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Gemeinsam Wissen sammeln

Die Moabit Crowd Map zur Gentrifizierung

crowd-map2-300Die ersten beiden Jahre lief dieses Kartierungsprojekt im Probebetrieb, nur wenige wussten davon. Seit 2014 geht der Runde Tisch gegen Gentrifizierung damit allmählich an die Öffentlichkeit. Moabiterinnen und Moabiter sind aufgerufen ihr Wissen um Gentrifizierung, Aufwertung und Verdrängung im Stadtteil im Internet zu teilen und zu kommentieren. Dabei geht es darum, Informationen über Hausverkäufe, Umwandlungen in Eigentums- oder Ferienwohnungen, Modernisierungen, Mieterhöhungen, oder Leerstand zusammenzutragen und zu dokumentieren. Gemeinsam geht das besser als alleine oder in einer kleinen Gruppe.

Bereits 2010/11 hatten sich die Mitglieder der Initiative „Wem gehört Moabit?“ die Dokumentation der Eigentümerstruktur in Moabit-Ost auf die Fahne geschrieben und zu diesem Zweck 10.000 Fragebögen in die Briefkästen von 800 Häusern verteilt. Der Rücklauf musste durch eigene Recherchen geprüft werden, was viel Zeit und Kraft in Anspruch nahm. Deshalb wurde die Umfrage auch nie auf ganz Moabit ausgedehnt, obwohl viele sich das wünschten.

crowd-kategorien-250Mit der interaktiven Moabit-Karte kann nun jede/r die konkreten Vorgänge der Gentrifizierung selbst eintragen. Dazu sollte man zuerst die Karte vergrößern (mit dem +) und nachsehen, ob es für die entsprechende Hausnummer bereits einen Eintrag gibt. Ist das der Fall, kann man neue Informationen als Kommentar hinzufügen. Wenn das Haus noch nicht erfasst ist, bitte den grünen Button „Ereignismeldung“ anklicken und los geht’s. Bitte fügt sowohl bei neuen Ereignismeldungen als auch bei Kommentaren möglichst Quellen bei und gebt immer die eigene E-Mailadresse an (wird nicht veröffentlicht), damit diejenigen, die die Einträge freischalten, nachfragen können – schließlich sollen nur überprüfte Daten hochgeladen werden. Ihr könnt auch Fotos hinzufügen (bitte nicht größer als 800 x 600).

Mittlerweile existieren auf dieser Karte bereits über 200 Einträge. Gemessen an den Häusern in Moabit ist das natürlich nicht viel, aber doch schon etwas. Deshalb wünschen wird uns die Crowd, die Menge, die mithilft. Es gibt verschiedene Kategorien, in die die Häuser oder auch Gewerbe eingetragen werden können, insgesamt 14 Unterkategorien: u.a. Eigentümerwechsel (Hauserverkauf), Umwandlung in Eigentumswohnungen, Modernisierung, Mieterhöhungen aufgrund der Kostenmiete, Ferienwohnungen oder Leerstand, wobei auch mehrere gleichzeitig zutreffen können. Bei aktuellen Bauarbeiten ist natürlich nicht immer ersichtlich, ob es sich um Fassadensanierung oder Modernisierung handelt. Was zu erkennen ist, beschreibt möglichst genau. Fassadendämmung bitte unter Modernisierung und Dachgeschossausbau unter Neubau eintragen. Und nicht vergessen, den roten Pfeil auf die richtige Stelle zu schieben. Und dann bitte nicht wundern, wenn es einige Tage dauert, bis eine Meldung oder ein Kommentar hochgeschaltet wird. Das Projekt ist auch bei Open Berlin beschrieben.

Berlinweite Zusammenschau von Stadtpolitik-Kartenprojekten

StadtPolitikPlan_400Nicht nur in Moabit gibt es Initiativen, die sich um Gentrifizierung, Leerstand oder auch Gemeinschaftsgärten kümmern. Im Februar hat das Bündnis „Wir bleiben alle“ eine stadtweite Zusammenschau dieser vielen Projekte veröffentlicht, den StadtPolitikPlan v0.1 (beta), in dem auch die Moabit Crowd Map enthalten ist. Diese Karte ist außerordentlich interessant und vielfältig. Im Kasten rechts oben kann man viele verschiedene Kategorien anklicken und damit weg- oder zuschalten. Und zwar diese: Besetzungen seit 1970 (Berlin Besetzt), Blogroll Stadtpolitik (WBA), Ferienwohnungsdichte (Airbnb vs. Berlin), Gentrifizierung in Moabit (moabit.crowdmap), geplante BImA-Verkaufe (WBA-BImA-Karte), Leerstandsmelder Berlin (Leerstandsmelder), Kiezgärten, Gemeinschaftsgärten und Urban Gardening (Berliner Gartenkarte), Wohnprojekte vom Mietshäuser-Syndikat (in Berlin und Brandenburg), Pankower Mieterprotest (die beteiligten Gesobau-Häuser) und Verdrängung in Kreuzberg (Wem gehört Kreuzberg) . Die Quellenlinks, d.h. die einzelnen Karten oder Listen, sind hier in Klammern angegeben.

buergerbautstadt_aus2Schließlich möchten wir auch noch auf die Webseite „Bürger baut Stadt“ hinweisen, in der die Öffentlichkeitsbeteiligungen bei Bebauungsplänen und Planfeststellungen dokumentiert werden. Und zuletzt: die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN), ein Zusammenschluss von Naturschutzverbänden, dokumentiert hier Beteiligungsverfahren in Umweltfragen.

