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Ein Konzept für die Turmstraße 75

Auf einer Informationsveranstaltung am 23. Februar wurden die weiteren Schritte zur Entwicklung eines Nutzungskonzepts und zur Umgestaltung des »Brüder Grimm Hauses« vorgestellt.

turm-75_CE-250Die musikalische Einstimmung hätten die Schüler der Fanny Hensel Musikschule nicht passender wählen können. Sie spielten die Filmmelodie eines berühmten britischen Geheimagenten und trafen damit den Takt des Abends.

»Es wird spannend«, fasste Amtsleiter  Michael Weiß die Herausforderungen zusammen. Das Amt für Weiterbildung und Kultur soll in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt das Brüder-Grimm-Haus (Turmstraße 75) in den nächsten Jahren zu einem Zentrum für Bildung und Kultur weiter entwickeln und stärker für den Stadtteil öffnen. Keine leichte Aufgabe.

In der Turmstraße 75 sind viele unterschiedliche Nutzer zu Hause: das Berlin Kolleg, die Galerie Nord, die Volkshochschule Mitte, die Fanny-Hensel-Musikschule, der Verein Lesewelt e.V., um nur einige zu nennen. Trotz des breiten Angebots gibt es jedoch Hürden und ungenutzte Potenziale. Es gibt viele verschachtelte Flure und schwer auffindbare Ein- und Aufgänge. Ein Foyer oder ein gemeinsamer Internetauftritt des Hauses fehlen in Gänze. Hinzu kommen bauliche Mängel und Schäden.

Dass gehandelt werden musste, war den zuständigen Behörden schon lange klar. Mit der Förderkulisse »Aktives Zentrum« eröffnete sich die zeitlich begrenzte Möglichkeit Versäumnisse der Vergangenheit zu korrigieren. Das Vorhaben ist ambitioniert. Einerseits geht es darum, bauliche Verbesserungen am Gebäude vorzunehmen und gleichzeitig mit den derzeitigen Nutzern, unter Einbeziehung der Bevölkerung, inhaltliche Konzepte zu entwickeln, um den Gebäudekomplex zu einem offenen und gastfreundlichen Zentrum zu entwickeln.

Bereits 2012 wurden mit Hilfe der AZ-Mittel Baumaßnahmen angemeldet, um Schäden an Dach und Fassade zu beheben. Im Jahr 2014 beauftragte der Bezirk dann Prof. Bernd Käpplinger von der Humboldt-Universität Berlin mit einer umfangreichen Bestands- und Bedarfsanalyse. Diese Analyse (einsehbar unter www.turmstrasse.de) dient als Grundlage für den weiteren Entwicklungsprozess. Bis Ende 2016 sollen ein Nutzungskonzept und erste räumliche Entwurfsideen erstellt werden. Mit der Umsetzung wurde die Architektin Prof. Susanne Hofmann beauftragt, die sich mit ihrem Büro »die baupiloten« auf partizipativen Bildungs- und Wohnungsbau spezialisiert hat. Sie konzipieren Bauprojekte für Kitas, Schulen, Universitäten oder öffentliche Orte – immer unter aktiver Beteiligung der Nutzer. Gemeinsam mit der interdisziplinären Stadtentwicklungsgesellschaft »Stattbau« soll bis Ende dieses Jahres ein Modell entwickelt werden, das architektonisch greifbar wird.

Die Steuerungsrunde und ein berufener Beirat werden diesen Prozess steuern und begleiten. Der Beirat setzt sich aus Vertretern der zuständigen Behörden (Amt für Weiterbildung und Kultur, Hochbauamt, Stadtplanungsamt, Umwelt- und Denkmalschutz) sowie Vertretern der jetzigen Nutzer, des Quartiersrats und der Stadtteilvertretung zusammen. Auf zwei großen Veranstaltungen sollen die Teilergebnisse dann einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am Samstag, dem 16. April, wird eine Zukunftswerkstatt durchgeführt. Dort sollen auch die Bürger Vorschläge einbringen können. Im Herbst 2016 werden an einem »Tag der offenen Tür« erste Ergebnisse vorgestellt.

