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Die gute Seele der Kulturfabrik

Lothar Kohlbach ist in Spandau aufgewachsen. Dort ist er zur Schule gegangen und hat eine Lehre als Tischler begonnen. Handwerklich interessiert war er schon immer. Doch so richtig klappte es nicht. Er brach die Lehre ab und zog mit fast 20 nach Kreuzberg, wo der heute 49jährige mit einer kurzen Unterbrechung immer noch lebt.
Die Tischlerlehre hat er dann doch noch beendet und in verschiedenen Betrieben gearbeitet, selten länger als drei Jahre hintereinander am gleichen Ort. Und auch nicht nur als Tischler. „Ich bleibe dort, wo es mir gefällt und suche mir immer wieder neue Aufgaben“, stellt er fest. Bei einem Trödler hat er alte Möbel restauriert, war auch schon mal Portier im Altersheim oder Küchenhelfer im Café. Einmal ist er doch länger als drei Jahre am Stück irgendwo geblieben. Kurz nach der Wende wohnte er in Moabit bei einer Familie, die auf dem Blumengroßmarkt an der Friedrichstraße einen Stand hatte. „Das war die Waldschratfirma, nein ich war der Waldschrat! Wir haben die grünen Zweige, die in die Sträuße eingebunden werden, im Wald geschnitten. Es gab einen Vertrag mit dem Förster in Gatow. Dort haben wir die Bäume und Sträucher auf der Einflugschneise für den britischen Militärflughafen kurz gehalten. Das hat wirklich Spaß gemacht immer draußen.“ Auch in Brandenburg waren sie damals unterwegs. Doch irgendwie war auch diese Arbeit nicht von allzu langer Dauer, denn zufällig kam Lothar zur Kulturfabrik. Er wohnte wieder mit einem Freund in Kreuzberg, der ihm erzählte, dass in einem Projekt jemand für Holzarbeiten gesucht werde. Ende 1998 hat sich Lothar bei der Mitgliederversammlung vorgestellt und seitdem ist er dabei. Meist ehrenamtlich. Zwischenzeitlich auch mal als ABMler. In der Kulturfabrik ist Lothar mittlerweile die gute Seele des Hauses, überall, wo es notwendig ist, packt er mit an und ist sich für keine Arbeit zu schade. Auch das mit der Fahrradwerkstatt für die Nachbarschaft hat sich mehr zufällig ergeben. Er wurde halt immer wieder gefragt, ob nicht dieses oder jenes Fahrrad reparieren könne. Da wollte er nicht nein sagen. Aus alten Rädern baut er neue zusammen. Am liebsten für die Kinder in der Lehrter Straße. Seit einiger Zeit gibt er ihnen auch Gitarrenunterricht. Mehrere Jahre hat er in der hauseigenen Band „Bis Denver“ schwungvollen Country-Punk gespielt, doch die Übungsräume wurden von der Bauaufsicht gesperrt.
Lothar Kohlbach hat noch viele andere Interessen. Als Hobby-Astronom beobachtet er den Sternenhimmel. „In Berlin geht das nicht besonders gut, aber wir fahren jedes Jahr nach Rappoltengrün in Franken. Da nehme ich mein Fernrohr mit,“ freut er sich. Auch mit Modellbau beschäftigt er sich gerne. Am liebsten baut er Flugmodelle. Und in letzter Zeit lernt er Musikinstrumente zu bauen, eine Balaleika ist ihm schon ziemlich gut gelungen. „Das habe ich mir selbst beigebracht, aus Büchern,“ erklärt er.
2007 wurde Lothar Kohlbach gemeinsam mit Monika Raasch mit dem Klara-Franke-Preis für sein freiwilliges Engagement ausgezeichnet. Jutta Schauer-Oldenburg dankte beiden für ihre unauffällige, spontane und unkomplizierte Nachbarschaftshilfe. Wir hoffen, dass er noch lange Gelegenheit hat, den Lehrter Straße Kindern das Gitarrespielen beizubringen.

Zuerst erschienen in der letzten Ausgabe von stadt.plan.moabit, Nr. 48 April 2007

Ein Kommentar auf "Die gute Seele der Kulturfabrik"

  1. 1
    reiner says:

    lothar ist ein super typ, hat immer ein offenes ohr und hilft jedem, wenn er es kann. sehr sympatisch und hat eine lockere art, netter mann, ohne ihn gehts nit mehr, weiter so lothar

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