Nachtrag:
Im Herbst 2015 erarbeiteten Flüchtlinge aus dem Haus Leo der Berliner Stadtmission in Moabit gemeinsam mit den Haus der Kulturen der Welt eine Karte „Arriving in Berlin“ mit relevanten Informationen für Ankommende in englischer Sprache (auch in Farsi, Arabisch und Französisch).

7 Kommentare auf "Gemeinsam Wissen sammeln"

  1. 1

    Huch, jetzt wurde tatsächlich ein Haus aus Tiergarten-Süd eingetragen.
    https://moabit.crowdmap.com/

  2. 2

    Liebe Leute, meldet bitte Umwandlungen, Modernisierungen, Mieterhöhungen …
    Hier ein Artikel aus der Berliner Morgenpost vom 27.4.15 „So stark steigen die Wohnungspreise in Berliner Kiezen!. Die zweithöchste prozentuale Erhöhung verzeichnet ausgerechnet die Beusselstraße mit 187%, allerdings fragen wir uns echt, welche Wohnung dort für über 3.100 Euro/qm weggegangen sein könnte, doch halt, damit ist der gesamte Postleitzahlbezirk 10553 gemeint. Mman kann oben in die Suche die Postleitzahl eingeben und kriegt dann sowohl die Preise von 2010 und heute. Bei der Birkenstraße (d.h. PLZ 10551) sind es z.B. „nur“ 95%.
    http://www.morgenpost.de/grafik/article139572405/So-stark-steigen-die-Wohnungspreise-in-Berlins-Kiezen.html?config=interactive

  3. 3

    Der Mietenvolksentscheid hat mit seinen 50.000 Unterschriften in der ersten Runde so viel Druck erzeugt, dass SPD und CDU am 12. November voraussichtlich das neue Wohnraumversorgungsgesetz beschließen werden.
    Es ist ein erster Schritt, der aber nicht weit genug geht.
    Vor allen Dingen wird das absurde Kostenmietensystem im Sozialen Wohnungsbau damit nicht reformiert, obwohl das dringend nötig ist, wie der neueste Verdrängungsgau im Wedding – Mieterhöhungen von 6 auf 12 Euro in der Koloniestraße – zeigt.
    Und hier wäre was drin. Vor ein paar Tagen wurde das Rechtsgutachten von Professor Martin Schwab vorgestellt bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus. Mit 5 Zeilen könnte das geändert werden, indem hinter §1 folgender § 1a eingefügt wird – ein Vorschlag der Initiative mieterstadt.de:
    „§ 1a Tatsächliche Aufwendungen des Vermieters
    Bei der Berechnung der Kostenmiete für öffentlich geförderte Wohnungen ist es dem Vermieter nicht gestattet, gegenüber dem Mieter laufende Aufwendungen in Anrechnung zu bringen, mit denen der Rechtsvorgänger des Vermieters oder ein Dritter, nicht aber der Vermieter selbst belastet ist. Das Nähere regelt eine Verordnung des Senats von Berlin.“

    Schreibt an die Parteienvertreter!
    Weitere Infos:
    https://gentrificationblog.wordpress.com/2015/11/02/berli-fuenf-zeilen-gegen-die-spekulation-im-sozialen-wohnungsbau/
    http://www.mieterstadt.de/gutachten-empfiehlt-enquete-kommission-zum-sozialen-wohnungsbau-in-berlin/

  4. 4

    Hier noch eine neue interessante Karte zur Verdrängung für alle Berliner Bezirke:
    http://gentrima.lepus.uberspace.de/

    Hier werden die Daten zu Kinderarmut / Erwachsenenarmut / Altersarmut in Prozent angegeben und ins Verhältnis gesetzt zu den durchschnittlichen Mietpreisen, dem Anteil der Eigentumswohnungen und dem Anteil der für Transferempfänger geeigneten Wohnungen.
    Für Tiergarten folgende Zahlen:
    Kinderarmut – 48,26 %
    Erwachsenenarmut – 11,50 %
    Altersarmut – 12,50 %
    Mietpreis – 7,35 Euro
    Anteil Eigentumswohnungen – 30,52 %
    Anteil der für Transferempfänger geeigneten Wohnungen – 2,76 %

    Außerdem gibt es noch eine Karte zu den Wanderungsbewegungen, wohin ziehen die Leute aus welchen Bezirken um.

  5. 5
    Netzgucker sagt:

    Ein prima und auch noch humorvoller Artikel über den Zusammenhang von Eigentumsbildung und Gentrifizierung:
    http://www.fr-online.de/wohnen/pro–wer-immobilien-kauft–foerdert-die-verdraengung-,34133520,34138882.html

  6. 6
    vilmoskörte sagt:

    zu 4: Dieses Tiergarten gibt es seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Ich verstehe nicht, wie man so ignorant sein kann, darauf eine Statistik aufzubauen. Viel sinnvoller wäre es m.E. die Statistik auf PLZ-Basis zu erstellen.

  7. 7

    neue Kampagne „Wir wollen Wohnungen!“ – Macht mit!
    http://wiwowo.zwangsraeumungverhindern.org/

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