Der Informationsabend war mit Spannung erwartet worden, der Konzertsaal der Musikschule bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Der Bedarf für ein Bildungs- und Kulturzentrum in Moabit ist groß. Aus dem Publikum, vorwiegend von Vertretern der Stadtteilvertretung, kam Kritik an dem bisherigen Verfahren. Fehlende Informationen und mangelnde Transparenz wurde kritisiert sowie die geringen Möglichkeiten, die Entwicklung des »Brüder Grimm«-Hauses mitzubestimmen. Der partizipatorische Ansatz, den »die baupiloten« und »Stattbau« verfolgen, sei in Wirklichkeit nur Fassade, so der Vorwurf. Es wurde angeregt, statt einer einzigen Zukunftswerkstatt mehrere Termine einzurichten, um Vorschläge und Ideen der Bevölkerung aufzunehmen. Eine Veröffentlichung der Beiratsprotokolle könnte den Prozess transparenter gestalten.

Stadträtin Sabine Weißler stellte klar, dass alle bisherigen Nutzer auch in Zukunft im Haus bleiben werden. Bei der Konzeptentwicklung des neuen Brüder-Grimm-Hauses geht es also weniger darum, neue Initiativen fest in das Haus zu integrieren, sondern nach Wegen zu suchen, wie sich die bisherigen Konzepte mit neuen Ideen kombinieren lassen – etwa durch eine bessere Auslastung bestimmter Räumlichkeiten, die in Zukunft auch anderen Akteuren zur Verfügung stehen könnten. Auch wenn nicht alle Hoffnungen und Wünsche erfüllt werden, so biete das Haus doch viel Entwicklungspotenzial, das am Ende allen Moabitern zugute kommt.

Text: Nathalie Dimmer, Foto: Christoph Eckelt, bildmitte
Zuerst erschienen in der »ecke turmstraße«, nr. 2, märz/april 2016

Zukunftswerkstatt am 16. April, 10–15 Uhr, Turmstraße 75, Aula der Musikschule

Diese Dokumentation Zukunftswerkstatt (PDF, 2,9MB) wurde Anfang Mai 2016 an die Teilnehmer per Mail verschickt.

 


Ursprünglicher Artikel vom 18. August 2015:
Turmstraße 75 als Pilotprojekt

Partizipation in der Stadtentwicklung – aber wie?

Beteiligungsverfahren sind essentiell in der Stadtentwicklung – doch wie können sie gestaltet werden, damit sie nicht einerseits als „Alibiveranstaltung“ empfunden werden, andererseits nicht mit zu vielen Einzelmeinungen und Partikularinteressen in qualvollen Endlosrunden zerredet werden? Wie also könnte Partizipation, verstanden als ernsthafte Teilhabe, im konkreten Fall methodisch aussehen? Ein Moabiter Beispiel.

Turm-75Das Vorhaben
Die Turmstraße 75, das „Brüder-Grimm-Haus“ im Moabiter „Aktiven Zentrum“ und Sanierungsgebiet ist derzeit so etwas wie ein Pilotprojekt. Der gewaltige Gebäudekomplex, ein Ende des 19. Jahrhunderts errichteter und 1914 erweiterter Schulbau mit einem riesigen Hof, hat heute viele unterschiedliche Nutzer: u.a. das Berlin Kolleg, die „Galerie Nord“, die Volkshochschule Mitte, die Fanny-Hensel-Musikschule, den Verein Lesewelt e.V. und mehrere Beratungsstellen. Damit ist es ein wichtiger Ort für Moabit – für ein Quartier, dem es ansonsten an öffentlichen Sozial- und Kulturräumen mangelt: für Veranstaltungen, Initiativen und anderes. Deshalb ist die Neugestaltung der Turmstraße 75 zu einem Kultur- und Bildungszentrum, das sich auch nach außen stärker für unterschiedlichste Nutzer öffnet und ausstrahlt, eines der zentralen Projekte im AZ-Gebiet in den nächsten Jahren.

Die Aufgabe
Die Turmstraße 75 hat trotz ihres Angebots noch beträchtliche ungenutzte Potenziale: räumlich, gestalterisch, organisatorisch. Die Räume sind unübersichtlich, mit vielen verschachtelten Fluren, schwer auffindbaren Ein- und Aufgängen zu den Zimmern. Ein Foyer oder auch ein gemeinsamer Internetauftritt des Hauses fehlen komplett. Bislang bieten die unterschiedlichen Nutzer kaum etwas zusammen an. Einige Räumlichkeiten sind untergenutzt oder noch gar nicht richtig entdeckt.
Doch die Neuorganisation und Umgestaltung ist ein längerer und komplizierter Prozess mit zahlreichen Beteiligten: nicht nur mit den vielen Nutzern des Gebäudekomplexes. Hinzu kam, dass die einzelnen Gebäudeteile unterschiedlichen Fachverwaltungen des Bezirks zugeordnet sind. Am Entwicklungsprozess sind damit auch die Schul-, die Kultur- und die Stadtentwicklungsabteilung des Bezirks beteiligt. Außerdem haben die Sanierungsbeteiligten, die Senatsverwaltung als Fördergeber und die BVV als politisches Gremium mitzureden, auch die Öffentlichkeit wurde einbezogen.

