beusselstraße oder eben mit der U-Bahn !

  10. 110
    A.B. says:

    Hi Hi, der Mensch denkt und die Politik lenkt….
    Es war immer die Rede davon, dass die Straßenbahn wie früher zur Beusselstraße fahren sollte, und irgendwie zum Plötzensee, bzw. dran vorbei, deshalb auch die Route über die Turmstraße, was ja Sinn macht.
    Es gab sogar eine Veranstaltung dazu, und da war von nichts anderem die Rede – Mierendorffplatz ?

  11. 111
    ÖPNV-Freund says:

    @ H. E.
    Die Trassenbestimmung war ja nun gerade das Thema bei der Veranstaltung und wurde hier und in einem vorigen Artikel und Verlinkungen schon mit Sachargumenten beleuchtet.

    @ A.B.
    Bitte den letzten Satz des ersten Absatzes vom Artikel noch mal lesen, dort heißt es „… auch in Diskussion, ist eine Weiterführung nach Charlottenburg bis Mierendorffplatz / Jungfernheide.“ Und auch die oben verlinkte Präsentation der Senatsverwaltung enthält bei der Darstellung der Weiterführung zusätzlich zur Darstellung der Fortführung über Beusselstraße zur Seestraße mit Anschluss an die in der Seestraße bestehende Straßenbahn auch die andere Perspektive Richtung Charlottenburg dargestellt durch einen Pfeil. Beide sind schon lange vorgeschlagene sinnvolle Straßenbahnrelationen. Die Verbindung über Mierendorffplatz bis S/U Jungfernheide ist übrigens das westliche Ende einer perspektivisch vorgeschlagenen Straßenbahn bis nach Pankow, als leistungsfähigerer Ersatz der Buslinie M27.

  12. 112

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