Die Kommunikatoren
Der Bezirk beauftragte Bernd Käpplinger damit, den Start dieses Pilotprojekts zu begleiten. Käpplinger ist Juniorprofessor an der kultur-, sozial- und bildungswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin und beschäftigt sich mit dem Thema lebenslanger Bildung. Im Beteiligungsprozess wurde dann auch die Architektin Prof. Susanne Hofmann als Expertin hinzugezogen, deren spezielles Thema partizipativer Bildungs- und Wohnungsbau ist. Dafür hatte sie vor Jahren an der TU Berlin das studentische Projekt „Die Baupiloten“ aufgebaut. Mit wechselnden studentischen Teams konzipierte sie Bauprojekte für Kitas, Schulen, Universitäten oder öffentliche Orte – immer unter aktiver Beteiligung der Nutzer, mit großem Erfolg. So wurde der Umbau der Weddinger Erika-Mann-Grundschule zu einem zeitgemäßen, kindgerechten Lern- und Aufenthaltsort ein vielbeachtetes und preisgekröntes Modellprojekt. Ihre Erfahrungen und Handlungsempfehlungen hat sie in einem Buch gebündelt: „PARTIZIPATION MACHT ARCHITEKTUR. Die Baupiloten – Methode und Projekte“.  

Das Verfahren
Außenstehenden mag das Verfahren langwierig erscheinen. Doch im letzten halben Jahr ist für die Turmstraße 75 schon Wesentliches geschehen. So wurde das Vorderhaus u.a. mit der Galerie Nord, der Volkshochschule und der Musikschule innerhalb des Bezirks in das Fachvermögen des Amts für Weiterbildung und Kultur übertragen, was Zuständigkeiten klärt und Handlungsmöglichkeiten erleichtert.
Ein wichtiger Schritt war zudem die Klärung der grundsätzlichen Frage, was der Gebäudekomplex nach innen und außen sein soll. Will man das Haus völlig neu gestalten, oder soll die bisherige Mischung bleiben? Wie könnte sich der Raum nach außen öffnen, was wünscht sich der Stadtteil?
Bernd Käpplinger und sein Team nahmen zunächst eine gründliche Bestandsanalyse vor, immer in Kontakt mit den Verantwortlichen und den Nutzern. Ergebnis dieser Analyse mit mehreren hundert Personen im Kiez: Die Mischung mit unterschiedlichen Nutzern soll bleiben, doch die Kapazitäten des Hauses lassen noch viel mehr zusätzliche freie, temporäre Nutzungen zu. Manche Räume könnten zeitweise von lokalen Initiativen, Einrichtungen oder Netzwerken für Veranstaltungen oder Kurse gebucht werden. Dazu soll es ein Organisationsteam geben, das die öffentliche Raumvergabe regelt.

„Vieles ist räumlich nicht ausgelastet. In den Sommerpausen sind beispielsweise die Räume der Musikschule und der VHS frei“, sagt Bernd Käpplinger, „da ist das Haus eher ein Geisterhaus. Der Konzertsaal der Musikschule könnte stärker für Veranstaltungen anderer Initiativen genutzt werden. Wir entdeckten den gut eingerichteten Kochraum, der als Küche für VHS-Lehrkurse jedoch nicht durchgängig genutzt wird. Bei unseren Straßenbefragungen an diversen Moabiter Orten haben wir aber immer wieder gehört, wie groß das Interesse im Kiez an Kochkursen und entsprechenden Angeboten ist. Nur weiß eben kaum jemand, dass es die Voraussetzungen bereits in der Turmstraße 75 gibt. Bei unseren Bestandsaufnahmen sahen wir außerdem überdimensionierte Flure des ehemaligen Schulgebäudes oder fast vergessene Räume wie große Kohlekeller, die nach der Umstellung auf Fernwärme kaum genutzt werden. Das alles kann man reaktivieren oder viel effektiver nutzen. Denn in Moabit fehlen öffentliche Räume für Veranstaltungen und Initiativen. Auch der schöne große Hof könnte als grüne Oase ein Ruhe-Kontrast zur turbulenten Turmstraße sein.“

Susanne Hofmann und Bernd Käpplinger

Susanne Hofmann und Bernd Käpplinger

Gemeinsamer Grundkonsens und Einzelinteressen
Der nächste Schritt war, gemeinsam mit Susanne Hofmann die Anliegen der jetzigen Hausnutzer zu erkunden und mit ihnen zunächst einen gemeinsamen Grundkonsens als Ziel zu entwickeln. Bei so vielen unterschiedlichen Nutzern ist das eine sensible Angelegenheit: Es gilt, die Einzelinteressen (Raumwünsche und –bedarf, Besucherverhalten etc.) auszutarieren und gleichzeitig eine gemeinsame Zielvorstellung für das Gesamtensemble zu entwickeln. Ein Beispiel ist der Hof: Wie kann man ihn bespielen und z.B. für Veranstaltungen nutzen, ohne dass das Lernen im „Berlin Kolleg“ im hinteren Gebäudeteil gestört wird? 

Planspiele als Methode
Susanne Hofmann hat etliche Methoden entwickelt und in ihrem Buch dargestellt, wie man mit Plan- und Verhandlungsspielen und einer guten Moderation wesentliche Wünsche und Ziele und letztlich eine Gesamtplanung herausfiltern kann – egal, ob für ein Kulturhaus, Mehrgenerationenwohnen oder öffentliche Orte. Sie nutzt dafür die Methode von Gesellschaftsspielen.
Zur Demonstration baut eine ihrer Mitarbeiterinnen ein solches Spiel auf, das mit den jeweiligen Nutzern durchgeführt wird. Wichtig ist dabei ein geschulter Moderator, der als Vermittler auf die Teilnehmer eingeht, ihre Anregungen und Wünsche aufnimmt und ordnet.
Grob gesagt, geht es in der ersten Spielanordnung darum, die Atmosphäre, den bisherigen Alltag mit seinen regelmäßigen Ritualen, die Strukturen, die Stärken und Schwächen des Areals sowie die Wünsche der Nutzer zu erkunden. Ziel ist dabei, einen Basis-Konsens für alle Beteiligten zu finden. Im Fall der Turmstraße 75 war es die gemeinsame Überzeugung, dass sich das Haus mit seinen vielfältigen Nutzungen stärker nach außen öffnen und als Bildungs- und Kulturzentrum erkennbar sein sollte.

Danach geht es in einer weiteren Runde um individuelle Vorstellungen und Wünsche der Beteiligten – und im Kern auch darum, dass nicht alles ein großes Wunschkonzert sein kann. Die Beteiligten müssen im „Verhandlungsspiel“ Gemeinsamkeiten suchen, aber auch für sich Prioritäten setzen: Was ist mir besonders wichtig, und worauf könnte ich eher verzichten für einen Konsens? „In vielen Aushandlungsverfahren waren wir sehr überrascht, wie wenig Änderungswünsche an den Planungen es nach diesen zwei Schritten noch gab“, sagt Susanne Hofmann.

Die Grundprinzipien
Es gibt einige wichtige Grundsätze, die Bernd Käpplinger und Susanne Hofmann für ihr Partizipationsmodell formulieren:
Erstens: Partizipation, verstanden als Teilhabe und Mitsprache, muss ernst genommen werden. „Pseudopartizipation“ ist sinnlos und enttäuscht nur die Beteiligten.
Zweitens: Rein quantitative Umfragen auf der Suche nach Mehrheitsmeinungen sind wenig hilfreich. „Fragebögen geben meist schon Antworten vor“, sagt Bernd Käpplinger, „und pure Mehrheitsabstimmungen sind nicht immer die klügsten. Viel wichtiger sind qualitative Debatten und Aushandlungsprozesse, wo die Interessen wirklich auf den Tisch kommen.“
Drittens: Wichtig ist ein gut moderiertes und kreatives Verfahren, das auch die Leisen zu Wort kommen lässt, die sonst von den Wortmächtigen dominiert würden.
Viertens: Es muss eine lebendige Wechselwirkung zwischen „top down“ und „bottom up“ geben – also einen Austausch zwischen „von oben nach unten“ und „von unten nach oben“, zwischen der Basis und den Entscheidern.
Fünftens: In dem Prozess müssen die Beteiligten entscheiden, wo ihre Prioritäten liegen, was ihnen besonders wichtig ist und wo sie Kompromisse eingehen können.
Sechstens: „Es kann letztlich bei solchen Projekten keine basisdemokratische Entscheidung geben“, sagt Bernd Käpplinger. Außerdem sei es unmöglich, alle Wünsche zu berücksichtigen: „Es ist eine falsche Harmonievorstellung, dass alle immer alles gemeinsam wollen und gut finden müssen. Konstruktives Streiten bringt mehr.“
Und siebtens: „Es ist ein Aushandlungsprozess. Aber letztlich müssen Entscheidungen getroffen werden. Irgendwann muss es ein Ergebnis geben, das dann praktisch umgesetzt wird.“

Für die Turmstraße75, so sehen es beide, habe allein schon der Anfangsprozess (der im letzten Winter auch öffentlich in einem Stadtteilplenum vorgestellt wurde) einen Erfolg gezeitigt – nicht nur zwischen den Nutzern des Hauses, die sich besser kennenlernten, mehr über Raumpotenziale erfuhren und sich über unterschiedliche Ansprüche austauschten, sondern auch nach außen. Die Turmstraße 75 wird seitdem im Gebiet viel stärker als öffentlicher Ort mit Potenzial wahrgenommen.

Text: Ulrike Steglich, Fotos: Christoph Eckelt, bildmitte

Zum Thema Partizipationsverfahren in der Stadtentwicklung ist Susanne Hofmanns Buch mit zahlreichen Beispielen sehr anregend: „PARTIZIPATION MACHT ARCHITEKTUR. Die Baupiloten – Methode und Projekte“, Jovis Verlag

Zuerst erschienen in der ecke turmstraße, Nr. 5 – august 2015

Nachtrag:
Nun wurden die zentralen Ergebnisse der Analyse veröffentlicht. Und mittlerweile auch der Endbericht mit 137 Seiten.

Flyer zum Werkstattverfahren.

Bericht über die Zukunftswerkstatt am 16. April (Berliner Woche).

Diese Dokumentation Zukunftswerkstatt (PDF, 2,9MB) wurde Anfang Mai 2016 an die Teilnehmer per Mail verschickt.

Juni 2016 Ausstellung in der Vitrine vor dem Rathaus Tiergarten

21 Kommentare auf "Ein Konzept für die Turmstraße 75"

  1. 1
    Angelika Adner sagt:

    Dass die Turmstraße 75 besser genutzt werden soll ist ein sehr wichtiges Vorhaben. Auch dass die aktuellen Nutzer des Gebäudes in die Planung einbezogen werden und dass dazu ein „moderiertes und kreatives Verfahren“ eingesetzt wird, ist außerordentlich begrüßenswert!
    Die Beteiligung von Moabiter Bürgerinnen und Bürgern ist in dem Beteiligungsverfahren hingegen noch nicht in angemessenem Maße erfolgt.
    Ein Einbinden der Stadtteilvertretung Turmstraße als DER gewählten Bürgervertretung des Sanierungsgebietes ist lange überfällig. Schließlich kommen die Gelder für das Vorhaben doch aus dem Budget des Sanierungsgebietes, oder? Das sollte also schleunigst nachgeholt werden.

  2. 2
    vilmoskörte sagt:

    Sicher ist es richtig, dass die Stadtteilvertretung Turmstraße beteiligt sein muss. Allerdings hätte sich die Stadtteilvertretung auch eigenständig darum kümmern müssen, beteiligt zu werden, schließlich dürfte das Brüder-Grimm-Haus im Beirat Thema gewesen sein. Spätestens aber durch das Stadtteilplenum am 18. November 2014 beim QM Moabit-West hätten die Stadtteilvertreter darüber informiert sein müssen, dass eine Konzeption für das Brüder-Grimm-Haus in Arbeit ist, und hätten aktiv z.B. im Beirat Beteiligung einfordern können und müssen.

    Bei der Jugendverkehrsschule haben sie sich (ohne dass sie explizit zu einer Beteiligung aufgefordert worden wären) ja auch heftig engagieren können, obgleich die JVS außerhalb des Gebiets das Aktiven Zentrums liegt. Offenbar war ihnen das Brüder-Grimm-Haus nicht so wichtig, um hier ein ähnliches Engagement aufzuzeigen.

    Aber noch ist das Kind ja nicht in den Brunnen gefallen, denn 1. ist das Konzept so schlecht nicht und 2. wird beim Schneckentempo der Berliner Verwaltung so schnell kein Konzept umgesetzt. Eine breitere Bürgerbeteiligung mit öffentlicher Informationsveranstaltung und Planungswerkstatt sollte die Stadtteilvertretung Turmstraße (gerade gewählt und mit frischem Elan) darum umgehend über die entsprechenden Gremien auf den Weg bringen.

  3. 3
    vilmoskörte sagt:

    PS: Ich bin der Meinung, dass die meisten Moabiter mit der Adressangabe „Turmstraße 75“ wenig anfangen können und nicht wissen, was dahinter steckt. Ist das damit bezeichnete Gebäude nicht besser unter seinem Namen „Brüder-Grimm-Haus“ bekannt?

  4. 4
    Moabiter sagt:

    @ 1: Da kann ich nur zustimmen. Die erwähnte Studie sorgt sich vor allem um die Zukunft der aktuellen Nutzer der Turmstraße 75, die schon an den Fleischtöpfen sitzen – ein merkwürdiges Verständnis von ‚Partizipation‘. Außenstehende blieben weitgehend außen vor, die Beteiligung der real existierenden Bevölkerung in Moabit muss erst noch stattfinden.

    @ 2: Woher die drollige Idee, dass die Turmstraße 75 mit der Studie im Beirat Thema gewesen sein könnte? Die Stadtteilvertretung wird üblicherweise erst dann über betreffende Dinge informiert, wenn die Messen so gut wie gelesen sind. Das war bei der Jugendverkehrsschule so, und das wiederholt sich hier. Im Stadtteilplenum wurden im vergangenen Herbst die Ergebnisse einer weitgehend beendeten Studie vorgestellt, da war nix mehr zu machen. Die Studie selbst ist immer noch nicht veröffentlicht – auf welcher Basis soll sich die StV da engagieren?

  5. 5
    vilmoskörte sagt:

    zu 4: Deine Darstellung leidet unter extremer Einseitigkeit.

    Was du unter @1 ausführst, ist falsch. Und woher willst du das eigentlich alles wissen, wenn du selber schreibst: „Die Studie selbst ist immer noch nicht veröffentlicht“? (Es ist übrigens extrem tendenziös, davon zu reden, dass die jetzigen Nutzer des Brüder-Grimm-Hauses an „Fleischtöpfen sitzen“, es sind finanziell für viele wohl eher Krümel, die vom Tisch des Herrn fallen)

    Zu deiner Aussage unter @2: Ich war selber zwei Wahl-Perioden Mitglied der Stadtteilvertretung Turmstraße und habe sehr wohl mitbekommen, dass im Beirat i.d.R. frühzeitig informiert wird und nicht erst dann, wenn „die Messen so gut wie gelesen sind“. Und wie bereits geschrieben: Die Jugendverkehrsschule liegt außerhalb des Gebiets des Aktiven Zentrums, die Projektsteuerer (KoSP) waren demzufolge nicht damit befasst und haben es somit auch nicht in den Beirat getragen.

  6. 6
    Christine Pradel sagt:

    zu 5

    Leider leider stimmt deine Behauptung hinsichtlich KoSP im letzten Satz nicht.

    Fakt ist:
    Die Projektsteuerer KoSp haben im Auftrag des BA Mitte eine Nachnutzungsstudie für das Jugendverkehrsgelände erstellt. Auf diese bezieht sich der BA-Beschluss vom 1.7.2014. Die StV erfuhr von dieser Nachnutzungsstudie erst im Nachhinein über Umwege – sie wurde eben nicht im Beirat informiert.

  7. 7
    vilmoskörte sagt:

    Zu 6: Das ist dann natürlich schon ein GAU, der sicher ganz und gar nicht der Vertrauensbildung dient.

  8. 8
    moabiter sagt:

    @5 zu 1.: Nein, das ist eben nicht falsch. Es ist bisher nur eine kurze Zusammenfassung der Studie verfügbar mit einer Einführung von Hr. Weiß (Leiter Kulturamt); die Studie selbst, also die Langfassung mit über 500 Seiten, ist noch nicht veröffentlicht und soll zuerst den BVV-Ausschüssen vorgelegt werden.

    zu 2.: Wie von Christine eben schon ganz richtig festgestellt: Im Beirat wird von KoSP et. al. durchaus über dies und jenes informiert – aber nur, wenn es opportun erscheint.

  9. 9
    Susanne Torka sagt:

    Mittlerweile wurde der Endbericht veröffentlicht (s. auch oben im Nachtrag):
    http://www.turmstrasse.de/downloads/pdf/meldungen/151016_Turmstrasse_75_Endbericht.pdf

    Allerdings ohne den Daten-Anhang.

  10. 10
    Zeitungsleser sagt:

    Nun berichtet auch die Berliner Morgenpost über die Pläne für die Turmstraße 75, aber nicht nur das, es geht um Veränderungen in Moabit – ob die wirklich nur so positiv ausfallen?
    http://www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article206880617/Ein-Kulturhaus-fuer-Moabit.html

    Zitat:
    „Moabit profitiere vom Zuzug nach Berlin und Mitte, von einer steigenden Geburtenrate und der Nähe zum Zen­trum und zum Hauptbahnhof, sagt Bezirksbürgermeister Hanke. Daher gebe es auch Verdrängungsängste bei den angestammten Bewohnern. Sein Ziel sei es, „auch finanziell ärmere Bevölkerungsgruppen in der Innenstadt zu halten, damit eine gute soziale Mischung der Stadtteile nicht verloren geht.“
    Bereits jetzt macht sich eine Veränderung bemerkbar. Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich die Zahl der Moabiter, die Arbeitslosengeld II erhalten, deutlich reduziert. So sind es zwar zum Beispiel in der Lübecker Straße noch 32,7 Prozent, aber immerhin fast sechs Prozent weniger als vor vier Jahren. Auch in der Emdener Straße und der Zwinglistraße sei deutlich der Trend zur Reduzierung der ALG-II-Empfänger erkennbar, sagt Petra Patz-Drüke, Leiterin der Arbeitsgruppe Sozialraumorientierung im Bezirksamt.“

    Wo sind sie denn wohl hin? Und warum? Und was tut der Bürgermeister denn tatsächlich um sein Ziel zu erreichen?

  11. 11
    SozialerUnfrieden sagt:

    Den zweiten Absatz aus der Morgenpost wollte ich auch gerade posten … Was soll man zu soviel Schönfärberei sagen? Aus meiner Sicht ist hier eine Form sozialer Säuberung in Gang, derer man sich nicht mal schämt. Sie wird einfach verleugnet. Gruselig.

  12. 12
    vilmoskörte sagt:

    zu 10 & 11: Wer sagt, dass der Rückgang der Zahl der ALG-II-Empfänger nur darauf zurückzuführen ist, dass sie aus Moabit weggezogen sind? Vielleicht ist der Rückgang ja auch darauf zurückzuführen, dass einige in Lohn und Brot gekommen sind? Letzteres würde ich nicht als „soziale Säuberung“ bezeichnen wollen.

  13. 13
    Albrecht sagt:

    @4: Wer in Bezug auf Musikschule, VHS usw. von „Fleischtöpfen“ spricht, diskreditiert sich selbst.
    @12: Hatte denselben Gedanken. Es wäre ja erfreulich, wenn HartzIV-Empfänger Arbeit finden. Dass teilweise eine Verdrängung stattfindet, ist aber wohl auch nicht zu übersehen. Wie stark die ist, wäre interessant zu erfahren, aber mit aussagekräftigeren Zahlen als dem Rückgang der ALGII-Quote.

    Die Informationsveranstaltung im Februar war sehr interessant. Das Haus ist ein verstecktes Juwel für Moabit. Dass es zum Leuchten gebracht wird, wäre zu wünschen, auch den jetzigen Nutzern, die großartige Arbeit leisten. Allein auf die fantastische Musikschule Fanny Hensel könnte man Lobgesänge verfassen.

  14. 14
    O. Wagner sagt:

    @12,13: Auch wenn das hier vielleicht nicht der richtige Thread ist: Um ein klareres Bild über das tatsächliche Ausmaß der Verdrängung zu bekommen, hilft vielleicht ein Blick in die Monitoring-Berichte Soziale Stadtentwicklung (der jüngste Bericht 2015 mit den Daten bis Ende 2014 ist gerade erschienen: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/de/2015/index.shtml). Wenn die sinkende Zahl der ALGII-Empfänger nicht auf Beendigung der Arbeitslosigkeit, sondern auf Verdrängung in andere Stadtteile beruht, müsste sich das daran ablesen lassen, dass der Anteil der Arbeitslosen in Moabit stärker als im Rest der Stadt gesunken ist. Der Vergleich der Berichte 2007 und 2015 zeigt folgendes Bild:

    Berlin: Arbeitslose 13,06/7,41% (-43,3%), Langzeitarbeitslose 5,6/2,43% (-56,6%), nicht-arbeitslose Empfänger von Transferleistungen 13,55/12,17% (-10,2%)

    Moabit (LOR Emdener Straße hier beispielhaft herausgegriffen): 17,7/9,97% (-43,77%), Langzeitarbeitslose 7,4/3,25% (-58,12%), nicht-arbeitslose Empfänger von Transferleistungen 20,4/19,01% (-6,78%).

    Das scheint auf den ersten Blick die These von der „sozialen Säuberung“ nicht zu bestätigen. Der Anteil Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen ist im LOR Emdener Straße ziemlich exakt im gleichen Maße gesunken wie in der gesamten Stadt. Das würde bedeuten, dass Moabit und seine Bewohner ebenso wie die Gesamtstadt vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten acht Jahre profitiert haben. Der immer noch sehr hohe Anteil der nicht-arbeitslosen Empfänger von Transferleistungen ist sogar etwas weniger als in der Stadt insgesamt zurückgegangen (allerdings bezieht sich der Wert für 2007 hier nicht auf den LOR, sondern die noch etwas anders zugeschnittene Verkehrszelle).

    Freue mich auf die Diskussion…

  15. 15
    Zeitungsleser sagt:

    Zitat aus dem Tagesspiegel:
    „17 Gebiete wurden von der Liste gestrichen. Dabei handelt es sich vor allem um Bereiche in Mitte (Huttenkiez, Beusselkiez, Heidestraße, Zillesiedlung und Gesundbrunnen)“

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/armut-und-arbeitslosigkeit-in-berlin-nur-zwei-bezirke-ohne-soziale-problem-kieze/13392946.html

  16. 16
    Albrecht sagt:

    @ 14: Danke, O. Wagner, für die Daten!

    Unabhängig davon, ob und in welchem Ausmaß Gentrifizierung und/oder Verdrängung stattfindet, haben die Pläne für die Turmstraße 75 nun sicher nichts damit zu tun. Die Kultur- und Bildungsangebote dieser Einrichtung richten sich nun wirklich an alle, Jung und Alt, Arm und Reich, eingeboren oder migrationshintergründig.

  17. 17
    Jürgen Schwenzel sagt:

    Bitte Die Diskussion zu den Ergebnissen der neuen Sozialmonitoring-Studie 2015 beim passenden Artikel „Milieuschutz in Mitte“ fortsetzen. Die Kommentare #15 und #16 sind zur leichteren Verfolgung dort als Zitate im Kommentar 93 wiedergegeben.

  18. 18
    kultur-fuer-alle sagt:

    es wär schön, wenn Ihr nochmal so, dass es ins Auge fällt, auf die Zukunftswerkstatt am 16.4. hinweist! Dieser Termin geht im laufenden Text leicht unter.
    Da in den „Beirat“ überwiegend die Einrichtungen im Haus und Beschäftigte des Bezirksamts „berufen“ wurden, sollten wir mehr öffentliche Beteiligung fordern. Bei der Straßen-Beleuchtung werden wir gefragt – aber bei einer so wichtigen Angelegenheit werden die Anwohner*innen nur sehr minimal informiert. Lediglich vier handverlesene Personen durften von der Stadtteilvertretung in den Beirat entsandt werden. Auch eine Plakatierung der Zukunftswerkstatt wurde abgelehnt, damit ja nicht zu viele Interessierte kommen.
    Ich hoffe, dass trotzdem viele Menschen am 16.4., 10 – 15 Uhr, den Weg in die Turmstr.75 finden!

  19. 19
    Susanne Torka sagt:

    Wir haben es ja im Veranstaltungskalender angekündigt. Ich finde auch, dass eine Plakatierung sinnvoll gewesen wäre, um mehr Leute anzusprechen.
    Auf der Webseite des Aktiven Zentrums Turmstraße heißt es: „Für eine bessere Planung wird bis zum 14. April 2016 um Anmeldung gebeten. Vorzugsweise per E-Mail an turm75@stattbau.de oder telefonisch unter (030) 690 810. Machen Sie mit und bringen Sie sich ein! Auch Kinder sind herzlich willkommen!“

    Der Flyer für das Werkstattverfahren ist hier:
    http://www.turmstrasse.de/downloads/pdf/meldungen/160322_Turmstrasse_75_Leporello.pdf

  20. 20
    Jürgen sagt:

    Ein kurzer Bericht über die Werkstatt-Veranstaltung ist in der Berliner Woche zu lesen:
    http://www.berliner-woche.de/moabit/kultur/das-brueder-grimm-haus-auf-dem-weg-zum-zentrum-fuer-bildung-und-kultur-d99485.html

  21. 21
    Jürgen Schwenzel sagt:

    Die Dokumentation der Zukunftswerkstatt (PDF, 2,9MB) wurde jetzt an die Teilnehmer per Mail verschickt und ist auch im Nachtrag verlinkt.

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